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Samstag, 22. September 2018 19° 3

Wintersport

Saison abhaken und hoffen

Für die fünf Skilifte im Landkreis gibt es wieder zuwenig Schnee. Die Betreiber warten auf den nächsten Winter.
Von Sabine Norgall, MZ

Nebel und matschbraune Wiesen statt weiße Pisten: Wie unser Foto von vergangener Woche zeigt, lohnte es sich in dieser Wintersaison für Rudolf Auburger am Skilift in Schneitweg nicht, die Schleppbügel einzuhängen. Der Lift war keinen einzigen Tag in Betrieb. Foto: Norgall
Nebel und matschbraune Wiesen statt weiße Pisten: Wie unser Foto von vergangener Woche zeigt, lohnte es sich in dieser Wintersaison für Rudolf Auburger am Skilift in Schneitweg nicht, die Schleppbügel einzuhängen. Der Lift war keinen einzigen Tag in Betrieb. Foto: Norgall

Landkreis.In den Alpen türmen sich die Schneemassen. Im Landkreis Regensburg jedoch war die Jahreszeit für alle Brettlfans erneut eine arge Enttäuschung. Mit dem Ende der Faschingsferien ist für die Skiliftbetreiber vor Ort klar: Dieser Winter ist gelaufen. Auch am Samstag ließ Frau Holle viel zu wenig Schnee für die Brettlfans aus den Wolken fallen und die weiße Pracht war nur von kurzer Dauer. Die Frage unseres Medienhauses, ob es sich angesichts der Klimaerwärmung überhaupt noch rentiert, die Lifte in Schuss zu halten, haben sich alle Liftbetreiber schon gestellt, besonders dann, wenn Sanierungs- oder Wartungskosten anstanden. Ans Aufhören denkt aber trotzdem noch keiner. Die Argumente sind bei allen ähnlich: Die Anlage ist da, wenn Schnee ist, wird sie im Familienverbund oder mit Freiwilligen betrieben, große Gewinne gaben es auch in den Jahren nicht, als das Skifahren vor der eigenen Haustür noch eine Selbstverständlichkeit war. Eine Hoffnung aber eint alle: „Irgendwann wird es schon wieder einmal schneien.“

Prophezeiter Klimawandel

Karl Lehrer, Liftbesitzer in Frauenzell bei Brennberg, gibt viel auf die Prophezeiungen des „Mühlhiasl“, der schon vor weit über 200 Jahren vorhersagte: „Schnee wird nur noch auf den Bergspitzen fallen und Sommer und Winter wird man nicht mehr unterscheiden können.“ 1970 baute Lehrer seinen Lift, heute sagt er: „Hätte ich die Prophezeiung damals gekannt, hätte ich mir das gut überlegt.“ Er beobachtet die Wetterlagen genau, die Tiefdruckgebiete aus dem Süden, die an den Gebirgen stehenbleiben. „Dort schneit es in Massen, aber zu uns kommt nichts durch.“

Skikurse für die Jüngsten gibt es auf Skihängen im Landkreis nur noch sehr selten. Das Archivfoto in Frauenzell entstand im Jahr 2006. Archiv-Foto: lbi
Skikurse für die Jüngsten gibt es auf Skihängen im Landkreis nur noch sehr selten. Das Archivfoto in Frauenzell entstand im Jahr 2006. Archiv-Foto: lbi

Demnächst steht bei Lehrer der 77 Geburtstag an und zu den Unkosten seines Schleppliftes sagt er: „Ich bin nicht mehr der Jüngste, ich rechne gar nicht mehr herum.“ Viel Pflegearbeit sei notwendig „und eine Woche Arbeit, die sieht man gar nicht.“ Immer wieder braucht er Ersatzteile: „Das sind Kosten, da fürchtest du dich.“ Dennoch will er abwarten: „In den Bergen hatten auch schon viele das Handtuch geworfen.“

Fünf Pisten

  • Angebot:

    Fünf Schlepplifte gibt es im Landkreis Regensburg mit Skipisten bis zu 600 Metern Länge.

  • Standorte:

    Skipisten gibt es in Schneitweg bei Regenstauf, in Frauenzell bei Brennberg, in Haderlsdorf bei Beratzhausen, auf der Schmalzlalm in Rettenbach (Wörth) und im Freizeitzentrum in Schierling. Heuer nahmen nur die Schierlinger ihren Lift in Betrieb — für zwei halbe Tage.

Der Lift in Haderlsdorf gehört der Gemeinde Beratzhausen, betrieben wird er von Mitgliedern des örtlichen Skiclubs und Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren. Auf die Frage nach der Rentabilität lacht Kämmerer Andreas Dechant: „Das ist schon immer ein Verlustgeschäft, aber total.“ Selbst wenn man dort vier Wochen Skifahren könnte, würde das nicht die Unkosten hereinholen.

Snowboarder in Beratzhausen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2007.
Snowboarder in Beratzhausen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2007.

2014 machte die Liftanlage rund 3000 Euro Verlust, 2012 waren es 4500 Euro und 2010, als Investitionen anstanden, sogar 9000 Euro. Aber so lange keine riesigen Investitionen anstünden, werde es wohl weitergehen. Dechant kommt ins Schwärmen, wenn er von den Jahren berichtet, in denen der Lift lief. 2010 etwa habe man eine Sprungschanze gebaut und gerade die Skizwergerl seien am kleinen Hang dort besonders gut aufgehoben.

Kaum liegt Schnee, sind vor allem die Familien am Lift in Haderlsdorf unterwegs.
Kaum liegt Schnee, sind vor allem die Familien am Lift in Haderlsdorf unterwegs.

Rudolf Auburger, dem der Lift in Schneitweg zusammen mit zwei weiteren Familien gehört, sieht den Ausfall der Saison gelassen: „Wenn der Lift alle zwei oder drei Jahre läuft, können wir die Auslagen zahlen.“ Er schätzt die jährlichen Unterhaltskosten auf etwa 3000 Euro. Wie es in Zukunft weitergeht, kann er nicht sagen: „Unsere Generation wird noch weitermachen, weil die Anlage steht, die Jungen vielleicht, so lange es noch rundläuf.

Voriges Jahr in Schneitweg: Kurz vor der Dämmerung noch ein paar Schwünge über den Hang. Foto: Norgall
Voriges Jahr in Schneitweg: Kurz vor der Dämmerung noch ein paar Schwünge über den Hang. Foto: Norgall

Vermieten als Geschäftsmodell



Christina Walchshäusl-Becker, deren Familie der Lift auf der Schmalzlalm bei Wörth gehört, bestätigt: Kein einziges Mal wurde in dieser Saison der Lift angeschaltet, die 600 Euro Gebühr für den TÜV waren aber dennoch fällig. Vergangenes Jahr lief der Lift an drei Wochenenden: „Unter der Woche brauchst nicht aufmachen, die meisten Kinder haben den ganzen Tag Schule.“

Skianfänger auf der Schmalzlalm. So viel Schnee lag dort 2006. Foto: Weiss
Skianfänger auf der Schmalzlalm. So viel Schnee lag dort 2006. Foto: Weiss

Die Wartungsarbeiten am Lift, das Ausschneiden der Liftschneise, die Reparaturen in der Almhütte, alles übernimmt die Familie: „Die meisten machen es gerne, weil es dort so idyllisch ist. Wenn wir zu den Kindern sagen, wir verkaufen, kommt ein eindeutiges ‚Nein‘. Um die laufenden Kosten zu decken, setzt man jetzt auf ein neues Modell: Die gut ausgebaute Schmalzlalm wird für lokale Events vermietet, etwa für runde Geburtstage oder Junggesellenabschiede.

In Schierling wird der Lift vom Markt unterhalten, betrieben wird er von Rentnern des TV Schierling. In der vorletzten Woche ging der Lift für zwei halbe Tage in Betrieb. Nach 29 Jahren, sagt Max Lugauer, wurde heuer der Preis für die Tageskarte für Kinder von 1,50 auf zwei Euro erhöht. Als es heuer zweimal kurzfristig möglich war zu fahren, verlangte das Team um Max Lugauer keinen Eintritt, weil die Skifahrer erst den Schnee zusammentreten mussten. Er errechnet für die zwei halben Tage das entstandene Defizit: „Zu dritt haben wir als Betreiber zehn Bier und vier Limo für 8,50 Euro getrunken. Sechs Euro haben wir eingenommen, macht 2,50 Euro minus.“

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