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Treffen

Polder: BI setzt auf Landespolitiker

Die Gegner der riesigen Flutbecken haben die Parteispitzen eingeladen. Sie wollen den Volksvertretern ihre Bedenken darlegen.
Von Christof Seidl

Im März demonstrierten die Polder-Gegner beim Besuch von Ministerpräsident Markus Söder. Diesmal wird es keine Proteste geben, schließlich hat die IG Flutpolder die Gäste aus der Landespolitik selbst eingeladen. Archivfoto: Lex
Im März demonstrierten die Polder-Gegner beim Besuch von Ministerpräsident Markus Söder. Diesmal wird es keine Proteste geben, schließlich hat die IG Flutpolder die Gäste aus der Landespolitik selbst eingeladen. Archivfoto: Lex

Barbing.Für die Poldergegner aus dem südlichen Landkreis Regensburg ist der morgige Dienstag ein entscheidender Tag. Dann kommen Spitzenpolitiker aus dem bayerischen Landtag nach Barbing, um sich über die geplanten riesigen Flutbecken an der Donau zu informieren.

Seit vier Jahren plant der Freistaat die gesteuerten Flutpolder Eltheim und Wörthhof. Die beiden riesigen Flutbecken mit einem Fassungsvermögen von bis zu 48 Millionen Kubikmetern Wasser sollen bei einem extremen Hochwasser zum idealen Zeitpunkt volllaufen und so bewirken, dass der Flutpegel sinkt. Dadurch sollen flussabwärts Hochwasserschäden verhindert oder zumindest verringert werden.

Der Flächenbedarf ist enorm

Im südöstlichen Landkreis stößt das Polderprojekt auf harsche Kritik. Die Anwohner im Bereich der geplanten Flutbecken und deren Vertretung, die Interessengemeinschaft (IG) Polder, fürchten einen weiteren Anstieg des Grundwasserspiegels, der sich bereits durch den Donauausbau in den 80er-Jahren negativ verändert habe. Derzeit erarbeitet das Wasserwirtschaftsamt Regensburg ein Grundwassermodell, das zeigen soll, wie sich der Polderbau auf die Region auswirken würde. Dazu errechnet ein Ingenieurbüro verschiedene Varianten mit Dämmen, Zu- und Abflüssen etc. Die Zahlen zeigen die Dimensionen des Mammutprojekts. 38 Kilometer würden die Dämme und Deiche bei den größten Varianten umfassen, 190 Hektar Fläche wären für den Dammbau notwendig, das entspricht ungefähr 270 Fußballfeldern. Zum Vergleich: Das Regensburger BMW-Werk hat eine Fläche von 140 Hektar.

Mit diesem Holzgerüst und farbigen Bändern zeigen die Poldergegner bei Geisling, welche Dimensionen der Damm für die geplanten Flutpolder an den höchsten Stellen nach den derzeitigen Berechnungen hätte. Archivfoto: Hans Biederer
Mit diesem Holzgerüst und farbigen Bändern zeigen die Poldergegner bei Geisling, welche Dimensionen der Damm für die geplanten Flutpolder an den höchsten Stellen nach den derzeitigen Berechnungen hätte. Archivfoto: Hans Biederer

Nach Angaben des Leiters des Wasserwirtschaftsamts, Josef Feuchtgruber, handelt es sich bei diesen Zahlen um „Worst-Case-Annahmen“. Die jeweilige Linienführung und Höhe der Deiche sei in diesem frühen Planungsstadium noch nicht genau bekannt. Die Zahlen könnten bei einer detaillierten Planung deutlich geringer ausfallen. Zum Teil sollen bestehende Deiche ertüchtigt werden, zum Teil müssen neue Deiche gebaut werden.

Die bisherigen Erkenntnisse bewertet Feuchtgruber positiv. Die Polder seien technisch realisierbar, die Grundwassersituation sei beherrschbar. In einzelnen Bereichen wären technische Maßnahmen notwendig, um den Grundwasserspiegel abzusenken.

Die Poldergegner, die vom Landratsamt Regensburg unterstützt werden, kommen zu einem anderen Schluss. Der Landkreis hat bereits vor Jahren den Wasserbauexperten Professor Dr. Andreas Malcherek an Bord geholt, der die Planungen unabhängig vom Wasserwirtschaftsamt betrachtet. Seine wichtigste Kernaussage zum aktuellen Grundwassermodell: Es bestätige die vorhergesagten und von alteingesessenen Bewohnern festgestellten Tatsachen. Der Grundwasserstand habe sich durch den Ausbau der Donau überall in Flussnähe erhöht. Dies bedeute, dass die sogenannte Schmalwanddichtung der Donau durch die Fachbehörden überschätzt wurde, erklärt Malcherek. Betroffen seien vor allem die Bereiche Auburg, Frengkofen sowie die Staustufe Geisling. Die Befürchtung der IG, dass die Polder im Ernstfall zu einem weiteren, drastischem Anstieg des Grundwasserspiegels führen könnten, teilt der Professor.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder traf bei seinem Besuch in Barbing Anfang März 2018 auf die Poldergegner.

Söder trifft in Barbing auf Polder-Gegner

Was die Gegner der riesigen Wasserbecken im Moment besonders wütend macht, ist ein anderes Versäumnis. Der Freistaat hatte 2014 einen Dialogprozess gestartet, um den Bürgern eine Mitsprachemöglichkeit bei den Polderplanungen einzuräumen. Das Ergebnis dieses Prozesses liegt seit Ende 2016 vor und mündet in zwei Schlussfolgerungen: Die Wasserwirtschaft soll einen umfassenden Untersuchungsplan zur Klärung der Kosten-Nutzen-Frage in Bezug auf die Polder vorlegen. Und: Für eine belastbare Analyse dieser Frage sind zahlreiche konkrete Untersuchungen erforderlich, auch was Alternativen zu Flutpoldern (Polderstandorte an den Zuflüssen, kleine dezentrale Maßnahmen, Staustufenmanagement etc.) angeht.

„Von diesen Dingen hören wir gar nichts“, kritisiert Markus Hörner, der Sprecher der IG. „Bisher liegt uns kein Untersuchungsplan vor.“ Dasselbe gelte für die Klärung der vielen Fragen, die im Dialoverfahren aufgeworfen wurden. „Angeblich laufen Untersuchungen, aber bisher haben wir keine Ergebnisse erhalten.“

Studien zu Alternativen in Arbeit

Wie Feuchtgruber auf Anfrage der MZ erklärte, sind das bayerische Umweltministerium und das Landesamt für Umwelt nach seinem Kenntnisstand derzeit dabei, die verschiedenen Studien und Untersuchungen zu Bedarf und Alternativen von gesteuerten Flutpoldern zu vervollständigen und zu bewerten. Sie würden dann als Grundlage für eine politische Entscheidung aufzubereitet werden.

Markus Hörner, der Sprecher der Interessengemeinschaft der Poldergegner, moderiert den Diskussionsabend mit den Landespolitikern. Archivfoto: lbb
Markus Hörner, der Sprecher der Interessengemeinschaft der Poldergegner, moderiert den Diskussionsabend mit den Landespolitikern. Archivfoto: lbb

Am Dienstag werden sich ab 19.30 Uhr CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer (CSU), Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler, SPD-Mann Klaus Adelt (Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz) sowie der Landesvorsitzende der Grünen, Eike Hallitzky, im Barbinger Rathaus-Restaurant der Diskussion stellen. Grußwort-Redner sind Barbings Bürgermeister Hans Thiel und Landrätin Tanja Schweiger. Die Moderation des Abends übernimmt IG-Sprecher Markus Hörner.

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