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Entwässerung

Provisorium für neue Bahnbrücke

Plastikrohre an der Bahnüberführung Hagelstadt bereiten Herbert Winkler Sorgen. Doch das Bauamt sagt: Alles gut!
Von Christof Seidl

Gelbe Plastikrohre leiten derzeit das Regenwasser von der Rampe der nagelneuen Bahnüberführung Hagelstadt ab. Dieses Provisorium bleibt aber nur solange bestehen, bis die Böschung zugewachsen ist. Fotos: Seidl
Gelbe Plastikrohre leiten derzeit das Regenwasser von der Rampe der nagelneuen Bahnüberführung Hagelstadt ab. Dieses Provisorium bleibt aber nur solange bestehen, bis die Böschung zugewachsen ist. Fotos: Seidl

Hagelstadt.Die Konstruktion an der nagelneuen Bahnüberführung bei Hagelstadt wirkt ziemlich provisorisch. Etwa ein Dutzend gelbe Plastikrohre liegen dort in regelmäßigen Abständen in der steilen Böschung der neuen Straße, die von Hagelstadt her zu der Brücke führt. Oben haben Bauarbeiter entlang der neuen Asphaltfahrbahn eine Art Sperre gebaut, die verhindern soll, dass Regenwasser sich über die Böschung ergießt, und es zu den Plastikrohren leitet.

Die neue Bahnüberführung Hagelstadt

Wie kann das bei einer nagelneuen Brücke sein, fragt sich Herbert Winkler. Der Köferinger ist ehemaliger Heimatpfleger und hat eine Vielzahl an Unterlagen und Materialen der Gemeinden der Region gesammelt. Von der neuen Brücke ist er fasziniert. Alle vier bis sechs Wochen dokumentiert er den Baufortschritt mit Bildern und stellt diese auch auf seine Homepage (www.Fotoautor.de). „So ein riesiges Bauwerk gibt es nur selten in unserer Gegend“, findet er.

„Vier Wochen nichts geschehen“

Bei seinem jüngsten Besuch entdeckte Winkler allerdings zweierlei. Die Brückenbaustelle war verwaist, und in der Böschung lagen gelbe Plastikrohre. „Seit vier Wochen ist nichts geschehen, es stehen auch keine Baumaschinen mehr auf der Baustelle, das Werk ist aber auch noch nicht fertig.“

Winkler betont gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung, er habe sich die Brücke „als Nicht-Fachmann“ angesehen. Ihm sei aufgefallen, dass es auf dem sehr hohen Damm auf beiden Seiten keine Entwässerungsrinnen und auch keinen Kanal gebe, „sodass das ganze Straßenwasser der Brücke und des Dammes irgendwo die Böschung hinunter läuft“.

Einen Kanal gebe es erst in einiger Entfernung von der Brücke. Doch bis dorthin führe kein Ablauf. Stattdessen werde das Wasser durch die Plastikrohre abgeleitet. Winkler: „Das ist ja noch schlimmer wie in Hirschau, wo man bei einem Hausbau die Fenster vergessen hat.“ Die fehlende Entwässerung sei umso auffälliger, als die Straße an sich auf der Hagelstädter Seite nahezu fertiggestellt sei, es fehlten nur noch die Leitplanken. Auf der anderen Seite fehle die Fahrbahn dagegen bisher noch.

Den Köferinger stört an der neuen Bahnüberführung auch, dass es keinen Geh- und Radweg gebe. In der heutigen Zeit sei ein Brückenneubau an einer Bundesstraße ohne einen solchen Geh- und Radweg eigentlich unvorstellbar. Es gebe zwar eine Radwegtrasse von Regensburg über Köfering und Alteglofsheim bis zum Bahnhof Hagelstadt, aber dann sei die Welt für Radfahrer zu Ende.

Josef Koller, Bauleiter am Staatlichen Bauamt Regensburg, ist für die Bahnüberführung bei Hagelstadt zuständig – und er hat für Herbert Winkler eine gute Nachricht: „Es wurde nichts vergessen.“ Die Beobachtung des Fotografen, dass es auf den Rampen zur Brücke keine Entwässerung gibt, sei richtig, doch das sei auch so beabsichtigt. Koller: „Das Wasser soll über die Böschung laufen.“

Bewuchs stabilisiert Böschung

Die Holzbretter auf der Brücke und die gelben Rohre sind nach Kollers Angaben in der Tat ein Provisorium. Ihre Aufgabe sei es, bei Starkregen Ausschwemmungen an der Böschung der Brückenrampe zu verhindern. Auf Dauer soll der Bewuchs die Böschung stabilisieren, der müsse aber erst noch wachsen. Wenn dies geschehen sei, könne das Provisorium wieder entfernt werden. Außerorts ist dies nach Kollers Angaben heute die gängige Bauweise, auch weil man so die Flächenversiegelung reduziere. Das Regenwasser könne im Bereich der Böschungen und Bankette abfließen und versickern. Bei der neuen Brücke seien außerdem zusätzlich drei große Regenrückhaltebecken vorgesehen, die ebenfalls erst noch gebaut werden müssten.

Fakten zum Brückenbau

  • Neubau:

    Die neue Bahnüberführung südlich von Hagelstadt beseitigt eine gefährliche Engstelle der bisherigen Bundesstraße 15. Die Trasse über die Schienen der Bahnlinie München-Regensburg bietet dank deutlich entschärfter Kurvenradien mehr Übersichtlichkeit und Sicherheit.

  • Fertigstellung:

    Derzeit läuft der 3. Bauabschnitt des Acht-Millionen-Euro-Projekts. Dazu zählen die Fertigstellung der Fahrbahn sowie die Restarbeiten. Der Verkehr soll ab Ende September über die neue Brücke fließen. Die alte Brücke und die alte Straße werden 2019 zurückgebaut.

  • Altbau:

    Die vorhandene Brücke der Bahnlinie über die B 15 ist in einem sehr schlechten Zustand. Deshalb profitiert auch die Bahn von Neubau. Wenn der Altbau beseitigt ist, können die Züge in diesem Bereich mit höherer Geschwindigkeit fahren. Derzeit müssen sie hier ihr Tempo drosseln.

  • Entwässerung:

    Im Außerortsbereich verzichten Straßenbauer heute nach Möglichkeit auf eine Straßenentwässerung über Abwassereinrichtungen. Stattdessen soll das Regenwasser versickern. Dies ist allerdings nicht überall möglich. Deshalb gibt es bei Hagelstadt in Teilbereichen Kanäle.

Die Brücke sei noch längst nicht fertiggestellt, erklärte der Bauleiter auf Nachfrage. Das Bauunternehmen Strabag habe den zweiten Bauabschnitt vor wenigen Wochen abgeschlossen und seine Baumaschinen abgezogen. Seit dieser Woche arbeite das Bauunternehmen Fahrner am dritten Bauabschnitt. Dazu gehören die Fertigstellung der Straße auf beiden Seiten der Bahnüberführung und die gesamten Restarbeiten.

Bei den Hagelstädtern sorgt der Neubau auch für Kritik. Die Befürchtung lautet, dass die Brücke, die immerhin zwölf Meter höher im Gelände liegt als die bisherige Trassenführung durch die Unterführung, die Lärmwirkung deutlich erhöhen und für noch mehr schlaflose Nächte sorgen könnte.

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