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Sitzung

Regenstauf: Erster Schritt zur Bücherei

Der Marktrat beschließt einen Architektenwettbewerb. Aber erst, wenn die Kosten bekannt sind, wird über den Bau entschieden.
Von Sieglinde Geipel

Der Standort für die neue Bücherei in der Bahnhofstraße Foto: Geipel
Der Standort für die neue Bücherei in der Bahnhofstraße Foto: Geipel

Regenstauf.Seit Anfang 2015 diskutierten die Mitglieder des Marktgemeinderats in Regenstauf über eine neue Bücherei. In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates wurde nun einstimmig entschieden, dass ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden soll. Über eine endgültige Beschlussfassung zum Bau der Bücherei werde jedoch erst nach Abschluss des Wettbewerbs entschieden. Es sollen nun drei Planungsbüros damit beauftragt werden, eine Vorplanung für eine Bücherei inklusive Kostenschätzung anzufertigen.

Bürgermeister Siegfried Böhringer zeigte sich erleichtert, dass nach nun drei Jahren mit dem Architektenwettbewerb der erste Schritt in Richtung Bücherei getan sei. Wenn alles gut laufe, könne 2019 mit der Beschlussfassung der zweite Schritt folgen. Er ging auf die verschiedenen Sitzungen und Veranstaltungen seit dem Februar 2015 ein. Damals hatten die Mitglieder des Finanzausschusses einstimmig die Verwaltung beauftragt, ein geeignetes Konzept zur Errichtung einer gemeindlichen Bücherei zu entwickeln.

Begrenzte Räumlichkeiten

Im August folgte der Kooperationsvertrag mit der Pfarrei Sankt Jakobus über den Betrieb der Bücherei. Er beinhaltet, dass die Pfarrei weiter die Räume zur Verfügung stellt und zwei Menschen auf Minijobbasis beschäftigt. Der Markt trägt die Personalkosten, leistet einen jährlichen Betrag für die Anschaffung von Medien und sorgt für die Erneuerung der IT-Ausstattung einschließlich der Nutzung von eBooks. Da die Räumlichkeiten der Gemeindebücherei sehr begrenzt sind, war der Kooperationsvertrag zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Innerhalb des Vertragszeitraumes sollte eine neue Bücherei geschaffen werden. In einer Besprechung der Lenkungsgruppe wurde mehrheitlich als Standort die Bahnhofstraße 9-11 bevorzugt. Es folgten weitere Sitzungen, zu denen Fachleute der Staatlichen Bibliothek Regensburg oder des St. Michaelsbundes eingeladen waren. Ebenso besuchten Marktgemeinderäte verschiedene Büchereien, zum Beispiel in Schierling.

Die Gemeindebücherei St. Jakobus am Kirchplatz 8  Foto: Geipel
Die Gemeindebücherei St. Jakobus am Kirchplatz 8 Foto: Geipel

Dr. Emil Lehner vom Stadtplanungsbüro SHL stellte den Marktgemeinderäten die Ergebnisse der städtebaulichen Feinuntersuchung vor. Man habe sich die Frage gestellt, wo man ein solches Projekt realisieren könne und welche städtebaulichen Voraussetzungen dafür erforderlich seien. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass der zentrale Platz an der Stelle des ehemaligen Armenhauses zwischen Rathaus, altem Kloster und Kirche in der Bahnhofstraße der ideale Standort für eine Bücherei sei.

Bruno Schleinkofer (CSU) erklärte, die CSU stimme einem Architektenwettbewerb zu. Nach dem Abschluss des Wettbewerbs müsse man jedoch über alle offenen Fragen diskutieren. Dazu gehörten eine detaillierte Kostenaufstellung sowie eine genaue Aufstellung, welche Kosten der Abwasserzweckverband (AWV) übernehmen müsse. Man werde keinesfalls einem Festpreis für den AWV zustimmen, sagte Josef Schindler (CSU). Er empfahl parallel zu einem Neubau auch Mietmöglichkeiten zu prüfen.

Das sagt der BDS Regenstauf

  • Befürchtung:

    Petra Amann, die erste Vorsitzende des BDS (Selbstständige in Bayern) Regenstauf, befürchtet einen Schnellschuss, der den späteren Erwartungen eventuell nicht gerecht werde. „Neue Medien sollten innovativ und zukunftsweisend zum Wohle aller sein. Es braucht meiner Meinung nach ein gut durchdachtes Gesamtkonzept, an dem viele Interessensgruppen beteiligt waren. Das vermisse ich.“

  • Visionen:

    „Ich frage mich, liegt ein ausgearbeiteter Bildungsplan vor und wurden die ansässigen Schulen vollumfänglich einbezogen? Ist ein Gesamtbildungsplan an dem angedachten Standort möglich? Ich sehe eine Marktbibliothek in einer wichtigen Funktion. Es geht nicht alleine um Räume für Bücher, sondern auch um zusätzliche Angebote wie Kinderbetreuung oder Räume für Lesungen. Wo sind diese Zukunftsvisionen?“

Die Möglichkeit, Räume im Markt anzumieten, habe man bereits intensiv geprüft, teilte Bürgermeister Böhringer mit. Es seien jedoch keine geeigneten Projekte gefunden worden. Die räumlichen Anforderungen mit Barrierefreiheit, Toiletten und ähnlichen Auflagen seien kaum zu erfüllen. Das vorgelegte Konzept für eine neue Bücherei sei keineswegs ausreichend, erklärte Elisabeth Meierhofer (CSU). Insbesondere werde der Nutzer zu wenig berücksichtigt. Es gibt keine Auskunft darüber, welche Internetplattformen genutzt werden oder wie der Nutzer auch außerhalb der Kernöffnungszeiten an ein Buch kommen könne. Wenn man eine neue Bücherei baue, sollte diese auf dem neuesten Stand sein und Öffnungszeiten von 24 Stunden an sieben Tagen anbieten.

Ein Ort der Begegnung

Es werde heute immer weniger gelesen und immer weniger Bücher gekauft. Diesem Trend müsse man entgegenwirken. So sei es dringend geboten, auch bildungsferne Schichten einzubeziehen.

Mit dem Bau einer neuen Bibliothek könne man vor allem einen Ort der Begegnung für Alt und Jung schaffen, sagte Fred Wiegand (SPD). Es werde insbesondere die Lesefähigkeit der Schüler und Jugendlichen gefördert. Im Rahmen von ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) sei der Standort ideal, Rathaus, Kirche, Marktplatz und Hauptstraße seien durchgängig erreichbar. Es entstehe nicht nur eine Bücherei, sondern auch ein neues Ortszentrum. Natürlich koste so eine Einrichtung Geld, diese Investition für die Bildung sei aber gut angelegt. Auch er sei der Meinung, dass der AWV die Kosten anteilsmäßig mittragen müsse.

Die Freien Wähler stimmen für einen Architektenwettbewerb, der eine genaue Kostenaufstellung über ein Bücherei- und Verwaltungsgebäude ermitteln soll, sagte Erich Viehbacher (FW). Dies bedeute jedoch noch keine Zustimmung für eine Umsetzung des Projekts, betonte er. Die Definition Verwaltungsgebäude bedeute für die Freien Wähler nicht automatisch AWV. Erst wenn die Kosten bekannt seien, mache es Sinn über eine Zweckvereinbarung in einer Sitzung zwischen dem Markt und dem AWV abzustimmen. Außerdem sei es für die FW sinnvoller, die Verwaltungsräume zu vermieten. Der geplante Standort sei mit der Nähe zu Kirche und Rathaus optimal, außerdem sei er gut fußläufig erreichbar, sagte Josef Angerer (ÖDP). Auch Stefan Potschaski (FDP) befürwortete den Standort und meinte, es sei unstrittig, dass der Markt eine Bücherei brauche.

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