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Flutpolder

Startschuss für Grundwassermodell

Wasserwirtschaftsamt schließt die erste Stufe der Ausschreibung ab. Das Projekt soll klären, ob Flutpolder realisierbar sind.
Von Christof Seidl, MZ

  • Anfang Juli stellte Prof. Andreas Malcharek in Kiefenholz sein Grundwasser-Datenmodell vor. Beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg läuft derzeit die Ausschreibung für ein umfangreiches Modell. Foto: MZ-Archiv
  • Landrätin Tanja Schweiger (3. von rechts) teilt die Bedenken der Gegner eines Flutpolderbaus. Foto: MZ-Archiv/cs

Regensburg.Ein weiterer Schritt in der Diskussion um den geplanten Polderbau im südöstlichen Landkreis ist getan. Am Dienstag ist die Frist für die erste Stufe der Ausschreibung des Wasserwirtschaftsamts Regensburg abgelaufen, deren Ziel ein Modell ist, das mit modernsten Methoden die Grundwassersituation im südöstlichen Landkreis untersuchen und die Auswirkungen der geplanten Polder klären soll.

Dieses Grundwassermodell umfasst den Bereich östlich von Regensburg bis hinein in den Landkreis Straubing unterhalb der Staustufe Geisling. Es soll auch eine Vielzahl an Fragen beantworten, die Anwohner der Polderregionen zwischen Barbing und Wörth im Rahmen des Dialogverfahrens stellen. Eine zentraler Punkt ist dabei, ob der Ausbau der Donau in diesem Bereich zu einer Verschlechterung der Grundwassersituation geführt hat, bzw. ob es einen Zusammenhang zwischen dem Wasserstand in der Donau und dem Grundwasserspiegel in der Umgebung gibt.

„Ein Mega-Auftrag“

Schon die europaweite Ausschreibung des Auftrags nach einem mehrstufigen Modell ist sehr aufwendig, wie der Leiter des Wasserwirtschaftsamts, Josef Feuchtgruber, auf Anfrage der MZ sagte. „Es handelt sich um einen Mega-Auftrag.“ In der ersten Stufe konnten sich Ingenieurbüros aus ganz Europa für diesen Auftrag bewerben. Sie müssen dabei nachweisen, dass sie personell und von der Fachkenntnis her in der Lage sind, die gestellten Anforderungen zu erfüllen.

Das Wasserwirtschaftsamt hat nach Feuchtgrubers Angaben „mehrere Dutzend Bewerbungen“ erhalten, die nun nach genau festgelegten Kriterien bewertet würden. Die drei oder vier Büros mit den besten Ergebnissen sollen dann nach Regensburg zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. „Wichtig ist uns, dass dann auch die Leute dabei sind, die später die eigentliche Arbeit machen“, erklärte Feuchtgruber. Eine Jury würde aus diesen Endrundenbewerbern dann das Büro auswählen, das den Auftrag erhält.

Wie dieser Auftrag aussehen wird, stehe im Detail noch nicht fest, erklärte Feuchtgruber. Er geht davon aus, dass gerade die Anliegen der Anwohner erst in Absprache mit dem ausgewählten Büro geklärt werden. Seine Mitarbeiter hätten bei den verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen des Hochwasserdialogs eine Vielzahl an Fragen und Anmerkungen notiert. Mithilfe des Ingenieurbüros und des Hochwassermodells werde man sie alle beantworten.

Noch nicht fix ist der Zeitrahmen für die Erstellung des Modells. Die endgültige Wahl des Büros werde erst im Oktober stattfinden können, da das Wasserwirtschaftsamt bei der Ausschreibung Einspruchsfristen einhalten müsse, betonte Feuchtgruber. Das Berechnungsmodell als solches könnte bis zum Frühsommer 2016 zur Verfügung stehen. Offen sei aber, wie lange es dauert, die vielen Einzelfragen im Rahmen der Untersuchung zu klären. So sei es beispielsweise wahrscheinlich, dass weitere Messpegel notwendig werden. Feuchtgruber geht davon aus, dass dieses Grundwassermodell in den nächsten zehn Jahren immer wieder zur Klärung von Fragen eingesetzt werden müsse.

Baubeginn in fünf Jahren?

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt das bayerische Umweltministerium. Nach Angaben der Pressestelle des Ministeriums ist das Modell eine von mehreren Grundlagen für die Beurteilung der Grundwasserverhältnisse infolge des Flutpolderbaus. Es bilde unter anderem Topografie und Durchlässigkeit ab. Zur Erstellung eines belastbaren Grundwasser-Modells seien weitere Untergrunduntersuchungen und zusätzliche Grundwasser-Messstellen erforderlich. Die Details würden Teil des Auftrags an das ausgewählte Ingenieurbüro sein. Als „Beobachtungszeitraum bis zum Baubeginn“ geht das Umweltministerium von rund fünf Jahren aus.

Landrätin Tanja Schweiger hat im Zusammenhang mit der Ausschreibung des Grundwassermodells eine Reihe von Fragen an Umweltministerin Ulrike Scharf gerichtet. Da das Landratsamt keine Kenntnis von den technischen Anforderungen der aktuellen Ausschreibung zur Erstellung eines Grundwassermodells habe, will Schweiger wissen, ob das Umweltministerium beabsichtigt, ein öffentlich zugängliches Grundwasserinformationssystem zu schaffen, und ob dies Bestandteil der aktuellen Ausschreibung ist.

Schweiger verweist in ihrem Schreiben auf eine Empfehlung von Professor Andreas Malcherek, der im Auftrag des Landkreises ein eigenes Grundwasser-Datenmodell erstellt hat. Demnach sollte nochmals eine ordnungsgemäße Beweissicherung auf dem aktuellen Stand der Technik erfolgen. Mit dem erstellten Datenmodell seien ausbaubedingte Änderungen auch im Nachgang eindeutig zu identifizieren. Schweiger will deshalb wissen, ob das Umweltministerium eine ordnungsgemäße Beweissicherung auf dem aktuellen Stand der Technik zusagen kann. Eine Antwort auf das Schreiben der Landrätin steht bislang aus.

Das Landkreis-Modell

  • Auftrag:

    Für den Bereich der geplanten Flutpolder im südöstlichen Landkreis gibt es bereits ein ein Grundwasser-Datenmodell. Es ist das Ergebnis der Untersuchung von Professor Andreas Malcherek, der sich im Auftrag des Landkreises mit der Grundwassersituation in der Region befasst.

  • Ergebnis:

    Das Modell beweist nach Malchereks Angaben einen engen Zusammenhang zwischen dem Wasserstand in der Donau und dem Grundwasserspiegel in der Umgebung.

  • Widerspruch:

    Diese Erkenntnis steht in Gegensatz zu den bisherigen Aussagen der zuständigen Behörden, die betonen, dass der Grundwasserspiegel nur von Niederschlägen beeinflusst wird. In ihrem Schreiben an Umweltministerin Ulrike Scharf bittet Landrätin Tanja Schweiger darum, diesen Widerspruch aufzuklären.

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