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Gastronomie

Schimmelstreit um Wirtshaus geht weiter

Das Pächterpaar hat die Regenstaufer Rathausstuben verlassen, der Eigentümer will weiter Miete. Jetzt sind die Anwälte dran.
Von Walter Schiessl

Die Schmidbauers sind mit ihrer Tochter Annabell am 8. Mai aus dem Pachtvertrag ausgestiegen. Fotos: ws
Die Schmidbauers sind mit ihrer Tochter Annabell am 8. Mai aus dem Pachtvertrag ausgestiegen. Fotos: ws

Regenstauf. Der Streit um den Schimmelbefall der Regenstaufer Rathausstuben könnte vor Gericht enden. Stein des Anstosses ist der schlimme Zustand des Wirtshauses, das im September vergangenen Jahres von Christine Schmidbauer (49) gepachtet und jetzt aber von ihr und ihrem Ehemann Axel (46) deswegen verlassen wurde. Die Kündigung wurde am Dienstag letzter Woche vollzogen und dem Gebäudebesitzer von einer Rechtsanwältin mitgeteilt. Inhaber Hans-Jürgen Hermann (60) hat aber über seinen Anwalt die Schmidbauers wissen lassen, der Mietvertrage bestünde fort und auch gleich die ausstehenden Summen von 7880 Euro plus der Anwaltskosten von 729 Euro eingefordert. Sollten sich die beiden Seiten nicht einigen können, droht der Streit vor Gericht zu landen.

„Sowas hat noch keiner erlebt“, sagen Christine und Axel Schmidbauer, die zwar nur wenig gastronomische Erfahrungen aufweisen können, sich aber im vergangenen Jahr einen Traum erfüllen wollten und das Wirtshäusl an der Bahnhofstraße pachteten. Leider, so sagen sie heute, habe man das Gasthaus vor dem Setzen der Unterschrift auf einen über fünf Jahre laufenden Vertrag nur ungenügend inspiziert. So habe man zunächst den Aussagen des Inhabers, die Pächter sollten auf eine marode Stelle nur etwas „Schimmeltod“ geben und die Sache würde passen, leichtfertig geglaubt. Doch schnell stellte sich heraus, das alle Gasträume massiv von Schimmelstellen befallen waren, „der Schimmeltod hätte da gar nichts gebracht“, sagt Alex Schmidbauer, ein gelernter Mauerer.

Streit um die Schäden

Christine Schmidbauer zeigt auf eine der vielen Schimmelstellen im Restaurant. „Uns reicht‘s“, sagt sie. Fotos: ws
Christine Schmidbauer zeigt auf eine der vielen Schimmelstellen im Restaurant. „Uns reicht‘s“, sagt sie. Fotos: ws

Ein heftiger Streit, wer den Schimmel verursacht habe, begann. Das sprach sich auch im Markt herum, so dass die Gäste nach und nach ausblieben, was den Schuldenberg des Ehepaares in die Höhe wachsen ließ. Ende April wussten sich die Schmidbauers, die zuvor eineinhalb Jahre in Regensburg ein Südtiroler Stüberl geführt hatten, keinen anderen Rat mehr, als über eine Rechtsanwältin das Mietverhältnis sofort aufzukündigen und sich auch vorzubehalten, den gezahlten Pachtzins (3691 Euro inklusive der Pächterwohnung) zurückzufordern.

„Denen hat es so pressiert, dass die Schäden zuvor nicht repariert werden konnten.“

Hans-Jürgen Hermann, Besitzer der Rathausstuben

Begründet wurde die Auflösung damit, dass das ganze Gebäude von Schimmel befallen sei, der Inhaber aber alle Aufforderungen der Pächter, die Schadstellen zu beseitigen, gänzlich negiert habe. Zudem falle Putz wegen erheblicher Nässe von den Wänden ab. Man habe, so die Rechtsanwältin, zahlreiche Fotos von den Schadstellen geschossen und sei zudem von vielen Gästen auf den Schimmelgeruch aufmerksam gemacht worden. „Aufgrund dieser großen Gesundheitsgefahr stehe der Mandantschaft das Recht zur außerordentlichen fristlosen Kündigung zu“, schrieb die Anwältin an den Hausbesitzer Hans-Jürgen Hermann.

Lesen Sie hier einen Kommentar zu dem Fall:

Kommentar

Das Versagen der Behörde

Die Gastronomie gerade auf dem Land ist ein schwieriges Themenfeld. Aber was in den Regenstaufer Rathausstuben geschehen ist, stellt alles Bisherige in...

Dieser aber ließ die Frist für eine Mitteilung, wann die Gebäudeübergabe stattfinden könne, verstreichen und gab über einen Regenstaufer Rechtsanwalt jetzt Kontra. Die Mandantin sei verpflichtet, die Pacht weiterhin zu zahlen, teilte der Advokat der Gegenseite mit. Denn, so seine Ausführungen, der Zustand der Pachtsache sei den Schmidbauers bei der Vertragsunterzeichnung bekannt gewesen, einen Teil der von Axel Schmidbauer erledigten Arbeiten habe der Hausbesitzer auch gezahlt, Mängelansprüche insbesondere eine darauf gestützte fristlose Kündigung können deshalb nicht geltend gemacht werden. Im Übrigen sei der Schimmel im Nebenraum wohl erst dadurch entstanden, dass die Schmidbauers dort den ganzen Winter über nicht geheizt hätten, so der Hausbesitzer. Hans-Jürgen Hermann sagt, er fühle sich von den Schmidbauers übers Ohr gehauen. Denn, so sagt der Besitzer des um 1900 herum errichteten Gebäudes, er hätte eigentlich die Schäden vor dem Einzug der neuen Pächter reparieren lassen, aber diese hätten massiv darauf gedrängt, sofort in die Gaststätte einzuziehen.

„Nie wieder so einen Zirkus“

So habe er sich erweichen lassen und die Zustimmung schweren Herzens gegeben, dass die Schäden in Eigenarbeit des Fachmanns Axel Schmidbauer erledigt werden dürften. Den Pächtern sei auch genehmigt worden, 10 000 Euro der Kaution in Raten abzustottern und für den Rest habe sogar die Brauerei in die Tasche gegriffen, doch jetzt sei der Ofen aus.

Hermanns Anwalt Karl Heinz Lämmel sagte, man werde die Schmidbauers natürlich nicht aus dem Vertrag herauslassen, denn die Pächterin habe klar gewusst, auf was sie sich einlasse. Man könne den Vertrag nur auflösen, wenn etwa ein anderer Pächter bereitstehen würde. Doch zunächst werde, so Karl Heinz Lämmel, das alte Wirtshaus wohl von einer Fachfirma saniert werden. Besitzer Hans-Jürgen Hermann merkt an, so einen Zirkus wie man jetzt mit den Schmidbauers gehabt habe, darauf könne er gut und gerne verzichten.

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