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Samstag, 26. Mai 2018 28° 2

Bildung

Schüler drehen Film „Belsazar“

Unterricht am Samstagnachmittag? Für die Klasse 6a der Realschule Neutraubling gar keine Frage! Die Eltern halfen eifrig mit.
Von Julia Falk

Die Klasse 6a mit Lehrer Willy Falk bei den Dreharbeiten für das Gedicht „Belsazar“ am Wochenende in der Auburg Fotos: Julia Falk

Neutraubling.Am Samstagnachmittag setzte die Klasse 6a der Realschule Neutraubling und ihr Deutschlehrer Willy Falk die Ballade „Belsazar“ von Heinrich Heine in Bild und Ton um. Der Drehort war die Burg in Auburg bei Familie Gerl, die freundlicherweise die Lokalität zur Verfügung gestellt hat.

Wer als Schüler selber einmal Gedichte auswendig lernen musste, weiß genau, wie ungern man das machte. Um die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a dazu zu motivieren, gab ihnen ihr Deutschlehrer Willy Falk die Aufgabe, das Gedicht „Belsazar“ selbst in der Art eines Youtube-Videos zu verfilmen. Die Ergebnisse dieser Hausaufgabe überwältigten den Lehrer, sodass die Idee entstand, ein fächerübergreifendes Projekt auf die Beine zu stellen.

Vorzeichen drohenden Unheils

Heinrich Heine schrieb 1820 eine Ballade über die Geschichte des im Alten Testament erwähnten Königs Belsazar, Robert Schumann vertonte das Werk 20 Jahre später. Belsazar war derjenige, der den Tempel in Jerusalem ausraubte und im Schloss zu Babylon ausschweifende Festgelage abhielt. Dabei verspottete und verhöhnte er Gott; gleich darauf erschien die Flammenschrift „Mene tekel“ an der Wand, die keiner der Magier und Schriftgelehrten deuten konnte.

Im Gedicht Heines wird der König in derselben Nacht von den verängstigten Knechten, die zuvor mit ihm feierten, ermordet. Heutzutage versteht man unter Menetekel demzufolge ein Vorzeichen drohenden Unheils.

Seit Monaten bereiten die Schülerinnen und Schüler der 6a das Gedicht im Deutsch- und Musikunterricht auf: Zunächst wurde der Ton zu einer Rap-Melodie aufgenommen, wobei jeder Einzelne mindestens einen Vers der Ballade zu sprechen hatte. Anschließend wurden die für den Film benötigten Utensilien organisiert. Verkleidung, Filmequipment und Musikinstrumente mussten besorgt werden, teils aus privaten Vorräten, teils übers Internet.

Der erste Drehort für die Außenaufnahmen war die Donaustaufer Burg, für den Königssaal bekam man die Dreherlaubnis in der Auburg. Dies geschah vergangenen Samstagnachmittag, wobei Eltern die Kinder von weit her nach Auburg brachten.

Unter Mithilfe einiger Schüler der 10. Klasse wurde innerhalb von zweieinhalb Stunden das zuvor im Unterricht angefertigte Drehbuch verfilmt. Aus eigenem Fundus brachte Stefan Zierer aus der Video-Technik-Gruppe eine Nebelmaschine, das Beleuchtungsequipment und seine Videoausrüstung mit und drehte semi-professionelle Takes.

In der Drehpause schwärmte die Schülerin Yola Wagner aus Neutraubling, die einen Knecht spielt, dass ihr die Schauspielerei viel Freude bereite und es ihr deshalb nichts ausmache, am Wochenende Zeit für die Schule aufzubringen. Auch Noah Gast aus Tegernheim findet das Projekt super, da man endlich gemeinsam als Klasse etwas gestalten kann. Der Junge spielt den Diener, der es am Ende nicht übers Herz bringt, den König Belsazar zu erstechen.

Die Zauberlehrlinge und Magier treffen ein.

Lehrer Willy Falk scheute keine Kosten und Mühen, ersteigerte bei Ebay allerlei Kostüme und schnitt in unzähligen Stunden zu Hause am Computer die Szenen zusammen. Es ist mittlerweile seine Leidenschaft geworden, denn in seinem Musikunterricht produzieren die Klassen Videos, die in einem schulinternen Wettbewerb am Ende des Schuljahres bewertet werden. In der Realschule Neutraubling haben Schülervideos bereits einen hohen Stellenwert, denn bei den Wettbewerben werden Siegerklassen ermittelt, die am Ende des Schuljahres zur Belohnung beispielsweise in den Europapark fahren dürfen.

Der Schulleiter ist begeistert

Rektor Andreas Gruber findet es toll, dass Schule und Unterricht nicht nur im Schulhaus, sondern darüber hinaus auch außerschulisch stattfinden. Noch dazu, wenn die Eltern hinter derartigen Projekten stehen, selbst wenn sie auf Samstagnachmittag terminiert sind. Er könne den Eltern nur danken, denn ohne ihre Hilfe seien  solche Unternehmungen nicht möglich. Auf die Frage, wie er zu solchen Filmprojekten stehe, meint der Schulleiter nachdenklich, ihn habe der Satz eines Schülers beeindruckt. Dieser hatte gesagt, so ein Projekt sei besser als Unterricht. Auch das ist Unterricht, ist Gruber überzeugt.

Lehrer Falk macht die Arbeit mit den Kindern nach über 36 Jahren Schuldienst immer noch Spaß, denn die Kreativität und der Ideenreichtum seiner Schülerinnen und Schüler verleiten ihn immer wieder zu solchen außergewöhnlichen Projekten. Der Film kann leider aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden, doch könne man sich schulintern und privat daran erfreuen.

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