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Hochwasser

Polder: Was taugt die Simulation?

Ein Grundwasser-Modell soll Auswirkungen der Flutbecken im Landkreis Regensburg berechnen. Kritiker zweifeln am Nutzen.
Von Christof Seidl, MZ

  • Das Wasserwirtschaftsamt will für das Grundwassermodell fast 30 zusätzliche Messstellen einrichten. Sie müssen zum Teil auf Privatgrund gebohrt werden. Foto: MZ-Archiv Thomann
  • Markus Hörner (links) kritisierte, dass die Zahl der Messstellen keine detaillierte Betrachtung der Auswirkungen von Flutpoldern zulasse. Foto: cs
  • Das Grundwassermodell reicht von Osten der Stadt Regensburg bis Pondorf und Schönach. Repro: MZ

Regensburg.Seit Anfang 2015 laufen die Planungen für die beiden Flutpolder Eltheim und Wörthhof. Kritiker lehnen die beiden riesigen Flutbecken ab. Sie argumentieren, dass das Grundwasser im südöstlich Landkreis schon durch den Donau-Ausbau deutlich angestiegen sei und viele Probleme verursache. Flutpolder würden diese Probleme sehr verschärfen. Gleichzeitig sei ihr Nutzen fraglich.

Welche Auswirkungen die Polder auf das Grundwasser in der Region haben würden, soll ein umfangreiches Grundwassermodell klären, das das Wasserwirtschaftsamt Regensburg (WWA) in Auftrag gegeben hat. Ihm Rahmen des Hochwasserdialogs stellten die Planer und die Behörden den aktuellen Stand der Arbeit an diesem Modell vor.

Bei dem Infoabend am Donnerstag in der Stadthalle Neutraubling ging es um die Messstellen, die für das Grundwassermodell benötigt werden. 27 bestehende Messstellen seien nachrüstbar, sagte Christian Gmünder von der Bürogemeinschaft Simultec/Tewag, die das Grundwassermodell erstellt. 35 müssten neu angelegt werden. Bei etwa zehn sind Bohrarbeiten auf Privatgrund nötig, für die das Wasserwirtschaftsamt Gestattungsverträge mit zunächst zwei Jahren Laufzeit anbietet. Dazu kommen fünf geologische Bohrungen, um genaueren Aufschluss über die Beschaffenheit von wasserführenden Schichten und Deckschichten in bestimmten Bereichen des Modells zu erhalten. Zusammen mit den Messdaten aus der Zeit vor und nach dem Donauausbau sollen sie die Datengrundlage für das Grundwassermodell bilden. Gmünder bezeichnete diese Datenanlage als ausreichend, um das Modell aufzustellen und die Berechnungsparameter mit den realen Messwerten abzugleichen. Nach dieser Kalibrierung sei das Modell in der Lage, die Auswirkungen der geplanten Polder zu berechnen.

„Machbarkeit überprüfen“

Im Herbst sollen die ersten groben Planvarianten vorliegen. „Mithilfe des Grundwassermodells können wir diese Varianten auf ihre Machbarkeit überprüfen“, erklärte Gmünder. Auch die Auswirkungen von technischen Anlagen wie Brunnengalerien, Gräben oder Spundwänden ließen sich so berechnen.

Josef Feuchtgruber, Leiter des WWA Regensburg, unterstrich, dass das Modell für die Donau-Anwohner einen großen zusätzlichen Vorteil habe. Man könne damit herausfinden, ob sich die Grundwassersituation durch den Bau der Donau-Staustufen Geisling und Straubing tatsächlich verschlechtert hat. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg (WSA) habe zugesagt, dass es Nachbesserungen vornehmen werde, wenn sich diese Annahme bestätigt. Bisher habe die Behörde stets betont, dass es keine Verschlechterung gebe.

Zur Polderplanung sagte Feuchtgruber, dass die von den Gegnern kritisierten Vorplanungen nur der Berechnung der Machbarkeit dienten. „Wir werden viele Varianten überprüfen.“ Es werde aber nur um die planerische Beurteilung gehen. Am Ende werde vielleicht eine Variante übrig bleiben, die realisierbar sein könnte.

In der Diskussion unter Leitung eines Moderators des Hochwasserdialogs bezweifelten die Kritiker des Polderbaus, dass die geplanten Messstellen ausreichen. Markus Hörner, Vorsitzender der Interessengemeinschaft gegen Flutpolder, sagte, er habe zur Beregnung seiner Felder zwei Brunnen, die nur 25 Meter voneinander entfernt sind. Der eine liefere immer genug Wasser, der andere nicht. Das zeige, dass die Grundwasserverhältnisse auch im kleinteiligen Bereich sehr unterschiedlich seien. Die Messstellen und die Berechnungen, die auf deren Messwerten basieren, würden deshalb nicht ausreichen, um für einzelne Gebäude eine vernünftige Vorhersage zu treffen.

Keine finanzielle Beschränkung

Feuchtgruber und Gmünder räumten ein, dass das Modell jetzt noch keine kleinräumigen Vorhersagen treffen werde. Wenn es einmal konkrete Planungen geben sollte, müssten vermutlich weitere Messstellen geschaffen werden, um lokale Betroffenheiten exakt vorhersagen und technische Gegenmaßnahmen treffen zu können. Die Vermutung aus den Reihen der Kritiker, dass die Planer mehr Messstellen gewünscht hätten, das WWA dies aber nicht finanzieren wolle, bestritt Gmünder. Es gebe keine finanzielle Beschränkung.

Harald Hillebrand, der beim Landratsamt für das Flutpolderthema zuständig ist, sagte, man könne den Polderbau vermutlich technisch so lösen, dass negative Auswirkungen ausbleiben. Allerdings würde das dann sehr hohe Kosten verursachen. Er meinte, es wäre besser, dieses Geld in dezentrale Lösungen zu investieren. Die Sturzfluten in Simbach oder in Hemau hätten Polder nicht verhindern können. Dezentrale Maßnahmen hätten dagegen auch positive Auswirkungen auf ein Donau-Hochwasser.

Feuchtgruber bestritt diese Sichtweise. Das sei so, als würde man versuchen, zwei völlig verschiedene Krankheiten mit denselben Heilmitteln zu bekämpfen. Auf den Vorwurf, dass der Polder Wörthhof den jetzt schon schwierigen Hochwasserabfluss aus dem Vorwald abschnüren würde, entgegnete er: „Wir kennen das Problem, da müssen sich die Planer Gedanken machen.“

Der Wörther Altbürgermeister Franz Beutl brachte am Ende der Diskussion die Befürchtungen der Poldergegner bezüglich des Hochwasserdialogs auf den Punkt. „Das ist ein Schleichweg, der uns zu Maßnahmen führt, die der Natur und den Landwirten schaden und bei den Menschen Ängste auslösen. Das ist falsch!“

Das Grundwassermodell

  • Grundlagen:

    Es verarbeitet bestehende Messdaten aus der Zeit des Donau-Ausbaus, Wetterdaten und die Werte der aktuellen bzw. geplanten Messstellen.

  • Überprüfung:

    Der Vergleich mit Messwerten in der Vergangenheit soll zeigen, ob die Vorhersagen des Modells richtig oder ob Anpassungen nötig sind.

  • Varianten:

    Sobald das Modell korrekt funktioniert, sollen damit verschiedene Poldervarianten und technische Anlagen auf ihren Einfluss auf das Grundwasserniveau überprüft werden.

  • Ergebnisse:

    Laut Wasserwirtschaftsamt sind die Ergebnisse Teil der Unterlagen für ein Raumordnungsverfahren, aber nicht für eine konkrete Planung.

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