mz_logo

Landkreis
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Anzeige

Regenstauf: Möbel im Wald entsorgt

Die Couch wird man auf der Wiese los, die Spüle am Schlossberg. Regenstaufer Facebook-Nutzer fragen: „Wer sind die Saubären?“
Von Sabine Norgall

Ist das Kunst oder kann das weg, mag sich manch einer ironisch fragen. Auf und neben dem Containerplatz in Eitlbrunn kämpft man schon lange mit ungebetenem Abfall. Anwohner fragen sich: Wer tut so was, wo man den Sperrmüll doch bequem vor der Haustür abholen lassen kann. Foto: Markt Regenstauf
Ist das Kunst oder kann das weg, mag sich manch einer ironisch fragen. Auf und neben dem Containerplatz in Eitlbrunn kämpft man schon lange mit ungebetenem Abfall. Anwohner fragen sich: Wer tut so was, wo man den Sperrmüll doch bequem vor der Haustür abholen lassen kann. Foto: Markt Regenstauf

Regenstauf. Wer neue Möbel bekommt, kann die alten oft dem Lieferanten mitgeben. Falls das nicht der Fall ist, füllen Bürger im Landkreis Regensburg eine Sperrmüllkarte des Entsorgungsunternehmens Meindl aus, oder tun dies direkt online auf dessen Homepage. Ein paar Tage oder Wochen später, je nach Tourenplan, wird der Sperrmüll dann bequem direkt vor der Haustür abgeholt.

Angesichts dieses Services fragt sich Regenstaufs Bürgermeister Siegfried Böhringer: „Wer ist so blöd und trägt das Zeug den Schlossberg hoch?“ Kurz vor Ostern stießen dort Spaziergänger unmittelbar beim Parkplatz am Kriegerdenkmal auf Hinterlassenschaften, die im Naherholungsgebiet der Regenstaufer nichts zu suchen haben. Unbekannte hatten vom Parkplatz aus eine erhebliche Menge Sperrmüll, Hauptsächlich Bestandteile einer alten Kücheneinrichtung, über die kleine Böschung in den Wald gekippt. Dazu sagt der Bürgermeister: „Es kostet viel mehr Arbeit, das alte Zeug dorthin zu fahren, als eine Sperrmüllkarte auszufüllen.“

Wegräumen müssen es andere

Im Regenstaufer Naherholungsgebiet auf dem Schlossberg wurde eine alte Kücheneinrichtung entsorgt. Foto: Schäffer
Im Regenstaufer Naherholungsgebiet auf dem Schlossberg wurde eine alte Kücheneinrichtung entsorgt. Foto: Schäffer

Wegräumen durften es dann die, die am Schlossberg das ganze Jahr über für Ordnung sorgen, die Mitglieder des Bergvereins. Dessen Vorsitzender Matthias Brandl zählt auf, was dieses Mal zwischen Kriegerdenkmal und Gillesweg entsorgt wurde: Ein Kühlschrank, ein Fernseher, Schränke und einiges an Müllsäcken. Brandl weiß nach Sichtung des unliebsamen Fundes: „Das wären die alles locker am Wertstoffhof losgeworden.“ Die Mitglieder des Bergvereins stöberten sogar in den Müllsäcken, ob sich nicht ein Hinweis auf den Verursacher finden ließ, wurden aber nicht fündig. Brandl: „Sonst hätten wir ihm das gleich wieder vor seine Haustür hingefahren.“

Angesichts der Tatsache, dass sich die Mitglieder des Bergvereins das ganze Jahr über mit rund 2500 ehrenamtlichen Stunden um Vogelschutz, Baumpflege, die Wege und auch die Ruhebänke kümmern, kämen solche Aktionen, wie Brandl ironisch kommentiert, bei den Aktiven „ganz super an.“

Gelagert wird der Sperrmüll wie auch der sonstige Abfall, der das ganze Jahr über am Berg gesammelt wird, in einer Garage des Bergvereins. Von dort aus transportieren ihn dann von Zeit zu Zeit Mitarbeiters des Bauhofs ab.

Sperrmüll in so großer Menge gab es seit rund drei Jahren am Schlossberg nicht mehr, aber wenn der Verein jedes Jahr zum großen „Rama Dama“ am Schlossberg ruft, kommen doch immer so um die 15 große Müllsäcke zusammen. Dazu zählen Hausmüll ebenso wie alte Autoreifen oder Autobatterien. Die illegale Müllablagerung meldete der Bergverein zwar bei der Polizei, große Hoffnung, dass der oder die Täter ermittelt werden, macht man sich aber nicht. Eine Einschätzung, die auch der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf, Rainer Spangler, bestätigt. Er rät aber dennoch zur Anzeige. Manchmal, sagt Spangler, übersehe so ein „Schmutzigel“ eben doch den einen oder anderen Hinweis, eine Spur, die zu ihm führe.

Zeugen sollen sich melden

Wird ein Täter ermittelt, ist, im Rahmen des Kreislaufwirtschaftsgesetz zur Abfallbeseitigung, das Landratsamt die zuständige Verfolgungsbehörde, die gegebenenfalls auch das Strafmaß festsetzt. Bürgermeister Böhringer appelliert bei illegaler Müllentsorgung immer wieder an mögliche Zeugen, die Verursacher bei der Gemeinde zu melden. Diese gibt die Daten dann zur weiteren Verfolgung ans Landratsamt weiter.

Fast alle Schmutzfinken ermittelt

  • Verfolgung:

    Zuständige Verfolgungsbehörde bei illegaler Müllablagerung ist das Landratsamt. 2015 gingen wegen illegaler Müllablagerungen 30 Anzeigen ein, 2016 waren es 37, 28 im Jahr 2017. Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen erfolgen über die Polizei.

  • Hinweise:

    Darüber hinaus bekommt das Landratsamt von Bürger oder Gemeinden das ganze Jahr über etwa 50 Hinweise auf Abfallablagerungen, bei denen kein Verursacher ermittelt werden kann. ( Ablagerungen von Bauschutt oder Grünabfall).

  • Feststellung:

    In den Jahren 2015 und 2016 konnten alle zur Anzeige gebrachten Verursacher festgestellt werden. 2017 erfolgten fünf Anzeigen gegen Unbekannt, 2018 gibt es jetzt bereits zwei Anzeigen gegen Unbekannt.

  • Strafmaß:

    Art und Höhe der Sanktion hängen immer vom jeweiligen Einzelfall ab. Die dafür verhängten Bußgelder sind laut Auskunft des Landratsamts aber immer „so bemessen, dass sie eine abschreckende Wirkung haben.“

In dem Video, dass der Bergverein zu seinem 125-jährigen Jubiläum drehte, dass heuer gefeiert wird, ist ein Bild der Rama Dama-Aktion zu sehen. Darunter haben die Macher des Videos geschrieben. „Dreckhammel gibt es überall, da kommt jedes Jahr a Haufa zamma.“

Ähnlich lauten die Kommentare in den sozialen Medien, wo die Nutzer neben der Sperrmüllablagerung am Schlossberg auch die am Containerplatz in Eitlbrunn abgeladene weiße Wohnzimmergarnitur kommentierten: „Geht’s no, so eine Sauerei“, „zwecks den Idioten kommt des (der Containerplatz) no mal ganz weg“ oder „Saubärn sans, asozial ist sowas“, ist da zu lesen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht