MyMz
Anzeige

Rückblick

Polder-Gegner sehen Hoffnungsschimmer

Seit Februar läuft der Dialog um die geplanten Giganten an der Donau. Die BI setzt auf eine faire Bewertung ihrer Argumente.
Von Christof Seidl, MZ

  • Beim Auftakt des Hochwasserdialogs demonstrierten die Bürger im südöstlichen Landkreis nicht nur gegen Flutpolder, sondern auch ihre Geschlossenheit. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Foto: Lex
  • Bei den Vorortgesprächen brachten die Bürger im südöstlichen Landkreis Regensburg eine Vielzahl an Bedenken gegen Flutpolder vor. Foto: lid
  • Aufschlussreich: Professor Malcherek mit seinem grafischen Grundwassermodell, das er im Juli 2015 in Kiefenhol vorstellte.Foto: Seidl

Regensburg.Für die Gegner der beiden geplanten Flutpolder Eltheim und Wörthhof war es ein anstrengendes Jahr – aber auch eines mit positiven Aspekten, sagt Markus Hörner, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft zur Verhinderung der Flutpolder (IG). Seine Hoffnungen beruhen auf dem Hochwasser-Dialog.

Das klingt erstaunlich, denn die IG ist diesem Dialog lange Zeit mit großer Skepsis begegnet. Ob Auftaktveranstaltung im Februar oder Vor-Ort-Gespräche im Juli – die betroffenen Bürger sahen in den Veranstaltungen vor allem eine Art Beruhigungspille. Der Freistaat werde seine feste Absicht, die Polder zu realisieren, trotzdem nicht aufgeben.

Seitdem haben sich nach Hörners Ansicht zwei Dinge geändert. Das seien zum einen die Diskussionsforen, die im Herbst stattfanden. „Dabei sind viele offene Fragen aufgetaucht und Informationen geflossen, die den Polderplanern nicht unbedingt nützen.“ Bei diesen Treffen, die die Bürogemeinschaft Plansinn/Tatwort aus Wien moderiert hat, kamen etliche externe Fachleute zu Wort, die zu verschiedenen Bereichen der geplanten Polder Stellung nahmen.

„Dabei sind viele offene Fragen aufgetaucht und Informationen geflossen, die den Polderplanern nicht unbedingt nützen.“

Markus Hörner, IG-Sprecher

Ein wesentliches Element in der Diskussion fehlt allerdings noch. Die groß angelegte Grundwasseruntersuchung, die das Wasserwirtschaftsamt Regensburg im Herbst in Auftrag gegeben hat. Erste Ergebnisse werden vermutlich erst bis Ende 2016 vorliegen. Hörner geht nicht davon aus, dass diese Untersuchung zu einem Ergebnis kommt, das schwarz oder weiß ist. „Wir gehen davon aus, dass es Grundwasserprobleme gibt, die sehr schwer zu lösen sind.“

Dass die Grundwassersituation im Bereich der beiden geplanten Polder kompliziert ist, hat bereits Professor Andreas Malcherek aufgezeigt, der im Auftrag des Landkreises Regensburg die Grundwasserdaten seit dem Aufstau der Donau bei Geisling und Straubing untersucht hat.

Sein Ergebnis war für die betroffenen Bürger die Bestätigung ihrer seit vielen Jahren gehegten Vermutung: Der Grundwasserspiegel ist seit dem Aufstau deutlich angestiegen und hängt direkt vom Wasserstand in der Donau ab – eine Tatsache, die Behördenvertreter immer verneint hatten. Wie Malcherek betont, handelt es sich bei seinen Ergebnissen nicht um eine Interpretation von Grundwasserdaten, sondern schlicht um deren Aufbereitung.

Die zweite Änderung im abgelaufenen Jahr sieht Hörner in der Politik selbst. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte sich im Herbst mit einer Delegation aus dem Landkreis Regensburg getroffen, um sich selbst ein Bild von der Flutpolder-Situation dort zu machen. Er sagte bei dem Gespräch ergebnisoffene Prüfungen zu.

„Meine Hoffnung ist, dass wir die sachlichen Argumente aus den Fachgesprächen der Politik vorlegen können, die bisher einseitig von den Polderplanern beraten worden ist,“ sagt Hörner.

„Meine Hoffnung ist, dass wir die sachlichen Argumente aus den Fachgesprächen der Politik vorlegen können, die bisher einseitig von den Polderplanern beraten worden ist,“

Markus Hörner, IG-Sprecher

Dann müsse sich die Politik die Frage nach Nutzen, Schaden und Kosten stellen – und die nach Alternativen.

Insgesamt bleibt der IG-Vorsitzende skeptisch. Was ihm vor allem fehlt, ist ein sinnvolle Zusammenfassung der oft widersprüchlichen Standpunkte der Fachleute. „Sonst ist das alles eine brotlose Kunst.“ Hörner schlägt vor, die verschiedenen Argumente zu Blöcken zusammenzustellen und dann zu bewerten – möglichst nach einem Punktesystem. Nur dann habe die Politik eine sinnvolle Grundlage für eine Entscheidung.

Barbings Bürgermeister Hans Thiel, der sich wie Hörner seit Jahren gegen Flutpolder engagiert, sieht die bisherigen Ergebnisse des Dialogprozesses skeptischer. Er sei bei den Diskussionsforen überrascht und oft enttäuscht gewesen, wie unterschiedlich die Betrachtungsweise der Experten ausfalle. Da werde beispielsweise auf positive Erfahrungen mit Fließpoldern verwiesen, dabei gehe es im Landkreis Regensburg um Kastenpolder.

Thiel sieht in dem Dialogprozess ebenfalls viele offene Fragen, die die Fachleute der Planer nicht beantworten könnten, ob es nun um die Steuerung von Flutpoldern gehe („das klappt in der Praxis nie“) oder um die Rolle, die Maßnahmen an kleinen Gewässern auf den Hochwasserabfluss der Donau oder der Isar haben.

Die Gesamtsituation bewertet Thiel nach wie vor als unbefriedigend: „Wir hängen von Gutachten ab und können nur warten, was kommt, das ist für die Bürger nicht schön.“ Eine positive Tendenz sei dagegen die Zusage Seehofers.

Der Hochwasserdialog

  • Auftakt:

    Beim Start des Hochwasserdialogs im Februar konfrontierten die Flutpolder-Gegner im Landkreis Regensburg Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf mit einer Vielzahl von Fragen und Einwänden.

  • Vorortgespräche:

    Bei diesen Gesprächen brachte die betroffene Bevölkerung ihre Sorgen, Bedenken und Fragen zu den beiden geplanten Flutpoldern detailliert zur Sprache.

  • Diskussionsforen:

    Bei den überregionalen und regionalen Diskussionsforen im Herbst kamen auch externe Fachleute zu Wort. Themenbereiche (Auswahl): Hochwasserrisiko, Schutzstrategien, Rückhaltesysteme, Flutpolder.

  • Dialogveranstaltung:

    Lokale bzw. regionale Fachleute und Bürger von Vorortgesprächen treffen sich, um Informationen der bisherigen Ergebnisse von Gesprächen und Diskussionsforen sowie erste Antworten auf Fragen zu erhalten. Auch über Erfahrungen mit Flutpoldern in anderen Flussgebieten soll gesprochen werden.

  • Ministerinveranstaltung:

    Ulrike Scharf will im 1. Halbjahr 2016 Ergebnisse vorstellen und über mögliche weitere Schritte informieren. Informationen: www.hochwasserdialog.bayern.de

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht