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Politik

Polderbau: Kampf geht weiter

Stromtrasse und Abbaugebiete sind im östlichen Landkreis Regensburg nicht willkommen. Die Gemeinden ziehen an einem Strang.
Von Johann Biederer

Bürgermeister Jürgen Koch sieht den möglichen Stromtrassenverlauf durch den östlichen Landkreis kritisch. Fotos: Biederer
Bürgermeister Jürgen Koch sieht den möglichen Stromtrassenverlauf durch den östlichen Landkreis kritisch. Fotos: Biederer

Pfatter.Über die Maßen beansprucht fühlen sich die östlichen Landkreisgemeinden Wörth, Wiesent und Pfatter mit dem geplanten Polderbau, dem möglichen Vorzugskorridor der Stromtrasse Südost-Link des Stromnetzbetreibers Tennet und dem steigenden Abbau von Bodenrohstoffen, der zulasten ihrer Gemeinden und zugunsten der boomenden Städte gesehen wird.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden und der Stadt Wörth fühlen sich an einem Punkt angekommen, der nicht mehr hinnehmbar erscheint. Sie sind sich einig: Irgendwann sei der Punkt erreicht, wo man sage, dass jetzt Schluss sei und man das nicht mehr machen könne.

Projekt bereitet Kopfzerbrechen

Sowohl Wörth als auch Wiesent und Pfatter stemmen sich mit aller Kraft gegen weitere Belastungen auf ihren Gemeindegebieten. Vor allem der geplante Polderbau bereitet Bürgermeister Jürgen Koch enormes Kopfzerbrechen: „Wenn ich mir die gewaltigen Bauwerke vorstelle, wird mir Angst und Bange. Die Dämme der Polder, die nach der Planungserweiterung nun zwischen 15 und 30 Millionen Kubikmeter Wasser fassen sollen, werden zwischen fünf und neun Meter hoch“, gibt der Pfatterer Rathaus-Chef zu bedenken. Zu diesem Punkt vertraut Koch jedoch auf eine Zusage des Ministerpräsidenten, wonach es keine Polder im östlichen Landkreis geben soll, wenn dadurch im Gebiet Verschlechterungen eintreten würden.

Ähnlich sieht es Elisabeth Kerscher, die Bürgermeisterin aus Wiesent: „Wir haben zwar als Gemeinde nicht einen Quadratmeter Grund im geplanten Poldergebiet, jedoch bewirtschaften viele unserer Landwirte dort Felder und Wiesen“. Aus diesem Grund ist die Bürgermeisterin bei allen Besprechungen mit am runden Tisch. „Wir haben keine grundsätzlich ablehnende Haltung gegen einen Hochwasserschutz.“ Jedoch stemme man sich ausdrücklich gegen den Polderbau und stehe somit Seite an Seite mit den betroffenen Gemeinden, so Kerscher.

Vehement stemmen sich die Gemeinden auch gegen den von Stromnetzbetreiber Tennet vorgesehenen Vorzugskorridor des Südost-Links auf dem 126 Kilometer langen Restteilstück zwischen Schwandorf und Landshut. „Hier soll, meines Wissens nach, im Frühjahr in die konkrete Planung eingestiegen werden“, weiß Bürgermeister Jürgen Koch. Und auch hier sei nicht ausgeschossen, dass der Stromtrassenverlauf quer durch das Gemeindegebiet verlaufe. „Auf unserem Gemeindegrund sind dann zwei Streckenvarianten möglich. Entweder biegt die Trasse in Richtung Geisling ab und sie läuft parallel neben der Bundesstraße nach Griesau. Dies ist jedoch absolut unmöglich für die weitere Ortsentwicklung“, so Koch.

Kerscher sieht hier Parallelen zur Mero-Rohölleitung, die vor ziemlich genau 20 Jahren in Betrieb genommen wurde und ebenfalls die östlichen Gemeinden durchquert. „Auch diese Pipeline haben wir erdulden müssen. Und jetzt sind wir wahrscheinlich mit der Stromtrasse dran. Irgendwann ist der Punkt erreicht, bei dem ich sage: Alles kann man nicht mit sich machen lassen“, betont die Politikerin.

„Fühlen uns ausgenutzt“

Neu im Gespräch sind nun offensichtlich auch Donauquerungen bei Geisling sowie östlich der Walhalla bei Donaustauf. Genaueres dürfe aber erst zu erfahren sein, wenn die Bundesfachplanung abgeschlossen sei. Massiv wehrt man sich in Wiesent, Pfatter und Mintraching gegen die Ausweitung beim Abbau von Bodenrohstoffen. Obwohl den Verantwortlichen in den Kommunen sehr wohl bewusst ist, dass durch die florierende Bautätigkeit immer mehr Rohstoffe benötigt werden, sehen sie sich hier jedoch vollkommen überrumpelt. „Wir fühlen uns zugunsten der Ballungszentren, die hier eindeutig die Nutznießer sind, ausgenutzt“, findet Kerscher im Gespräch mit unserer Zeitung deutliche Worte.

Das Projekt

  • Rohstoffabbau:

    Bereits 125 Hektar Kies wurden allein in Pfatter abgebaut. Die Gemeinden Pfatter und Mintraching stellen sich deshalb gegen eine Erweiterung der Vorrang- und Vorbehaltsflächen, die durch die Änderung des Regionalplans Regensburg zur Gewinnung und Sicherung von Bodenschätzen angedacht sind. In Wiesent stemmt man sich mit einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Steinbruch mit einer Abbaufläche von zwölf Hektar.

  • Flutpolder:

    Im östlichen Landkreis sollen nach Wunsch der Staatsregierung mit dem Flutpolder Eltheim und Wörthhof zwei riesige Rückhaltebecken entstehen. Allein der Bau der Polderdämme verschlingt etwa 100 Hektar Acker- und Wiesenflächen. Die Dammhöhe beträgt zwischen fünf und neun Meter. Die Interessensgemeinschaft Flutpolder mit dem Vorsitzenden Markus Hörner und das Landratsamt kämpfen gegen diese Mammutbauwerke.

  • Stromtrasse:

    Im Frühjahr fällt die Entscheidung, auf welchem Korridor der Stromnetzbetreiber Tennet die Stromtrasse auf dem 126 Kilometer langen Restteilstück von Schwandorf bis nach Landshut verlegen möchte. Nach der Mero-Rohölleitung, die vor etwa 20 Jahren durch den östlichen Landkreis Regensburg verlegt wurde, soll nun auch von Nord nach Süd die Stromtrasse führen. Die betroffenen Gemeindegebiete sind alles andere als glücklich. (lbb)

Auch für Jürgen Koch aus Pfatter kann es in diesem Eilmarsch nicht weitergehen. „Bei uns wurden bereits etwa 125 Hektar Kies abgebaut. Bei der durch die Regierung der Oberpfalz geplanten Änderung des Regionalplans Regensburg zur Gewinnung und Sicherung von Bodenschätzen und der damit verbundenen Erweiterung der Vorrang- und Vorbehaltsflächen haben wir uns im Gemeinderat erst vor Kurzem ganz deutlich ausgesprochen“, führt der Bürgermeister an. Es könne nicht sein, dass die bereits ausgebeuteten Flächen nicht auf den neuen Übersichtsplänen zu erkennen seien.

Klar ist für Koch: „Auch wir wollen, dass sich bei uns junge Familien ansiedeln und Häuser bauen. Der Kiesabbau kann und darf also nicht nur in unserem Gebiet erfolgen.“ Weiter vertritt er die Auffassung, dass künftig wieder einer Verfüllung der Kiesweiher zugestimmt werden müsse, um einer Seenlandschaft vorzubeugen. „Hier wäre ein Mittelweg gefragt“, stellt Koch fest.

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