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Umwelt

Regenstauf: Nitratwerte sind weiter hoch

Zwei Regenstaufer Brunnen sind immer noch belastet. Dagegen sollen Wasser aus großer Tiefe und Schutzgebiete helfen.
Von Sabine Norgall

Einmal im Monat nimmt Wassermeister Peter Lotter in allen Hochbehältern des Markts Wasserproben und untersucht die Nitratwerte. Einmal jährlich werden die Proben zusätzlich in einem Labor untersucht. Foto: Norgall
Einmal im Monat nimmt Wassermeister Peter Lotter in allen Hochbehältern des Markts Wasserproben und untersucht die Nitratwerte. Einmal jährlich werden die Proben zusätzlich in einem Labor untersucht. Foto: Norgall

Regenstauf.Bis zu 25 Milligramm Nitrat im Trinkwasser werden laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als natürlich angesehen. Diesen Wert kann der Regenstaufer Hochbehälter Mühlholz nicht einhalten. Für den 31. März 2017 wird für Mühlholz im Februar-Mitteilungsblatt des Markts ein Wert von 35,9 Milligramm Nitrat pro Liter angegeben. Mühlholz versorgt im Gemeindegebiet das große Areal östlich der Autobahn (außer Marienthal). Europaweit liegt der Grenzwert bei 50 Milligramm Nitrat je Liter. Bis zu diesem Wert geht man von keiner gesundheitlichen Gefährdung aus. Für Säuglinge bis drei Monate gibt es deutlich niedrigere Empfehlungswerte.

Bereits ab einem Wert von 37,5 Milligramm Nitrat pro Liter wird Versorgern empfohlen, aktiv zu werden, um die Belastung zu reduzieren. Auf diesen Vorsorgewert bezog sich Wolfgang Pausch mit einer Anfrage in der Regenstaufer Bürgerversammlung: „An diesem Wert sind wir verdammt nahe dran.“ Pausch fragte Bürgermeister Siegfried Böhringer, was der Markt gegen die hohen Nitratwerte mache. Unser Medienhaus gab diese Frage an Andreas Liegl, kaufmännischer Werkleiter des Eigenbetriebs Wasserwerk, und Wassermeister Peter Lotter weiter.

Mischen mit Doggerwasser

Das Wasser im Hochbehälter Mühlholz kommt aus den Brunnen Diesenbach I und II sowie dem Doggerbrunnen Unterhub. Die Brunnen Diesenbach I (Jahresdurchschnitt 2017 bei 47,98 Milligramm Nitrat pro Liter) und Diesenbach II (Durchschnitt 46,57), die sehr viel Wasser liefern, sind im Rohwasser stark mit Nitrat belastet. Dies war einer der Gründe dafür, warum der Markt vor rund zehn Jahren sein Globalkonzept zur Sicherung der Wasserqualität umsetzte.

Seitdem wird das Wasser aus Diesenbach mit dem Doggerbrunnen Unterhub so gemischt, dass im Durchschnitt eine Nitratbelastung um die 35 Milligramm pro Liter erreicht wird. Diesen Wert, sagt Lotter, legte man zu Beginn des Globalkonzepts als Kompromiss zwischen dem Wünschenswerten und dem wirtschaftlich Machbaren fest. Über eine Million Kubikmeter Wasser fördert das Wasserwerk pro Jahr. Nur etwa zwei Prozent werden als Trinkwasser genutzt.

Wassermeister Peter Lotter untersucht die Nitratbelastung. Foto: Norgall
Wassermeister Peter Lotter untersucht die Nitratbelastung. Foto: Norgall

„Mit dem Eingriff in die tiefen Grundwasserschichten sollte man sehr vorsichtig sein.“

Wassermeister Peter Lotter

Die im März 2017 gemessene Nitratbelastung von 35,9 Milligramm sieht Liegl als einen Spitzenwert des vergangenen Jahres. Jeden Monat misst Lotter die Nitratwerte. Der Durchschnittswert für Mühlholz lag demnach für 2017 bei 32,76 Milligramm Nitrat pro Liter. Doggerwasser zum Mischen, sagt Lotter, stehe aber nur in begrenzter Menge zu Verfügung. Außerdem, sagen er und Liegl, sollen die tieferen Grundwasserschichten für künftige Generationen erhalten werden. Einen zweiten Doggerbrunnen sieht Lotter kritisch: „Mit dem Eingriff in die tiefen Grundwasserschichten sollte man sehr vorsichtig sein.“ Völlig unbelastet ist auch Doggerwasser nicht. Hohe Mangan- und Eisenwerte werden über Sandfilter reduziert.

Haushaltszahlen des Wasserwerks

  • Gewinn:

    Der Haushaltsplan des Wasserwerks weist für 2018 einen Gewinn von 54 500 Euro aus. Das Ziel der Kostendeckung wird erreicht, unter anderem deshalb, weil Kämmerer Andreas Liegl teuere Kredite umschulden konnte. Der Vermögensplan sieht Baumaßnahmen in Höhe von 746 500 Euro vor. Der Schuldenstand im Wasserwerk liegt bei etwas über drei Millionen Euro. Diese Summe fiel vor allem durch die Sanierung der Wasserversorgung vor rund zehn Jahren an.

  • Wasserpreis:

    Der aktuelle Preis pro Kubikmeter Trinkwasser liegt bei 1,32 Euro (inklusive Umsatzsteuer). Auch 2018 bleibt der Wasserpreis unverändert. Im Herbst dieses Jahres werden die Gebühren voraussichtlich für den Zeitraum 2019 bis 2022 neu kalkuliert.

  • Hilfe:

    Aktuell unterstützt ein externes Unternehmen Mitarbeiter des Wasserwerks. Dieser Auftrag wurde verlängert, bis die neuen Mitarbeiter des Wasserwerks eingearbeitet sind.

Neben dem Beimischen von Doggerwasser verfolgt Regenstauf bei der Qualitätssicherung für das Trinkwasser einen zweiten Weg. Nitrate gelangen vor allem als Mineraldünger aus der Landwirtschaft in den Boden. Seit über 20 Jahren setzt der Markt auf Trinkwasserschutzgebiete. Über 1015 Hektar des Gemeindegebiets (103 Quadratkilometer) sind Wasserschutzgebiet.

Ausgleichszahlung für Landwirte

Kämmerer Andreas Liegl betrachtet die Karte mit den Wasserschutzgebieten in Regenstauf und unmittelbar daran angrenzende Flächen. Foto: Norgall
Kämmerer Andreas Liegl betrachtet die Karte mit den Wasserschutzgebieten in Regenstauf und unmittelbar daran angrenzende Flächen. Foto: Norgall

Landwirten, deren Flächen in den Wasserschutzgebieten liegen, zahlt der Markt jährlich insgesamt 80 000 Euro an Ausgleichszahlungen dafür, dass sie die Flächen im Schutzgebiet möglichst schonend bewirtschaften. Dazu gehört auch der Anbau von Zwischenfrüchten, die Nitrat aufnehmen und so nicht ins Trinkwasser gelangen lassen. Auf den Flächen der betroffenen Bauern werden jährlich Bodenproben bis zu 90 Zentimeter Bodentiefe genommen. Je besser die Werte eines Landwirtes dabei ausfallen, umso höher ist der Anteil an Ausgleichszahlungen, die er bekommt.

„Wir hoffen, dass sich da langsam mal was tut.“

Kämmerer Andreas Liegl

Allerdings räumt Liegl ein, dass es ein wenig enttäuschend sei, dass die Nitratwerte im Grundwasser trotz 20 Jahren Wasserschutzgebieten bisher nicht augenfällig gesunken seien. „Wir hoffen, dass sich da langsam mal was tut.“ 35 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser seien ein relativ hoher, aber vertretbarer Wert, sagt Liegl und ergänzt: „So lange man es schafft, diesen Wert in etwa zu halten, plant der Markt keine weiteren Maßnahmen.“ Die früher auch deutlich erhöhte Belastung des Trinkwassers mit dem Spritzmittel Atrazin liegt heute fast bei Null. Atrazin wird durch Aktivkohle herausgefiltert.

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