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Politik

Steinbruch entzweit Gemeinde

Der Brennberger Gemeinderat hat sich auf Wiesents Seite geschlagen. Das brachte einige Bürger auf die Palme.
von Walter Schiessl

Die mit Kies beladenen Lastwägen bewegen sich permanent durch den Ort, egal, ob gerade gebaut wird oder nicht. Fotos: Beiderbeck
Die mit Kies beladenen Lastwägen bewegen sich permanent durch den Ort, egal, ob gerade gebaut wird oder nicht. Fotos: Beiderbeck

Brennberg.Ein Beschluss, den der Gemeinderat im Juni 2016 getroffen hat, sorgt jetzt, nach eieneinhalb Jahren für hitzigen Debatten im Burgdorf und in Frauenzell. Denn alle Räte machten sich bei der von Bürgermeisterin Irmgard Sauerer geleiteten Sitzung dafür stark, das Vorhaben des Mallersdorfer Bauunternehmers Robert Fahrner, im fürstlichen Forst bei Ettersdorf einen Steinbruch zu errichten, abzulehnen. „Das ist ein absoluter Quatsch“, wurde bei der Frauenzeller Bürgerversammlung der Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer mehrfach an den Kopf geworfen.

Bau bringt Erleichterungen

Sämtliche Brennberger Gemeinderäte hatten sich im Juni 2016 ganz auf die Seite der Wiesenter geschlagen, die sich mit Vehemenz gegen den Plan des niederbayerischen Unternehmers ausgesprochen hatten. Der sanfte Tourismus, auf den mehrere Gemeinden innerhalb der AG Vorwald setzen, wurde als „hohes Gut“ eingestuft. Im Sinne der Solidarität mit Wiesent sei der Erhalt des wertvollen Forstgebiets wichtig, hatte man in den Beschluss geschrieben und auch darauf verwiesen, dass ILE-Projekte, für die es Zuschüsse gebe, bald verwirklicht werden sollten. Das würde durch einen Steinbruch bei Wiesent vollends zunichte gemacht, argumentierten die Gemeinderäte.

Franz Lindinger ärgert sich über den Beschluss.
Franz Lindinger ärgert sich über den Beschluss.

Das brachte eine Reihe von Brennberger und Frauenzeller Bürgern auf die Palme. Vor allem Altbürgermeister Franz Lindinger ist stocksauer auf die Gemeinderäte, von denen keiner entlang der Kreisstraße, die von der Staatsstraße über Brennberg nach Frauenzell und weiter nach Wiesent führt, wohnt. „Die können sich leicht gegen das Wiesenter Projekt aussprechen“, sagt das ehemalige Gemeindeoberhaupt, das über 30 Jahre lang die Brennberger regierte, ehe er 2008 in den Ruhestand trat. Die Anwohner beispielsweise der Reimarstraße, zu denen auch die Familie Lindinger zählt, machten durch die schweren Kiestransporte, die sich von Roding aus über Brennberg nach Regensburg bewegen, viel mit, sagte Franz Lindinger im Gespräch mit dem Wörther Anzeiger der MZ. „Wir leiden unter der Gefährdung im Straßenverkehr, aber auch durch die Abgase und den Lärm, denen wir unter der Woche ausgeliefert sind“, sagt er weiter.

„Wir leiden unter der Gefährdung im Straßenverkehr, aber auch durch die Abgase und den Lärm, denen wir unter der Woche ausgeliefert sind.“

Altbürgermeister Franz Lindinger

„An Wiesent fahren die Lkw weit vorbei und in Brennberg geht es mittendurch“, ärgert sich der ehemalige Bürgermeister. Warum lasse die Gemeinde ihre Bürger im Regen stehen?, monierte Lindinger. Auch Josef Wartner will der Gemeinderatbeschluss nicht in den Kopf. Der 69-jährige Pensionist sagt, die Fahrten der 40-Tonner durch den Ort hätten in den letzten drei bis vier Jahren stark zugenommen, was die Lebensqualität in der Reimarstraße weiter vermindert habe. Er verspricht sich vom letzten Ausweg, der Schaffung eines Steinbruchs bei Ettersdorf, eine wesentliche Verbesserung für Brennberg.

Seinen Worten nach ist der Schwerlastverkehr zwischen Michelsneukirchen und dem Raum Regensburg, in dem derzeit etliche Baugebiete entstehen, längst unerträglich geworden. „Die Lkw-Fahrer biegen von der Staatsstraße ab und kurven eben über die Reimarstraße nach Frauenzell und von dort bei Wiesent auf die Autobahn zu ihren Bestimmungsorten“, sagte Wartner. Egal, ob die Lastwagen nach Barbing, Neutraubling oder Donaustauf müssten, alles kurve durch Brennberg, sagte der genervte Rentner.

„An Wiesent fahren die Lkw weit vorbei und in Brennberg geht es mittendurch.“

Altbürgermeister Franz Lindinger

Auch in Frauenzell gibt es wenig Verständnis für den Brennberger Beschluss. Der Landwirt Josef Zierer verspricht sich von der Verwirklichung des Fahrner-Projektes ebenfalls eine Verbesserung für Frauenzell. Die Lkws fahren dort zwar nicht direkt durch das Dorf, aber ein Einbiegen in die Kreisstraße ist nach wie vor äußerst gefährlich, sagte er. Sollten die Arbeiten bei Ettersdorf irgendwann beginnen, würde das für die Frauenzeller spürbare Erleichterungen geben, und natürlich auch für Brennberg selbst.

„Das Waldgebiet erhalten“

Bauunternehmer aus dem Raum Wörth schätzen, dass der Steinbruch bei Ettersdorf irgendwann kommen werde. „Die Regierung hat ja dem Vorhaben letztendlich zugestimmt“, sagen sie und verweisen darauf, dass früher oder später andere Vorkommen als die im Landkreis Cham gesucht werden müssen. Schließlich werde das Steinmaterial dort auch einmal zu Ende gehen.

Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer sagte gestern zur MZ, sie wisse, dass der Beschluss in ihrer Gemeinde auf ein unterschiedliches Echo gestoßen sei. Sie könne Stimmen aus ihrer Gemeinde, denen zufolge die Errichtung des Steinbruchs bei Wiesent eine Erleichterung für „ihren“ Ort bringen würde, durchaus verstehen. Aber sie verwies auch darauf, dass der Gemeinderat eben dafür sei, dass das große Waldgebiet in seiner jetzigen Form erhalten bleiben müsse. Man wisse auch nicht, wie sich die Verkehrszahlen weiter entwickeln würden, sagt sie. Schließlich müsse man annehmen, dass sich Lkw-Verkehr auch vom Steinbruch in Richtung Roding bewegen würde.

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