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Justiz

Prozess: Polizei hatte richtigen Riecher

Wegen unerlaubten Drogenbesitzes stand ein 53-Jähriger aus Regenstauf vor Gericht. Verraten hatten ihn verdächtige Gerüche.
Von Marion von Boeselager und Heiner Stöcker

Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Helmut von Kietzell Foto: Boeselager
Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Helmut von Kietzell Foto: Boeselager

Regensburg.So etwas nennt man Pech: Die Polizei wollte einem 53-jährigen Techniker aus Regenstauf eigentlich nur mitteilen, dass sein Wohnmobil aufgebrochen worden war. Doch als der Hausherr ihnen öffnete, drangen den Beamten typische Marihuana-Gerüche in Schwaden entgegen: Der Mann betrieb in seinem Eigenheim eine kleine, aber professionelle Cannabis-Plantage. Am Dienstag stand der Marihuana-Pflanzer wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl.

Einer der Polizeibeamten, die damals, in der Nacht zum 6. Mai vor einem Jahr, im Einsatz waren, erzählte im Zeugenstand: „Die Einsatzzentrale hatte uns verständigt, dass wir dem Wohnmobilhalter den Aufbruch mitteilen sollten. Doch als wir klingelten, machte keiner auf.“

Spürnasen schlagen zu

Beim Blick ins Wohnzimmerfenster bemerkten die Ordnungshüter jedoch, dass darin der Fernseher flimmerte. Sie klopften an die Scheibe. Schließlich öffnete sich die Haustür doch noch – und die verdächtigen Düfte schlugen ihnen entgegen.

Zunächst bestritt der Hausherr, etwas mit Drogen zu tun zu haben, und verweigerte der Polizei den Eintritt. Die Beamten erwirkten jedoch einen Durchsuchungsbeschluss und staunten nicht schlecht: Neben einem getrockneten Marihuana-Zweig im noch warmen Backofen fanden sie eine Tupperdose mit „Gras“ im Gefrierfach sowie Reste eines Joints unter der Couchdecke. Im ersten Stock, in einem Hobbyraum, stießen sie dann auf eine professionelle Aufzuchtanlage: An die sieben Marihuana-Stauden wuchsen in einem Gewächshaus mit Wachslicht, Messtechnik und Belüftungsanlage, sowie in einem ebenso betriebenen Anbauschrank. Ein Gutachten ergab, dass die Gesamtmenge des berauschenden Wirkstoffs THC die Grenze zur nicht-geringen Menge von 7,5 Gramm knapp, um 0,94 Gramm, überschritt. Somit handelte es sich bei der Tat bereits um ein Verbrechen.

Der Verteidiger Helmut von Kietzell erklärte für seinen geständigen Mandanten, dieser leide nach einem dreifachen Bandscheibenvorfall an einem Schmerzsyndrom. Er habe die Pflanzen zum Eigenkonsum angebaut, da er glaubte, das Marihuana könne ihm helfen. Dies sei aber eine Dummheit gewesen. Von Kietzell pochte weiter darauf, in den frischen Pflanzen sei noch gar kein THC vorhanden gewesen, sondern erst durch die Trocknung zustande gekommen. Sein Antrag: Eine Bewährungsstrafe von maximal sechs Monaten wegen Anbaus von Betäubungsmitteln, aber nur einer geringen Menge.

Dem folgte das Gericht nicht. Es verurteilte den nicht vorbestraften Regenstaufer wegen BTM-Besitzes in nicht geringer Menge in einem minderschweren Fall zu acht Monaten mit Bewährung und einer Geldauflage von 1800 Euro. Damit blieb das Gericht zwei Monate unter dem Antrag der Staatsanwältin. Dem Angeklagten wurde zu Gute gehalten, dass die Grenze zum Verbrechenstatbestand nur knapp überschritten wurde und es sich zudem um eine weiche Droge handelte, die offenbar nur zum Eigengebrauch wegen einer Erkrankung bestimmt war.

55 Drogendelikte in 2017

„Wir haben in unserem Bereich kein Drogenproblem“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf, Erster Polizeihauptkommissar Klaus Baumer, auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung am Dienstag. Gerade mal 55 Drogendelikte verzeichnete die Statistik im vergangenen Jahr. Und das ist ein großer Bereich mit neun Gemeinden und mehr als 300 Quadratkilometern, für den Baumer und seine Kollegen verantwortlich zeichnen. Bei knapp einem Fall pro Woche sei nicht von einer „dramatischen Situation zu sprechen“.

Aber Drogen seien ein sogenanntes Kontrolldelikt. „Das bedeutet, wenn die Polizei nicht aus irgendeinem Grund auf Drogen aufmerksam wird, eine Durchsuchung macht oder einen Autofahrer anhält, der dann zufällig eine Kleinmenge dabei hat, dann würde das untergehen.“ sagte Baumer. Je mehr die Mitarbeiter der Polizei kontrollierten, umso mehr hätten die Beamten unter Umständen positive Treffer und dann stiegen die Deliktzahlen in der Statistik.

„Wir kontrollieren im Rahmen unserer Möglichkeiten.“

Klaus Baumer, Leiter der PI Regenstauf

„Wir kontrollieren im Rahmen unserer Möglichkeiten.“ Das bedeute für eine Schutzpolizeiinspektion vor allem bei Auffälligkeiten im Straßenverkehr oder wenn sich jemand verdächtig in der Öffentlichkeit verhalte. „Und so kommt es zu diesen fast schon Zufallstreffern, bei denen der Täter dann ein Paar Gramm Hasch In der Tasche hat.“ Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung würden die Beamten dann mehr finden. „So, wie zum Beispiel diese Kleinplantage, wie im aktuellen Fall.“ Wobei das Wort „Plantage“ bei der geringen Anzahl an Pflanzen hochgegriffen sei. „Vor einigen Jahren hatten wir einen Fall, bei dem die Kollegen an einem Waldrand ein kleines Anbaugebiet mit knapp 50 Marihuana-Pflanzen entdeckten. Aber das sowie zum Beispiel Heroinfunde gehörten dann schon in den Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizei Regensburg. Für den Bereich Regenstauf sticht der Fall aus der Gerichtsverhandlung mit seinen 49 Gramm Gras deutlich heraus. „Das war dann sicher auch die größte Menge, die wir im vergangenen Jahr hatten.“

Cannabis: Droge und Arznei

  • Konsum:

    Werden Pflanzenteile der weiblichen Hanfpflanze so konsumiert, dass sie eine berauschende Wirkung hervorrufen, wird Cannabis als Rauschmittel verwendet. Es kann aber auch als Arzneimittel zur Anwendung kommen.

  • Gesetz:

    Besitz und Weitergabe von Cannabisprodukten sind in den meisten Ländern verboten. Der Wirkstoff THC beeinflusst das Zentralnervensystem des Menschen und ist für die muskelentspannende, beruhigende und übelkeitsunterdrückende Wirkung verantwortlich.

Die Mittelbayerische Zeitung ist regelmäßig bei Prozessen am Regensburger Land- oder Amtsgericht vor Ort.Hier finden Sie alle Artikel und Berichte über die Gerichtsverhandlungen und die Urteile.

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