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Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Hochwasser

Polder: Mehr Fragen als Antworten

Zwischenbilanz des Hochwasserdialogs zeigt, wie groß die Befürchtungen sind. Ende 2017 soll eine Kostenschätzung vorliegen.
Von Christof Seidl, MZ

  • Der Hochwasserdialog hat an den Befürchtungen der Anlieger der geplanten Flutpolder Eltheim und Wörthhof wenig geändert – auch weil die Behörden die meisten Fragen bisher nicht beantworten können. Foto: xtl
  • Harald Hillebrand, Referent der Landrätin Tanja Schweiger: „Der Dialog auf Augenhöhe ist möglich, weil Bürger viel Zeit und Aufwand investieren.“ Foto. cs
  • Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamts: „Ich will auch kein Projekt umsetzen, das mehr Kosten als Nutzen verursacht.“ Foto. cs
  • Markus Hörner, Interessengemeinschaft Flutpolder: „Die Frage, ob wir diese Flutpolder überhaupt brauchen, ist nach wie vor ungeklärt.“ Foto. cs
  • Hans Thiel, Bürgermeister von Barbing: „Den Dialog an sich finde ich gut. Ein gutes Gefühl habe ich trotzdem nicht.“ Foto. cs

Barbing.Interessensvertreter und Behörden haben im Hochwasserdialog eine Zwischenbilanz gezogen. Die 50 Seiten starke Zusammenfassung des bisherigen Dialogs listet Konsens und Dissens zwischen Interessensvertretern und Behörden sowie offene Fragen detailliert auf. In der Summe zeigt diese Bilanz vor allem zwei Dinge. Die Befürchtungen der Anwohner der geplanten riesigen Flutpolder Eltheim und Wörthhof sind groß und die meisten ihrer Fragen können die Behörden bislang nicht beantworten.

Bei einem Pressegespräch im Landratsamt am Montag räumte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Regensburg, Josef Feuchtgruber, das auch unumwunden ein. Der Freistaat habe das Dialogverfahren bewusst vor jeglicher Planung gestartet. Die Kehrseite sei nun, dass es noch dauere, bevor Ergebnisse vorliegen. Seit dem Start des Dialogs hätten rund 50 Vorortgespräche, Runde Tische und Diskussionsforen stattgefunden.

Bei vielen Themen herrscht Dissens

Barbings Bürgermeister Hans Thiel bewertete das bisherige Dialogverfahren insgesamt positiv. Die klare Gliederung der Zwischenbilanz fand auch Markus Hörner, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Flutpolder, gut. Er und Thiel betonten zugleich, dass die entscheidenden Fragen bisher unbeantwortet blieben. Hörner: „Unter den meisten Themenblöcken in der Zwischenbilanz steht Dissens, das wird auch noch so bleiben.“ Die Behörden hätten die zentrale Frage, ob die geplanten Flutpolder überhaupt benötigt werden, bisher nicht beantworten können. Die betroffenen Anwohner der geplanten Flutpolder bei Wörth und Barbing befürchteten vor allem einen Anstieg des Grundwasserspiegels durch den Polderbau und deren Einsatz. Auch hierzu gebe es bisher keine Antwort.

Hörner und Harald Hillebrand, der Referent von Landrätin Tanja Schweiger, betonten, dass bisher außerdem jegliche Kostenschätzung fehle. Hörner sagte, die Politik müsse sich schon die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, die Flutpolder angesichts der zu erwartenden Belastungen für die Anlieger und der enormen Kosten umzusetzen.

Feuchtgruber entgegnete, dass diese Fragen im Moment noch nicht beantwortet werden könnten. Es gebe in der Tat eine Obergrenze der Kosten, ab der Polder keinen Sinn mehr machen, nämlich dann, wenn die Baukosten den Schaden, der durch die Polder vermieden werden kann, übersteigen. Eine erste grobe Kostenschätzung für alle vom Freistaat an der Donau geplanten Polder werde voraussichtlich im Frühjahr möglich sein, kündigte Feuchtgruber an. Bis Jahresende 2017 soll dann eine etwas exaktere Kostenschätzung für die Polder Eltheim und Wörthhof vorliegen. Ob dann auch die Entscheidung über die Realisierung fällt, wisse er nicht.

Ebenfalls im Frühjahr werden laut Feuchtgruber die ersten Ergebnisse des Grundwassermodells vorliegen. Dieses Modell sei weit umfangreicher als in vergleichbaren Fällen üblich. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg wolle auf diese Weise fundiert klären, welchen Einfluss der Wasserstand in der Donau auf den Grundwasserspiegel in der Umgebung hat. Sollte sich dabei herausstellen, dass der Dammbau in den 70er/80er-Jahren an der Donau für einen Anstieg des Grundwasserspiegels verantwortlich ist, habe das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg Nachbesserungen zugesagt.

Perfekter Einsatz kaum möglich

Keine konkrete Antwort gab Feuchtgruber auf Nachfrage unseres Medienhauses zur möglichen Wirkungsreichweite der geplanten Polder. Die in der Zwischenbilanz genannten Zahlen beziehen sich auf das Hochwasser 2013. Nach diesen Berechnungen hätte der gemeinsame Einsatz der Flutpolder Eltheim, Wörthhof und Öberauer Schleife (bei Straubing) bei einem perfekten Timing den Hochwasserscheitel in Deggendorf um 20 Zentimeter gesenkt. Feuchtgruber räumte ein, dass dieser optimale Einsatz in der Praxis kaum möglich sei. Auch hier laufe eine Untersuchung, die im kommenden Jahr mit genaueren Berechnungen aufwarten soll.

Offen ist, ob und wann Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf nach Barbing kommt. Ein Termin, bei dem sie die Zwischenbilanz samt grafischen Erläuterungen überreicht bekommen soll, wir voraussichtlich Ende Januar in München stattfinden.

Kommentar

Warten auf Ergebnisse

Die Zwischenbilanz zum Hochwasserdialog hat zumindest einen Vorteil: Die kritischen Punkte liegen auf dem Tisch, schön nach Themen geordnet und durchnummeriert....

Argumente und Forderungen

  • Hochwasser:

    Die Kappung von Hochwasserspitzen ist ein Glücksspiel. Deshalb ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Flutpoldern zweifelhaft.

  • Schutzmaßnahmen:

    Die IG fordert einen durchgehenden Schutz auf Basis eines hundertjährlichen Hochwassers anstelle von Flutpoldern. Gefährdete Bereiche sollen nicht mehr bebaut werden (Stichwort Flutpolderdemenz).

  • Effekt:

    Die große Entfernung der geplanten Flutpolder Wörthhof und Eltheim zu den nächsten Hochwasserbrennpunkten verringert den Nutzen.

  • Alternativen:

    Dezentrale Hochwasserschutzmaßnahmen bewirken in der Summe mehr als Flutpolder. Eine Staustufenregelung bietet ebenfalls Möglichkeiten zur Kappung von Hochwasserspitzen.

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