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Montag, 23. April 2018 27° 2

Betrug

So fies werden Senioren abgezockt

Kriminelle versprechen Senioren viel Geld – sofern sie selbst 1000 Euro bezahlen. Polizei und Verbraucherschützer warnen.
Von Bettina Mehltretter

Immer wieder sorgen neue Betrugsversuche für Aufsehen. Nun haben es Kriminelle in Lappersdorf versucht – vergeblich.Fotos: Klose/dpa

Lappersdorf.Felix Mittermaier lässt sich nicht gern übers Ohr hauen. Sein Beruf, den er bis kurz vor seiner Pensionierung ausgeübt hat, verbietet ihm das: Der 76-Jährige, der heute in Lappersdorf lebt, war zuletzt Grenzschützer in Saudi-Arabien. Kein Wunder, dass die Kriminellen, die ihm in dieser Woche mit mehreren Telefonanrufen 1000 Euro abluchsen wollten, abgeblitzt sind. Mittermaier hat sich die Details notiert und gemeinsam mit seiner Frau Waltraud die Regenstaufer Polizei alarmiert. Dabei erfuhr er: Sein Fall ist nicht der erste dieser Art im Landkreis.

Mindestens ein anderer Bürger aus dem Bereich der Polizeiinspektion Regenstauf hat ebenfalls einen solchen Anruf erhalten. Rainer Spangler, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf, bestätigte das auf Anfrage unserer Zeitung. Konkret ging es in beiden Fällen um einen angeblichen Geldpreis aus einem Edeka- oder Netto-Gewinnspiel in Höhe von 28 500 Euro, den die Angerufenen aber erst nach einer Zahlung von 1000 Euro erhalten sollten.

Die Polizei geht davon aus, dass Betrüger versucht haben, noch deutlich mehr Menschen in der Region derart abzuzocken. „Die Dunkelziffer solcher Fälle ist hoch“, erklärt etwa Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Rainer Spangler von der Regenstaufer Polizei kann noch von einem dritten, aber anderen Fall in diesem Jahr berichten: Hier hatte der Anrufer sogar einen Gewinn von fast 90 000 Euro versprochen, sofern der vermeintliche Glückspilz eine stolze Summe bezahlt.

Betrüger üben Druck aus

Felix Mittermaier ist den Betrügern nicht auf den Leim gegangen. Stattdessen hat er Anzeige bei der Polizei in Regenstauf erstattet. Foto: Mittermaier/Archiv

Felix Mittermaier hatte mit den Betrügern zum ersten Mal am Montag Kontakt: Ein gewisser Otto Reimann, angeblich Mitarbeiter des Unternehmens Prime Security, teilte ihm telefonisch mit, dass er tags darauf einen weiteren Anruf erhalten würde, weil er bei einem Supermarkt-Gewinnspiel abgeräumt habe. Allerdings dürfe er keinesfalls jemandem von seinem Preis erzählen, bis er das Geld erhalten hat. „So wie der das geschildert hat, war das schon sehr dubios“, sagt der 76-Jährige. Brück zufolge ist das eine übliche Masche: Opfer betrügerischer Anrufe werden am Telefon teils massiv eingeschüchtert.

„Teilweise müssen wir es den Leuten richtig ausreden, dass sie den geforderten Betrag bezahlen.“

Eva Traupe, Verbraucherservice Bayern

Deshalb haben auch die Mitarbeiter der Regensburger Beratungsstelle des Verbraucherservices Bayern gut zu tun: Etwa einmal pro Woche, schätzt Leiterin Eva Traupe, müssten sie und ihre Kollegen Anrufer darüber aufklären, dass hinter ihrem vermeintlichen Gewinn oder ihrer vermeintlichen Erbschaft Betrüger stecken. „Teilweise müssen wir es den Leuten richtig ausreden, dass sie den geforderten Betrag bezahlen“, sagt sie. Paragraph 661 a des Bürgerlichen Gesetzbuchs regelt zwar, dass Unternehmer, die Verbrauchern Gewinnzusagen machen, diese auch einhalten müssen. Doch häufig kann die Polizei die Betrüger nicht ermitteln. Denn Kriminelle können beim Call-ID-Spoofing Telefonanschlüsse so manipulieren, dass beim Angerufenen eine andere Telefonnummer angezeigt wird. Sogar die 110 wäre möglich.

Als bei Felix Mittermaier am Dienstag das Telefon erneut geklingelt hat, hat er wieder abgehoben. Da erfuhr er von einem gewissen Benjamin Weiz, dass er 28 500 Euro gewonnen habe. Der Preis solle bei ihm Zuhause durch zwei Sicherheitskräfte übergeben werden, begleitet von einem Notar, der die Übergabe dokumentieren solle. Allerdings, erklärte Weiz, müsse Mittermaier vorab die Kosten begleichen. Schließlich seien die Sicherheitsmitarbeiter und der Notar, die zu ihm nach Hause kommen, hoch qualifiziert und entsprechend teuer.

Edeka übergibt Preise im Markt

Ein Edeka-Sprecher sagte auf MZ-Anfrage, dass ein derartiges Vorgehen nicht dem der Edeka-Gruppe entspricht: „Wir benachrichtigen Gewinner üblicherweise schriftlich und übergeben die Gewinne dann über den Postweg oder in einem unserer Märkte.“ Organisiere das Unternehmen ein Gewinnspiel, lobe es üblicherweise auch kein Geld, sondern Warengutscheine, Reisen oder Sachpreise aus.

„Wir benachrichtigen Gewinner üblicherweise schriftlich.“

Ein Edeka-Sprecher

Mittermaier hätte die 1000 Euro über eine sogenannte Steam-Karte bezahlen sollen. Solche Karten, die in Supermärkten und Tankstellen erhältlich sind, funktionieren ähnlich wie Geschenkgutscheine. Allerdings hätte der Pensionist die Karte nicht persönlich an die Kriminellen übergeben sollen. Er hätte den Code freirubbeln und diesen am Telefon nennen sollen. Gleichzeitig wäre der Übergabetermin vereinbart worden. Mittermaier blieb hartnäckig, wollte wissen, ob er die Summe nicht bar bezahlen könne oder ob die 1000 Euro nicht einfach von den 28 500 abgezogen werden könnten. „Aber da hieß es, dass das steuerlich nicht vorteilhaft ist“, sagt Mittermaier.

Drei andere Beispiele

  • Abo-Falle:

    Ein Fliesenleger aus Regensburg hat sich 2014 bei der Polizei gemeldet, weil er eine Rechnung für einen Eintrag in einem Branchenbuch über 700 Euro erhalten hat. Er vermutete, dass ihn der Branchenbuch-Verlag übers Ohr gehauen hat: Jemand hatte ihn zuvor angerufen. Der Handwerker glaubte, Vodafone am anderen Ende der Leitung zu haben. In dem Gespräch habe er wohl auch ein paarmal „Ja, Ja“ gesagt. Nun behauptete der Branchenbuch-Verlag, einen Vertrag mit dem Handwerker abgeschlossen zu haben.

  • Zähler-Betrüger:

    Immer wieder stutzten Regensburger, weil sie Rechnungen für die Reparatur von Messstationen bekamen. Angebliche Prüfer waren jeweils zwei Wochen zuvor bei ihnen. Dies koste eigentlich nichts, erklärt die Rewag.

  • Enkeltrick:

    Schon oft hat die Polizei wegen Enkeltricks ermitteln müssen. 2016 ist etwa ein Rentnerpaar aus Regensburg auf eine Frau hereingefallen. Diese hatte bei dem Paar angerufen und sich als Enkeltochter ausgegeben. Sie bat um 50 000 Euro zur Finanzierung eines Hauses. In einem zweiten Anruf erzählte sie, ein Freund würde vorbeikommen, um das Geld abzuholen. Sie selbst habe einen Termin. Nachdem die Rentner das Geld übergeben hatten, telefonierten sie mit der „echten“ Enkeltochter. So flog der Schwindel auf.

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