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Montag, 23. Juli 2018 29° 6

Energie

Riesenprojekt ohne Aufsehen

Arbeiter haben zwischen dem westlichen Kreis Kelheim und Regensburg eine Stromtrasse saniert. Elf Masten wurden erneuert.
Von Benjamin Neumaier und Bettina Mehltretter

Bis zu 55 Meter hoch sind die Strommassen, auf die die Arbeiter klettern mussten. Foto: Neumaier
Bis zu 55 Meter hoch sind die Strommassen, auf die die Arbeiter klettern mussten. Foto: Neumaier

Oberhinkofen.208 Tonnen verbauter Stahl, 259 Kilometer Stromleitungen, 182 überprüfte Strommasten, 2,5 Millionen Euro Kosten – das sind die nackten Zahlen der Sanierung der Stromtrasse zwischen Sittling im westlichen Landkreis Kelheim und dem Regensburger Ostbahnhof. Relativ klein wirkt dafür das Baubüro im Hausener Gewerbegebiet, von dem aus das Bayernwerk die Sanierung steuert: Vier kleine Baucontainer stehen dort. In einem sitzt Jürgen Gmeinwieser, der die sogenannte Eislastsanierung leitet.

Seit September koordiniert der Langquaider von dort aus die Bauarbeiten. „Die Stromleitung wird zukunftsfähig gemacht“, sagt er. Alle 182 Strommasten wurden auf ihre Statik geprüft. Vier Masten – alle im Regensburger Ostbahnhof – mussten verstärkt werden. Elf Masten mussten neu gebaut werden, 39 erhöht. Die Erhöhung sei nötig gewesen, „weil durch die Leitungen künftig mehr Strom fließt, sie dadurch heißer werden – statt 60 sind es künftig 80 Grad Celsius – und damit weiter nach unten durchhängen können“, sagt Gmeinwieser. Der geringste Abstand zum Erdboden darf sechs Meter nicht unterschreiten.

Experten klettern in die Höhe

Projektleiter Jürgen Gmeinwieser (l.) und Baukontrolleur Richard Skala leiten die Stromtrassensanierung. Foto: Neumaier
Projektleiter Jürgen Gmeinwieser (l.) und Baukontrolleur Richard Skala leiten die Stromtrassensanierung. Foto: Neumaier

Der letzte neue Mast, er trägt die Nummer 138, wurde dieser Tage bei Arnhofen nahe Abensberg aufgestellt. Aus zig Einzelteilen wurde er nach Plan zusammengesetzt und Stück für Stück aufgestockt, erklärt Baukontrolleur Richard Skala. Das passierte per Kran und Manneskraft. Fünf Arbeiter kraxelten meterweise mit dem Mast in die Höhe, schraubten dort letztlich die Spitze und die Ausleger an. „Das sieht gefährlicher aus, als es ist“, sagt Skala. „Es gibt doppelte Sicherungen. Außerdem sind die Arbeiter und der Kranfahrer ein eingespieltes Team – die machen das nicht zum ersten Mal.“

Mast Nummer acht, über den Pentling angeschlossen ist, steht in Leoprechting. Dieser Mast wurde erhöht. Foto: Richard Skala
Mast Nummer acht, über den Pentling angeschlossen ist, steht in Leoprechting. Dieser Mast wurde erhöht. Foto: Richard Skala

In Arnhofen wuchs der Mast schnell. Während er installiert wurde, hielten immer wieder Passanten auf der Straße, schauten zu. Dennoch lief das Großprojekt weitgehend unauffällig ab. „Wir arbeiten wenig in besiedeltem Gebiet, sondern weitgehend auf Feld und Flur“, sagt Gmeinwieser. „Das bekommen dann nur die Eigentümer mit.“ Und die mussten vorher um Erlaubnis gefragt werden.

Der Aufwand für die Trasse war enorm. Allein das Genehmigungsverfahren hat rund 13 Monate gedauert. Und schon weit vor Beginn der Sanierungsarbeiten wurden unter anderem Entschädigungen ausgehandelt und Gespräche mit der Regierung und dem Bauernverband geführt. Außerdem wurden Wege zu den Baustellen gebaut, der Baugrund untersucht und Materiallager angelegt.

Ein Video von den Arbeiten:

Video: Benjamin Neumaier

Im Verlauf der Bauarbeiten mussten Querungen von Erdöl- und Ergasleitungen und Kreuzungspunkte mit Bahnlinien, Bundesstraßen und Autobahnen speziell abgesichert werden. Zum Beispiel an der Autobahn A 93 in Richtung München kurz vor der Abfahrt Bad Abbach: Dort spannten die Arbeiter mithilfe großer Gerüste ein Sicherungsnetz über die Fahrbahn. Links und rechts neben der Fahrbahn wuchsen dann neue Strommasten in die Höhe. Währenddessen waren die Stromleitungen noch über die alten Masten gespannt, die schon abgeschnitten neben den neuen standen.

Externe Berater überwachten die Arbeiten ökologisch, bodenkundlich und – wo nötig – auch archäologisch. „Wenn es etwa irgendwo Bodenbrüter oder Eidechsen gibt, ist versucht worden, zeitlich passend zu arbeiten oder die Tiere umzusiedeln“, sagt Gmeinwieser. Im Raum Regensburg kam zudem der Kampfmittelräumdienst zum Einsatz – etwa bei Oberhinkofen, auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes. Dort steht mit 55 Metern der höchste Mast der Trasse. Gefunden hat der Mann mit seiner Sonde aber nichts, was den Arbeitern hätte gefährlich werden können. Diesmal verliefen die Arbeiten nahe Oberhinkofen also ruhig.

Riesenschreck für die Arbeiter

Das ist der Mast Nummer 261 der Leitung Regensburg – Sittling. Er steht in der Regensburger Jungerstraße und hat während des aktuellen Projekts verstärkt werden müssen. Unter anderem bekam er eine neue Spitze. Foto: Richard Skala
Das ist der Mast Nummer 261 der Leitung Regensburg – Sittling. Er steht in der Regensburger Jungerstraße und hat während des aktuellen Projekts verstärkt werden müssen. Unter anderem bekam er eine neue Spitze. Foto: Richard Skala

Anders war das vor gut 20 Jahren, wie Baukontrolleur Skala berichtet: „Ich war dort mit einem Arbeitstrupp, als der plötzlich in panischer Angst im Sprint an mir vorbei flüchtete.“ Niemand hatte den Männern, die die Leitungen strichen, angekündigt, dass dort gleich 300 Fallschirmjäger landen würden. Skalas Leute hätten gedacht, „der Ernstfall bricht aus“.

Einen Zwischenfall gab es dann aber doch bei den aktuellen Arbeiten: In Arnhofen steht ein Mast in einem Garten einer Familie, hinter einem Wohnhaus. Gmeinwieser erklärt: „Vom Fundament aufwärts musste alles neu gemacht werden.“ Der Garten ist dabei stark beschädigt worden. „So etwas ist leider nicht zu verhindern, passiert aber nur in Einzelfällen“, sagt Skala. Die Familie wird entschädigt, ein neuer Garten angelegt.

Inzwischen sind die größten Brocken des Projekts erledigt. Letzte Arbeiten erfolgen noch nach Ostern: Dann werden zum Beispiel Wege zurückgebaut, die extra für die Bauarbeiten errichtet worden waren. Die Trasse selbst ist schon fit für die Zukunft.

Durch das Jagdgebiet der Fürstin

  • Strecke:

    Die Sanierungsstrecke läuft von Sittling bei Neustadt/ Donau über Arnhofen, Buchhofen, Saal, Einmuß, Herrnwahlthann, Teugn, Peising, Poign, Oberhinkofen, Schloss Höfling (das Thurn- und Taxis-Jagdgebiet) und Burgweinting zum Ostbahnhof in Regensburg.

  • Zahlen:

    Die sanierte Stromtrasse erstreckt sich über 37 Kilometer – zudem gibt es zwei Abzweige: nach Saal und Pentling. Die 182 Masten der Leitung tragen 259 Kilometer Stromleitungen. 39 Masten wurden nun erhöht, elf neu gebaut, vier verstärkt.

  • Zeitplan:

    Die Stromtrasse zwischen Sittling und Regensburg ist für mehr Stromkapazität fit gemacht worden. Die größeren Arbeiten sind bis Gründonnerstag erledigt. Das Ende aller Bauarbeiten ist für Mitte April geplant. Damit liegt das Projekt derzeit voll im Zeitplan.

Mehr Bilder von den Bauarbeiten sehen Sie hier:

Sanierung Stromtrasse Sittling - Regensburg

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Sie interessieren sich für die geplante Mega-Stromtrasse in Ostbayern? Hier geht‘s zu unserem MZ-Spezial.

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