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Turner

Ohne Geld keine großen Sprünge

Die Rope Skipperinnen vom TSV Neutraubling wollen in Shanghai den WM-Titel holen. Doch zuvor müssen sie viel Geld sammeln.
von Kristin Winderl

  • Verena Silbereisen, Anna Uhl und Stefanie Lex erreichten mit dieser Vorführung Platz eins bei den Deutschen Meisterschaften im März. Foto: Achim Toscani
  • Olivia Gessner, Verena Silbereisen, Anna Uhl und Julia Schmid in AktionFoto: Achim Toscani

Neutraubling.Die Neutraublinger Rope Skipperinnen „Jumping Joeys“ sind der einzige wettbewerbsfähige Verein in ganz Bayern. Doch nicht nur im eigenen Bundesland haben die fünf sportlichen Mädels Anna Uhl, Olivia Gessner, Verena Silbereisen, Stefanie Lex und Julia Schmid – alle Schülerinnen und Studentinnen – ein Alleinstellungsmerkmal: Auch deutschlandweit gehören sie zu den Besten. Das zeigte das Team bei den Deutschen Meisterschaften in Lüneburg. Dort gewannen sie in fünf von sechs Disziplinen und landeten einmal auf Platz drei. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Juli in Shanghai war perfekt. Doch noch klafft im Reise-Budget ein Riesenloch. Das wollen sie mithilfe von Crowdfunding stopfen. Das heißt: Freunde, Verwandte und Unternehmen aus der Region sollen spenden.

Geld von Internetnutzern

Carola Gessner, die Mutter von Team-Mitglied Olivia Gessner, rechnet mit Kosten von 2000 Euro pro Person – also insgesamt 12 000 Euro für die fünf Seilspringerinnen und ihre Trainerin Magdalene Kroll, die nicht nur als Unterstützung, sondern auch als Kampfrichterin mit dabei ist. Doch die Mädels der Rope Skipping-Gruppe hatten für die Finanzierung eine Idee: Sie wollten es auf einen „modernen“ Weg, nämlich per Crowdfunding, probieren. Gesagt, getan: Voraussichtlich vom 3. bis 10. Juli können Freunde und Unterstützer des Rope Skipping-Sports auf der Crowdfunding-Plattform fairplaid.org unter dem Stichwort „Jump2Shanghai“ für die Neutraublinger Springerinnen spenden.

Was ist eigentlich Rope Skipping? Erfahren Sie es in unserem Erklärvideo:

So funktioniert Rope Skipping

Zurzeit fehlen ihnen noch 8000 Euro in der Reisekasse. 5000 davon wollen sie durch das Crowdfunding sammeln. Falls sie das Spendenziel in diesem Zeitraum nicht erreichen, überweist fairplaid.org alle bis dahin eingegangenen Spenden zurück an die Gönner – das Team geht komplett leer aus. Deswegen versuchen die Rope Skipper es auch nur mit einem Teilbetrag. „Da ist das Risiko geringer. Und wenn es nicht klappt, dann haben wir es eben mal probiert“, sagt Gessner. Für den Fall, dass die Summe beim Crowdfunding nicht zusammenkommt, müssen die Sportlerinnen und ihre Eltern den Betrag selbst aufbringen.

Es ist nicht die erste WM-Teilnahme für die Neutraublinger Mädchen. In der Vergangenheit hat das Team bei Eltern, Bekannten und Firmen wegen des Sponsorings angefragt. Dafür haben die Mädchen Karten gebastelt, in denen sie um Unterstützung baten. Auch die Sport- und Sozialstiftung Regensburg, die Stadt Neutraubling und der Bayerische Turnverband sind bis heute treue Sponsoren.

Viel Training für Shanghai

Doch dieses Mal ist die Summe für die Fahrt zur WM besonders groß. Zuletzt hatten sie nur etwa die Hälfte der Kosten aufbringen müssen, weil die WM in europäischen Ländern oder sogar in Deutschland stattgefunden hatte. Deswegen hoffen die Rope Skipperinnen, zusätzlich zum bisherigen Sponsoring über das Internet weitere Kreise erreichen zu können. Trotzdem geht Carola Gessner davon aus, dass die meisten Spender zumindest indirekt bereits mit dem Team bekannt sein dürften. „Vielleicht erreichen wir so auch entfernte Bekannte oder Leute, die schon einmal einen Auftritt der Gruppe gesehen haben.“

Rope Skipping: Ein junger Sport

  • Wettkämpfe:

    Es gibt sowohl Einzel- als auch Teamwettkämpfe. In Shanghai treten die Rope Skipperinnen des TSV Neutraubling als Team an. Olivia Gessner und Anna Uhl nehmen zusätzlich noch als Einzelsportlerinnen teil. Im Wettkampf absolvieren die Seilspringer sechs Disziplinen: zwei Geschwindigkeits- und vier Freestyle-Disziplinen. Sie sind nicht die einzigen Deutschen, die mitdürfen: Die deutsche Delegation in China wird inklusive Betreuer und Trainer etwa 100 Personen umfassen.

  • Problematik:

    Carola Gessner erklärt, dass auch schon andere bayerische Vereine Rope Skipping als Leistungssport betrieben haben. Doch die Sportart ist noch sehr jung. Eigentlich können nur ehemalige Rope Skipper für den techniklastigen Sport als Trainer arbeiten. Diese verlassen die Vereine aber später oft wegen des Studiums oder der Arbeit. In Neutraubling wird der Sport seit 2008 ehrgeizig verfolgt und der Generationen-Sprung funktionierte bisher nahtlos, zum Beispiel über Geschwister.

Am 23. Juli geht die Reise dann auf alle Fälle nach Shanghai. Dafür wurden die Schülerinnen vom Schulunterricht befreit. Die Studentinnen müssen mit einer Sondergenehmigung der Uni Prüfungen schieben. Am 28. und 29. Juli sind dann die Neutraublingerinnen dran. Vor den Kampfrichtern müssen sie verschiedene Disziplinen, in denen entweder auf Geschwindigkeit oder Freestyle- Choreographien geachtet wird, vorführen. Dafür trainieren die Rope Skipperinnen zurzeit viermal in der Woche. Da kommen einige Stunden zusammen, die die Mädels gemeinsam in der Sporthalle verbringen. „Sie wollen in Shanghai einfach ihre eigene bestmögliche Leistung zeigen“, meint Carola Gessner. Unter die Top 10 sind die „Jumping Joeys“ bei vergangenen Weltmeisterschaften schon gekommen. Aber für einen Titel gehört laut Gessner auch ein bisschen Glück dazu. Auf jeden Fall wird die Reise nach Fernost für alle ein Riesenabenteuer.

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