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Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Energie

Strom soll unter der Donau fließen

Fluss-Querung im Kreis Regensburg ist eine Herausforderung. Nirgendwo muss man die Kabel für den Südostlink tiefer verlegen.
Von Wolfgang Ziegler

Die Probebohrung erreicht heute eine Tiefe von 30 Metern. Fotos: Ziegler
Die Probebohrung erreicht heute eine Tiefe von 30 Metern. Fotos: Ziegler

Barbing.Ein großer Bohrturm erledigt die Kleinarbeit. Er steht wenige hundert Meter hinter Auburg in der Gemeinde Barbing auf einem Feldweg. Und er zieht Bodenproben. Ob es sich um sandigen Lehm oder lehmigen Sand, um Granit oder andere Gesteinsformationen handelt, die die Bohrkerne enthalten, werden später Spezialisten feststellen. Von ihnen – und letztlich der Bundesnetzagentur – hängt ab, wo der führende europäische Netzbetreiber Tennet die Donau unterquert. Er baut derzeit den sogenannten SüdOstLink, jene knapp 600 Kilometer lange „Stromautobahn“, die Wolmirstedt bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt mit dem Endpunkt am Kraftwerk Isar bei Landshut verbindet.

Der zweitgrößte Fluss Europas stellt für die Trassen-Planer von Tennet dabei eine besondere Herausforderung dar, wie Matthias Herold, der seitens des Netzbetreibers die Untersuchungen leitet, gegenüber unserem Medienhaus erklärte. „Die Donau ist ein Nadelöhr auf unserem Weg in den Süden“, sagte er. Hier habe man die breiteste Flussquerung mit der größten Tiefe zu bewältigen. Regen und Naab, die man mit den Erdkabeln ebenfalls überwinden müsse, seien nicht vergleichbar.

Wegen der Komplexität führe man die Probebohrungen, die mit der Einrichtung von Grundwassermessstellen einhergehen, an vier potentiellen Querungen durch, die nach Voruntersuchungen übriggeblieben seien. Dort – in Hofdorf bei Aholfing, in Pfatter bei der Staustufe, in Auburg und Wiesent nahe der Mero-Fernleitung und in Donaustauf nahe der Walhalla – werde nun völlig ergebnisoffen die Bodenbeschaffenheit untersucht und in der Folge festgelegt, welche Bautechnik jeweils zum Einsatz kommen könnte.

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Umweltschutz spielt große Rolle

Nach den Worten von Carolin Kürth, Tennet-Referentin für Bürgerbeteiligung, sollten bis Ende Mai alle vier Bohrungen abgeschlossen sein. Aufgrund der dadurch ermittelten Daten werde der SüdOstLink-Betreiber dann der Bundesnetzagentur in der zweiten Jahreshälfte einen Querungsvorschlag mit allen Bewertungen unterbreiten. Die Bonner Bundesbehörde habe das letzte Wort – im Zusammenspiel mit betroffenen Kommunen und Bürgern. Denn wenn die Entscheidung gefallen sei, folge die formelle öffentliche Beteiligung, ähnlich wie bei einem Raumordnungsverfahren.

„Wenn wir einen seltenen Vogel sehen, stellen wir die Bohrung ein.“

Matthias Herold, Untersuchungsleiter

Als mögliche ausschlaggebende Faktoren für einen Standort der Querung nennt Bohrungsleiter Herold unter anderem den Umweltschutz. So seien schützenswerte Naturräume bei der Suche nach denkbaren Erdkabelkorridoren frühzeitig berücksichtigt worden. Wenn bei den Probebohrungen dennoch seltene Vögel oder gar bedrohte Tier- und Pflanzenarten in der angedachten Trasse entdeckt würden, müsste man die Arbeiten sofort einstellen. Auch die technische Machbarkeit bzw. die Verfahrensmöglichkeit spiele nach seinen Worten eine Rolle. Eine sogenannte Spülbohrung, bei der das Bohrloch nur einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern habe, sei beispielsweise deutlich kostengünstiger, als wenn man unter der Donau hindurch einen Mikrotunnel graben müsse.

Bodentemperatur im Blick

Wie Referentin Carolin Kürth in diesem Zusammenhang betont, nehme Tennet beim Ausbau das Bundesnaturschutzgesetz und das Bundesbodenschutzgesetz sehr ernst. Da Erdkabelbaustellen einen temporären Eingriff in den Boden darstellten, würden auch für die ausführenden Baufirmen strenge Vorschriften gelten. Über eine naturschutzfachliche, bodenkundliche und archäologische Baubegleitung stelle der Netzbetreiber sicher, dass alle Vorgaben eingehalten und die Bodenarbeiten minimiert würden.

Und auch später würde das SüdOstLink-Unternehmen nach den Worten der Referentin auf die Böden achten. „Die Erdkabelleitung ist so gebaut, dass die Zunahme der Bodentemperatur an der Erdoberfläche unter allen Betriebsbedingungen gleich bleibt“, sagt sie. Dennoch räumt sie ein, dass der Kabelmantel, also die Außenhaut des Kabels, in der Betriebsphase bis zu 40 Grad Celsius warm werden könne. Der Boden könne sich dadurch bis zu 30 Zentimeter unter der Erde bei voller Auslastung zwischen 1,5 und zwei Grad erwärmen. Tennet setze aber ein Temperatur-Monotoring-System ein, um über Hotspots entlang der Trasse die tatsächliche Temperatur des Erdkabels permanent zu überwachen.

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Unsere Grafik zeigt Tennets Vorschlag für den Südost-Link:

Die Bodenuntersuchung

  • Probebohrung:

    Bei Auburg erreicht die Bodenuntersuchung eine Tiefe von 30 Metern.

  • Erste Schritte:

    Am Montag wurde die Bohrstelle eingerichtet und bis zu 8,8 Metern gebohrt. Gestern ging man auf 23 Meter.

  • Messstelle:

    Heute erreicht man 30 Meter Tiefe. Zugleich wird die Grundwassermessstelle eingerichtet.

  • Lagerung:

    Die Bohrkerne werden in Spezialkisten bei einem Landwirt in der Nähe der Bohrung zwischengelagert.

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