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Leben

Regenstaufs Westen fühlt sich abgehängt

Keine Radwege, die Bus-Anbindung dürftig, kaum Ärzte und Geschäfte: Die Bürger in Steinsberg und Eitlbrunn beklagen Defizite.
Von Christof Seidl

Keine weiterführenden Radwege, kein Bus an Sonn- und Feiertagen: Die Anbindung von Eitlbrunn und Steinsberg hat Ausbaupotenzial. Archivfoto: Bucher
Keine weiterführenden Radwege, kein Bus an Sonn- und Feiertagen: Die Anbindung von Eitlbrunn und Steinsberg hat Ausbaupotenzial. Archivfoto: Bucher

Steinsberg.Sie liegen zwischen Feldern, Wiesen und Wäldern, Natur, wohin man auch blickt Die Orte Steinsberg, Eitlbrunn und Loch sind eine Idylle, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn außer Natur und Idylle gibt es wenig – dieser Meinung sind zumindest etliche Bürger in diesem Orten. Sie beklagen Defizite in der Infrastruktur, die vor allem ältern Menschen das Leben erschweren. Wortführer ist der sogenannte Bürgertreff, ein loser Zusammenschluss von Menschen, die die Lebensumstände in den „vergessenen Ortsteilen westlich von Regenstauf“ verbessern wollen.

Zahnärzte, Apotheken, Supermärkte – große Teile der Infrastruktur im Marktbereich befinden sich im Hauptort. Wer kein eigenes Auto oder eine Mitfahrgelegenheit hat, ist im Westen von Regenstauf auf den Bus angewiesen, um ins Zentrum zu gelangen.

Am Sonntag fährt gar kein Bus

Doch es gebe kaum Busverbindungen, lautet die Kritik aus dem Bürgertreff. Nach Regenstauf fahren nur eine Schulbuslinie oder der Kindergartenbus. Beides könnten Senioren und Behinderte in der Praxis nicht nutzen, beklagen Bürger vor Ort. Am Wochenende oder in den Ferien gibt es keinen Busverkehr nach Regenstauf. Am Sonntag fahren auch die Buslinien nach Regensburg nicht. „Wer kein Auto besitzt bzw. nicht mehr fahren kann, hat eben Pech gehabt“, schreibt eine Familie aus Steinsberg in einer E-Mail. Eine bessere Busverbindung nach Regenstauf und eine RVV-Linie, die auch am Sonntag nach Regensburg fährt, stehen deshalb auf dem Wunschzettel des Bürgertreffs ganz oben.

Die RVV-Linie 15 fährt an Sonn- und Feiertagen nicht. Foto: cs
Die RVV-Linie 15 fährt an Sonn- und Feiertagen nicht. Foto: cs

RVV-Geschäftsführer Josef Weigl räumt ein, dass die Busverbindungen von Steinsberg und Eitlbrunn nach Regenstauf nicht üppig sind. Es gebe aber unter der Woche und in den Ferien neben den Linien, die vor allem dem Schulverkehr dienen, Verbindungen nach Regenstauf und zurück. Tatsache sei, dass solche Querverbindungen wenig nachgefragt werden. Dasselbe gelte auch für Verbindungen an Sonntag- und Feiertagen. Trotzdem werde die Gesellschaft für Nahverkehr des Landkreises (GfN) mittelfristig versuchen, die drei Orte auch an diesen Tagen mit einem Minimalangebot zu versorgen.

Abgeschnitten fühlen sich die Steinsberger und Eitlbrunner auch, was den Radverkehr angeht. Sowohl die Kreisstraße R21 nach Regenstauf als auch die R18 nach Lorenzen (Regensburg) sind wegen der schmalen Fahrbahn und des starken Pkw- als auch Lkw-Verkehrs für Radfahrer schlicht zu gefährlich, argumentieren Mitglieder des Bürgertreffs. Nach Regenstauf gebe es wenigstens eine behelfsmäßige Fahrrad-Route, die über Pressgrund führt, in Richtung Regensburg gebe es aber keine Alternative zur Kreisstraße. Die Hauptforderung der Radfahrer im Westen des Markts ist deshalb ein Radweg entlang der R18 zwischen der Einmündung bei Loch bis Stettwies bei Lorenzen (bis Stettwies führt von Regensburg aus ein Radweg).

Die Eiche bei einer Bushaltestelle in Steinsberg ist vom Eichenprozessionsspinner befallen, der hochallergische Reaktionen auslösen kann. Bürger fordern deshalb, die Bushaltestelle, die vor allem Schulkinder nutzen, zu verlegen. Dass der Markt den Baum lediglich mit einem Band und einem Infozettel absichere, sei keine ausreichende Reaktion.  Foto: Bucher
Die Eiche bei einer Bushaltestelle in Steinsberg ist vom Eichenprozessionsspinner befallen, der hochallergische Reaktionen auslösen kann. Bürger fordern deshalb, die Bushaltestelle, die vor allem Schulkinder nutzen, zu verlegen. Dass der Markt den Baum lediglich mit einem Band und einem Infozettel absichere, sei keine ausreichende Reaktion. Foto: Bucher

Nach Angaben des Landratsamts liegen die Realisierungschancen für einen Radweg entlang der Kreisstraße in Richtung Regenstauf besser als in Richtung Regensburg. Denn für die R21 gibt es eine mittelfristige Radwegplanung, für die R18 nicht. Ein Lichtblick: Die Ortsdurchfahrt von Eitlbrunn wird beim geplanten Umbau im kommen Jahr einen Radweg erhalten. Landrätin Tanja Schweiger zufolge plant der Landkreis zudem, ein Mobilitätskonzept für den Radverkehr in Auftrag zugeben, das eine langfristige Strategie eröffnen soll.

Barrierefreiheit auch im Dorf

Die Leute von Bürgertreff fordern aber nicht nur um eine bessere Verkehrsanbindung, sie haben auch innerorts Wünsche. Es geht um Inklusion im weitesten Sinne, vor allem für ältere Menschen. Die Rede ist von barrierefreien Bürgersteigen, Kircheneingängen oder auch Geldautomaten. Letztere seien schon deshalb wichtig, weil bargeldloses Zahlen am Dorf noch längst nicht überall möglich ist.

Die drei Ortschaften

  • Bevölkerung:

    Steinsberg hat zum Jahresende 2016 gut 1800 Einwohner und ist damit der zweitgrößte Ort der Großgemeinde. Eitlbrunn kommt rund 700 Einwohner, Loch auf knapp 300.

  • Vergleich:

    Zusammen sind die drei Orte mit 2800 Einwohnern größer als etliche eigenständige Landkreisgemeinden. Zum Vergleich: Kallmünz 2800 Einwohner, Pielenhofen 1500, Wolfsegg 1500.

  • Versorgung:

    Für die drei Orte Steinsberg, Eitlbrunn und Loch gibt es (unter anderem) eine Grundschule, zwei Nahversorgungsgeschäfte, einen praktischen Arzt und eine Filiale der Raiffeisenbank.

Ein anderer Wunsch ist ein kleines gemeinsames Gesundheitszentrum zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung durch Hausarzt, Zahnarzt, Physiotherapie, Apotheke etc. In einer Gesellschaft, die im Schnitt deutlich älter werde, würden solche Aspekte immer wichtiger werden. Ein weiterer Vorschlag ist ein gemeinsames Gewerbegebiet für die ortsansässigen Firmen.

Regenstaufs Bürgermeister Siegfried Böhringer zeigt Verständnis für solche Wünsche. Er betonte auf Anfrage der MZ aber zugleich, dass es bei den Bürgerversammlungen nur eine einzige Nachfrage in diese Richtung gegeben habe. In den Bürgersprechstunden seien derartige Forderungen bisher überhaupt nicht aufgetaucht.

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