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Gesundheit

Pentling chlort nicht mehr

Im August wurde im Trinkwasser ein Keim festgestellt. Nach Irrungen und Wirrungen soll die Verunreinigung behoben sein.
Von Katharina Eichinger

Warum das Pentlinger Trinkwasser verunreinigt war, lässt sich nicht sagen. Am wahrscheinlichsten ist ein Einfluss von außen. Fotos: Oliver Berg/dpa/Referat Kommunikation der Universität Regensburg

Pentling. Die Probleme mit der Trinkwasserversorgung in den Ortsteilen Pentling, Großberg, Hölkering, Kohlenschacht, Weichselmühle und Fohlenhof scheinen behoben: Seit Montag, 8. Januar, wird das Wasser nicht mehr gechlort.

Im August wurde ein Messwert überschritten: Auf 100 Milliliter wurde ein coliformer Keim entdeckt. Durch die strenge Trinkwasserverordnung in Deutschland war für die Gemeinde Pentling Handeln angesagt: Das Trinkwasser musste bis auf Weiteres abgekocht und über eine mobile Desinfektionsanlage in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Chlor beigesetzt werden.

Gemeinde gibt Entwarnung

„Bei dem Keim handelte es sich um einen coliformen Keim, der nicht krankmachend ist“, sagt Thomas Kohlmeier, Bauamtsleiter der Gemeinde Pentling. Die genaue Ursache, warum das Wasser verkeimt war, lässt sich im Nachhinein nicht sagen.

Die Ursache war aber zumindest nicht im Hochbehälter zu finden. „Wir haben ihn reinigen lassen und Bauteile ausgetauscht“, sagt Kohlmeier. Doch das Wasser war noch immer verunreinigt. Also prüfte die Gemeinde Lüftungsschächte und tauschte weitere Teile der Betriebsanlagen aus. Auch so konnte keine Abhilfe geschaffen werden.

„Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Verunreinigung von außen kam“, sagt Kohlmeier. „Wir schließen aber undichte Rohrleitungen aus, eine Baustelle hatten wir auch nicht in dem Gebiet.“ Belegbar seien die Aussagen jedoch nicht, sagt der Bauamtsleiter.

Es wurde nicht stärker chloriert

Immer wieder meldeten sich bei der Gemeinde und auch bei unserer Zeitung Bürger, nach deren Empfinden die Chlor-Dosierung steige. Kohlmeier gibt Entwarnung: „Auch für Chlor dürfen bestimmte Messwerte nicht überschritten werden.“ Die habe die Gemeinde eingehalten. „Sobald wir eine Verunreinigung des Trinkwassers feststellen, tasten wir uns vorsichtig ran. Es hat 14 Tage gedauert, bis wir die richtige Chlorierung erreicht haben – von diesem Zeitpunkt an ist sie immer gleich geblieben.“

Auch Dr. Dina Grohmann, kommissarische Leiterin des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der Uni Regensburg hat beruhigende Nachrichten für die Pentlinger: „Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.“ Wie die Gemeinde vorging, sei ganz normal für so einen Fall – egal, ob der Keim krankmachend ist oder nicht.

Sobald der Messwert überschritten wird, muss eine Meldung an die Bürger herausgegeben werden, dass das Trinkwasser abgekocht werden soll. „Als Bürger muss man sich keine Sorgen machen: Ein einzelnes Bakterium in 100 Milliliter Wasser ist quasi nichts.“ Wenn der Keim entdeckt wird, können die Behörden sich nicht sicher sein, um was für eine Art von Bakterium es sich handelt. Über Schnelltests lasse sich das nicht sagen, ausführlichere Tests dauern zu lange. Meist hätten die Kontrollstellen auch nicht die entsprechenden diagnostischen Mittel.

Chlor im Trinkwasser

  • Gechlortes Trinkwasser ist bei fachgerechter Aufbereitung unbedenklich und nicht gesundheitsschädlich. Lediglich für Aquarien und Fischteiche oder beim Betrieb von biologischen Kleinkläranlagen kann es zu Problemen kommen.

  • Gebiete:

    Betroffen waren die Ortsteile Pentling, Großberg, Hölkering, Weichslmühle, Fohlenhof und Kohlenschacht. Die Pentlinger Wassertassen fassen 100 und 150 Kubikmeter, sind knapp 30 Meter hoch; Durchmesser: von 11,20 Meter

  • Abkochen:

    Das Trinkwasser soll solange abgekocht werden, bis die notwendige Chlorkonzentration erreicht ist. Im Fall Pentling dauerte das zwei Wochen. Die Chlorkonzentration wird bis Entwarnung gegeben wird, nicht erhöht.

Die einfachste und günstigste Variante sei Chlor: „Damit können Bakterien nicht umgehen“, sagt die Biologin. Und in den meisten Fällen sei der Keim nicht pathologisch, also nicht-krankmachend.

Vor einigen Jahren haben Grohmann und ihr Team für den Bayerischen Rundfunk eine Studie angefertigt, bei der sie verschiedene Wasserqualitäten getestet haben: „Im Trinkwasser aus der Flasche sind mehr Bakterien als im Leitungswasser“, sagt sie. Vor allem, wenn die Flasche einmal geöffnet sei, siedeln sich Keime an.

Aber ist gechlort besser als ein Trinkwasser, bei dem ein Messwert gering überschritten wurde? „Geringe Konzentrationen von Chlor schaden uns nicht“, sagt Grohmann. Die Bürger seien das schlichtweg nicht gewohnt. „In Deutschland wird sehr viel Aufwand betrieben, das Trinkwasser ohne Chlor sauber zu bekommen.“ Chlorieren sei aber die Standardmethode in vielen Ländern, die nicht so viel Geld in die Trinkwasseraufbereitung investieren. Dass Wasser Chlor beigemischt wird, kommt im Landkreis immer wieder vor. Im Herbst 2017 dürften beim Austausch von Hydranten Bakterien ins Pfatterer Trinkwasser gelangt sein. Im Frühjahr vergangenen Jahres wurde in Pettendorf Keimalarm ausgelöst – allerdings handelte es sich um einen Messfehler. Trotzdem chlorte die Gemeinde vorsorglich.

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