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Verkehr

Rehe queren wieder die Straßen

Über 2200 Wildunfälle gab es 2017 in Stadt und Kreis Regensburg. Im Juli und August ist die Gefahr wieder besonders groß.
von Jan-Lennart Loeffler

Vor allem in der Dämmerung droht in den Wäldern und an Waldrändern im Landkreis Gefahr für Mensch und Tier. Foto: Stratenschulte/dpa
Vor allem in der Dämmerung droht in den Wäldern und an Waldrändern im Landkreis Gefahr für Mensch und Tier. Foto: Stratenschulte/dpa

Regensburg.Jetzt beginnt wieder die Paarungszeit der Rehe. Rehböcke folgen im Juli und August den weiblichen Tieren oft „blind vor Liebe“ durch Wald und Flur. Dabei überqueren sie auch Landstraßen und Autobahnen, immer wieder mit tödlichen Folgen. In der Stadt und im Landkreis Regensburg gab es im vergangenen Jahr 2206 Wildunfälle. Dabei wurden zwölf Personen verletzt. Für die Tiere – in den meisten Fällen sind es Rehe – endet der Zusammenprall mit einem Fahrzeug fast immer tödlich.

„In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Wildunfälle im Landkreis Regensburg um 22 Prozent gesteigert und folgt dabei einem bayernweiten Trend“, sagt Florian Beck vom Polizeipräsidium Oberpfalz. Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums gab es im vergangenen Jahr fast 10 000 Wildunfälle. Dabei sind auch zwei Verkehrsteilnehmer ihren Verletzungen erlegen.

Vorsicht in der Dämmerung

Zu bestimmten Jahreszeiten ist die Unfallgefahr größer: Neben der Rehwild-Brunftzeit im Juli und August sei besonders im Frühjahr mit einem erhöhten Risiko für einen Zusammenstoß von Tier und Auto zu rechnen. „In dieser Zeit kämpfen die Rehböcke um ihre Reviere“, sagt Johann Neumeyer, Jagdpächter aus Regensburg.

Mit der früher einsetzenden Dunkelheit wird es auch im Herbst gefährlich. Denn es gibt auch besonders gefährdete Tageszeiten. Nach Angaben der Polizei häufen sich die Unfälle in der Region zwischen 18 Uhr und 2 Uhr nachts sowie morgens zwischen 6 Uhr und 9 Uhr.

Im Regensburger Stadtgebiet lassen sich laut Polizei Schwerpunkte für Wildunfälle ausmachen, wie zum Beispiel die B16 in Richtung Haslbach oder die Grünthaler Straße. Für den Landkreis nennt die Polizei keine besonderen Unfallschwerpunkte. Hier gelten im Allgemeinen waldreiche Gebiete und Waldränder als gefährdet. An den bekannten Wildunfallstellen richtet die zuständige Straßenverkehrsbehörde, wie auch an anderen Gefahrenstellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen ein.

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Aber auch abseits der Wildunfallschwerpunkte sollte man als Autofahrer vorsichtig sein. „Mit Wild ist immer zu rechnen“, sagt Karl Frank, Leiter der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Regensburg. Er rät grundsätzlich zu angemessener Geschwindigkeit, besonders aber in Waldgebieten und in der Dämmerung.

Die meisten der bekannten Wildwechsel-Verkehrszeichen mit dem springenden Rehbock im roten Dreieck wurden übrigens in den vergangenen Jahren entfernt. Wegen „Wirkungslosigkeit“, weiß Frank. Die Autofahrer hätten die Schilder über die Zeit hinweg einfach ignoriert.

„Wildunfälle sind unverzüglich bei der Polizei zu melden.“

Karl Frank, Leiter der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Regensburg

Oft wüssten Autofahrer nicht, wie sie sich bei einem Wildunfall richtig verhalten sollen. „Wildunfälle sind unverzüglich bei der Polizei zu melden“, sagt Frank. Er verweist auf den Tierschutz und die Verkehrssicherheit. „Die Polizei verständigt dann den zuständigen Jagdpächter, der sich um das getötete oder verletzte Tier kümmert.“ Ein verletztes Tier selbst mitzunehmen ist nicht nur gefährlich, sondern auch verboten: Das wäre Wilderei.

So verhalten sich Autofahrer richtig

  • Aufpassen:

    Vor allem an bekannten Gefahrenstellen aufmerksam und bremsbereit sein. Nach dem Queren eines Rehs oder Wildschweins ist mit weiteren Tieren zur rechnen.

  • Abblenden:

    Sollte sich ein Tier auf der Fahrbahn befinden: Stark bremsen und abblenden. Keine Lichthupe betätigen und keine gefährlichen Ausweichmanöver durchführen.

  • Melden:

    Wenn es gekracht hat, unverzüglich die Polizei rufen. Die Polizei verständigt dann den Jagdpächter. Polizei und Pächter stellen eine Bescheinigung für die Kfz-Versicherung aus.

Die häufigste Maßnahme zur Vermeidung von Wildunfällen auf Landstraßen sind blaue Reflektoren an den Leitpfosten, sogenannte Lichtzäune. Dabei bringen die Jagdpächter spezielle Reflektoren an den Pfosten an, die das Licht der Fahrzeuge seitlich ablenken und so das Wild vom Überqueren der Straße abhalten sollen. Wildbrücken, die es den Tieren ermöglichen, auch viel befahrene Straßen gefahrlos zu überqueren, gibt es keine in der Region, aber Wildzäune schützen die Autofahrer auf den hiesigen Autobahnen und autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraßen. „Früher hatten wir viele Wildunfälle auf der Autobahn“, sagt Jäger Johann Neumeyer über die Unfallhäufigkeit in seinem Jagdrevier. „Seit vor mehreren Jahren Wildzäune errichtet wurden, kommt es dort kaum noch zu Unfällen.“

App warnt Autofahrer

Autofahrer können sich seit Kurzem auch mit einer eigens entwickelten Wildwarner-App für das Smartphone schützen: Die App „Wuidi“ warnt während der Fahrt tages- und jahreszeitabhängig vor Gebieten mit erhöhter Gefahr durch Wildwechsel. Die App hat auch nützliche Hinweise parat, was zu tun ist, wenn es zu einem Unfall gekommen ist.

„Die Idee zur App kam uns, als wir selbst in einen Wildunfall verwickelt waren“, erzählt Alfons Weinzierl vom „Wuidi“-Entwicklerteam.

„Wir können zwar nicht messen, wie viele Unfälle wir durch die App bisher verhindern konnten“, sagt Weinzierl. „Aber es melden sich viele Nutzer direkt bei uns, die dank der App vorgewarnt waren und so einen Unfall vermeiden konnten.“ Wichtig war den Entwicklern, dass die App die Autofahrer bei der Fahrt nicht ablenkt. Schließlich ist die Bedienung des Smartphones beim Autofahren als Unfallursache ebenfalls nicht zu unterschätzen.

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