mz_logo

Landkreis
Mittwoch, 15. August 2018 27° 3

Bildung

Nittendorf: Schulweg soll kürzer werden

Eine Realschule in Nittendorf – das würde Eltern im westlichen Landkreis entlasten. Aber aktuell ist das nicht in Sicht.
Von Heiner Stöcker

Die Befürworter führen die Schulwege als Argument an. Sie wollen die Familien entlasten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Die Befürworter führen die Schulwege als Argument an. Sie wollen die Familien entlasten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Nittendorf.Quasi im Vorbeigehen hat Landrätin Tanja Schweiger am Montag den Antrag vom März der Marktgemeinde Nittendorf abtun wollen. „Ich war am Ende der Sitzung des Schulausschusses des Landkreises schon am Zusammenpacken, als sie unsere Realschule doch noch unter Verschiedenes ansprach“, sagt Nittendorfs Bürgermeister Helmut Sammüller im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. „Das war eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung.“

Trotzdem: Das Diktum der Landrätin steht. Eine Realschule in Nittendorf wird es in der nächsten Zeit nicht geben. In Beton gemeißelt ist dieses Nein jedoch nicht, denn es hängt von den Schülerzahlen und der weiteren Entwicklung ab (wir berichteten). Und Helmut Sammüller will sich mit der Aussage nicht zufriedengeben.

Im März hatte der Markt Nittendorf Antrag ans Landratsamt gestellt. Schon früher war eine Realschule im westlichen Landkreis Thema. Allerdings werde im Moment weder vonseiten der Ministerialbeauftragten der Realschulen in der Oberpfalz noch von der Stadt Regensburg ein entsprechender Bedarf gesehen, hieß es von der Landkreisführung am Montag.

Weniger Schüler für Parsberg

Die Angst: Ein Realschulstandort im westlichen Landkreis könnte die Schülerzahlen der Realschule Parsberg kannibalisieren. Dort sind die Landkreise Neumarkt und Regensburg gemeinsam Sachaufwandsträger und rund 42 Prozent der Schüler kommen aus dem Landkreis Regensburg. „Aber wir sprechen ja gar nicht von den Schülern, die in den Nachbarlandkreis pendeln“, sagt Sammüller. Es gehe um die, die nach Regensburg fahren. „Regensburg bringt selbst genug Kinder an seine Schulen – und die sind voll.“ Insgesamt ergab die Berechnung des Landkreises ein Schülerpotenzial von 390 Jugendlichen für den Standort Nittendorf. Das seien 60 zu wenig, um eine Realschule sinnvoll am Standort betreiben zu können, hieß es am Montag als Gegenargument. Nittendorfs Bürgermeister fürchtet angesichts steigender Schülerzahlen in den kommenden Jahren eine Zitterpartie auf die Eltern zukommen. „Wenn die städtischen Realschulen wegen Überfüllung einen Annahmestopp von außerhalb ausrufen, bleibt nur noch Parsberg.“

Realschule im Check

  • Aktuell:

    150 Jugendliche aus dem Markt besuchen eine Realschule. Knapp ein Drittel davon geht auf eine private oder kirchliche Schule. Ob dieses Drittel an eine etwaige Realschule in Nittendorf wechseln würde, ist fraglich.

  • Einzugsbereich:

    Für Deuerling, Laaber und Nittendorf sowie mehrere Ortsteile von Beratzhausen und Sinzing wäre Nittendorf der nächst gelegene Standort. 334 Jugendliche besuchen hier eine staatliche Realschule.

  • Prognose:

    Die Anzahl der 10-16-Jährigen in Nittendorf bis zum Jahr 2035 wird stabil bleiben. Im Einzugsgebiet Beratzhausen, Deuerling, Laaber und Sinzing wird teilweise ein deutlicher Rückgang vorhergesagt. (lhl)

„Die Auswahlmöglichkeiten sind ja jetzt schon nicht so erquicklich“, sagt Andrea Rappl. Die mehrfache Mutter hatte schon zwei Kinder in Regensburg auf einer Realschule. „Jetzt mal praktisch gedacht: Wenn die Teenager in Regensburg ausgehen wollen – aber in Parsberg zur Schule gehen, haben sie nicht mal einen Fahrausweis für die Stadt.“ Den hätten sie bei einer Realschule am Ort zwar auch nicht – trotzdem hätte der Familie diese das Leben leichter gemacht. „Man muss nur mal die Zeit rechnen.“ Um 7 Uhr aus dem Haus, damit die Kinder den Zug erwischen und um 8 Uhr in der Klasse sitzen. „Und die Zeit, die auf dem Heimweg draufgeht, ist noch schlimmer.“ Teilweise standen ihre Kinder bis zu 45 Minuten in Regensburg, bis sie am Nachmittag nach dem Unterricht ihren Anschluss nach Hause erwischt haben. Für ihre sechsjährige Tochter hat Rappl „nicht wirklich“ Hoffnung, dass die Schule steht, wenn sie die vierte Klasse beendet. Helmut Sammüller rechnet mit vier bis fünf Jahren inklusive Beschlussfassung im Kreistag, Planungen und Bauzeit, bis eine Realschule in Nittendorf eröffnen könnte.

„Muss man den Schülertourismus immer haben? Kann man die Schule nicht mal da hinbauen, wo die Kinder sind?“ Das sind die Fragen die Helmut Sammüller und seine Mitstreiter stellen. Claudia Hofmann-Meier, die Leiterin der Grundschule Nittendorf, sagt „Nein“. „Die Kinder müssen nicht so weit fahren. Internen Statistiken zufolge schicken wir gut Kinder an die hiesige Mittelschule. Und genauso können wir gut Kinder an eine eigene Realschule schicken.“

Zusammenarbeit der Schulen

Ein „Schulzentrum Nittendorf“ hätte für Hofmann-Meier einen großen Reiz. „Das könnte gut ineinandergreifen“, sagt sie. Zum einen helfe die räumliche Nähe vor allen den Kleinen Berührungsängste mit den Großen abzubauen. Auf der anderen Seite hätten die älteren Schüler aus pädagogischer Sicht einiges zu gewinnen: „Stellen Sie sich zum Beispiel ein Tutorensystem vor, oder wenn die Realschüler bei uns in der Hausaufgaben-Betreuung helfen. Oder Schüler-Patenschaften für Kinder mit Migrationshintergrund, damit denen der Einstieg leichter fällt.“

Und die Fläche für ein Schulzentrum wäre da. Der Markt Nittendorf hat bei der Grundschule weitere zweieinhalb Hektar Grund reserviert. „Gegebenenfalls könnten wir auch noch zukaufen – der Platz ist gesichert“, sagt Sammüller. Und er denkt weiter: Der Markt hat auch einen Antrag für eine neue Mittelschule bei der Regierung gestellt. Der bisherige Bau in Undorf stammt aus den 1960er Jahren und ist sanierungsbedürftig. Nittendorf hat in den vergangenen Jahren erst die Grundschule für rund acht Millionen Euro renoviert. „Ich würde so eine Summe nicht so gerne in die alte Mittelschule stecken – und dann sind die Schulen wieder getrennt. Mir wäre ein Neubau lieber als eine Sanierung.“

Der Realschul-Wunsch der Marktgemeinde steht. Jetzt gilt es den Kreistag zu überzeugen. „Ich gebe nicht auf!“, sagt Sammüller.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht