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Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Tarifstreit

Streik: Kampf um die Schülertransporte

Die roten Busse der RBO standen am Mittwoch meist still. Der Landkreis sorgte seit dem frühen Morgen fieberhaft für Ersatz.
von Michael Jaumann

Mit der Beteiligung am Warnstreik bei der RBO zeigte sich die Gewerkschaft EVG zufrieden. Foto. Jaumann
Mit der Beteiligung am Warnstreik bei der RBO zeigte sich die Gewerkschaft EVG zufrieden. Foto. Jaumann

Regensburg.Wenn man so will, ist das eine Win-win-Situation: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat es geschafft, im Arbeitskampf die roten Busse der Bahntochter Regionalbus Ostbayern (RBO) stundenlang lahmzulegen. Dem Regensburger Verkehrsverbund (RVV) ist es seinerseits gelungen, die Auswirkungen für den Landkreis zu begrenzen.

„Die Fahrten im Schülerverkehr konnten größtenteils sichergestellt werden“, zog RVV-Geschäftsführer Josef Weigl nach dem Ende des fünfstündigen Warnstreiks der „roten Busfahrer“ als Fazit. Dabei waren immerhin zwölf Linien im RVV betroffen.

Um vier Uhr ging es los

Von vier Uhr morgens an wurde am Mittwoch nicht nur der RBO-Betriebshof in der Regensburger Von-Donle-Straße bestreikt. Auch die Außenstellen der Niederlassung Regensburg im Raum Ostbayern waren zum Ausstand aufgerufen. „Seit 2 Uhr morgens hat kein Bus das Gelände verlassen“, berichtete ein Gewerkschafter am Morgen stolz und vermeldete für Regensburg ebenso eine „100-prozentige Streikbeteiligung“ wie bereits eine Woche zuvor beim Warnstreik in Amberg.

Lediglich in den Außenstellen seien vereinzelt Busfahrer der RBO zum Dienst erschienen, berichtete Streikleiter Harald Hammer von der EVG. Rund 50 Busse der RBO, so Hammer, wurden demnach am Morgen nicht bewegt. „Wir sind zufrieden“, sagte er, zumal sich auch Unorganisierte dem Streik angeschlossen hätten. Die Gewerkschafter werten dies als Zeichen für die großen Zukunftssorgen der RBO-Fahrer. „Ohne Überstunden könnten wir unsere Kinder nicht ernähren“, versicherte einer.

Bei der Bahn wollte man die Zahl von 50 Bussen nicht bestätigen. Von 39 Streikenden berichtete ein Sprecher der Deutschen Bahn in München. Immerhin zehn Fahrer hätten ihren Dienst angetreten. Gleichwohl sei es außer in der Stadt und im Landkreis Regensburg in Burglengenfeld, Straubing, Cham, Waldmünchen, SchwRBO-Streik trifft auch Landkreis Cham andorf, Riedenburg, Landshut und Langquaid zu Ausfällen gekommen.

Der Regensburger Verkehrsverbund hatte bereits am Vorabend des Warnstreiks Vorkehrungen getroffen, um die Auswirkungen abzufedern. Die schienen gravierend! Immerhin ist die RBO im Regionalverkehr, den die landkreiseigene Nahverkehrsgesellschaft GFN innerhalb des RVV verantwortet, größtes Partnerunternehmen.

14 Kooperationspartner sind im Auftrag der GFN für den Regensburger Verkehrsverbund unterwegs. Allein mit 25 Bussen fährt die RBO im Verkehrsverbund, so RVV-Geschäftsführer Weigl. Die RBO besitzt die Konzession für zahlreiche Linien, fährt aber auf diesen nicht alles selbst. Ein Teil der Fahrten auf den Linien wird von privaten Unternehmern bestritten.

Die RBO ist der größte Kooperationspartner im Regensburger Verkehrsverbund. Foto: Jaumann
Die RBO ist der größte Kooperationspartner im Regensburger Verkehrsverbund. Foto: Jaumann

Weil nicht klar war, welche Busfahrer streiken werden, konnte der RVV im Vorfeld nicht für einen Ersatzfahrplan sorgen. Weigl konnte lediglich seine privaten Unternehmer vom Warnstreik informieren und um größtmögliche Flexibilität bitten.

Im Einsatz gegen das Chaos

Als gegen halb fünf die RBO vier ausfallende Fahrten auf den Linien 14, 15 und 73 meldete, saß Weigl schon im Büro und nahm zusammen mit zwei Mitarbeitern den Kampf gegen das drohende Nahverkehrschaos auf. Die RVV-App wurde aktualisiert und private Busunternehmer um Hilfe gebeten.

Unternehmer Dechant übernahm spontan eine Fahrt auf der Linie 15. Kurz darauf meldete die RBO zwei Ausfälle auf der Linie 41 und je einen Ausfall auf der Linie 5 und 30. Schließlich wurde die Liste immer länger.

Zuletzt waren einzelne Fahrten auf elf Linien sowie alle Fahrten der Linie 78 betroffen. Bei der Linie 78 sprang die Firma Happacher ein, die Firma Sammüller sicherte zwei Schülerfahrten von Sinzing und Viehhausen in die Stadt, und Dechant übernahm noch eine Fahrt aus Richtung Wolfsegg. „Wir haben so gut improvisiert, wie es gegangen ist“, erklärte Weigl. Die Schülerfahrten im Regionalverkehr des RVV hätten damit weitgehend „gerettet“ werden können. Einzig aus Zeitlarn postete eine Schülerin an unser Medienhaus, dass sie mit anderen festgesessen sei.

Busfahrer leisteten eine wichtige Arbeit und hätten einen verantwortungsvollen Beruf, sagte Weigl auf Nachfrage zum Anliegen der „roten Busfahrer“. „Aber die Fahrgäste sind unsere Kunden und müssen befördert werden.“

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Der Regionalbusverkehr im RVV

  • Der Landkreis:

    Der Landkreis Regensburg übernimmt im Regensburger Verkehrsverbund den Regionalbusverkehr. 1983 hat der Landkreis diese Aufgabe einer eigenen Gesellschaft übertragen, der GFN. Die GFN bildet gemeinsam mit den Regensburger Verkehrsbetrieben den Verkehrsverbund.

  • Zahlen:

    Im Gegensatz zu den Regensburger Verkehrsbetrieben hat die GFN keine eigenen Fahrzeuge im Nahverkehr. Unter ihrem Dach sind 14 Kooperationspartner vereint, die mit insgesamt 24 Unternehmen täglich etwa 10 000 Schüler befördern. Rund 280 Busse und 750 Busfahrer sind im Regionalverkehr im Einsatz.

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