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Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Energie

Stromtrasse: Bürger machen sich Sorgen

Die TenneT-Pläne für einen möglichen SüdOstLink im Himmeltal und in Buchberg stoßen auf wenig Gegenliebe.
von Resi Beiderbeck

  • Ein wertvoller Naturschatz ist das Himmeltal. Hier wachsen seltene Pflanzen wie Thymian, Habichtskraut und Mauerpfeffer. Foto: Beiderbeck
  • Roswitha und Gerhard Laumer sind aufgrund der möglichen Stromtrasse verunsichert. Für die Genehmigung ihres Vorhabens kämpften sie lange. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Viele Bürger machen sich Sorgen seit bekannt ist, dass TenneT das Gemeindegebiet im Hinblick auf Trassenkorridorsegmente für den SüdOstLink im Fokus hat. Sowohl die „Himmeltal-Route“ als auch die Strecke entlang der bestehenden 380-kV Leitung über Bruckbach, Loidsberg und Buchberg will die Gemeinde vor der Mega-Stromtrasse schützen. Beide Trassen bieten Naturschätze von höchster Qualität, und hier wie dort warten Anlieger bange auf die Neuigkeiten, die TenneT heute zur Kenntnis geben wird.

Das Gelände rund um den Laumerhof in Buchberg ist die pure Idylle. Wald, Wiese, Weiher und jede Menge Tiere gibt es hier. Ein imposantes Naturstammhaus beherbergt zwei Ferienwohnungen. Darin urlauben Besucher, die bis aus den USA anreisen. Würde alles so laufen, wie geplant, entstünden hier bereits noch mehr Naturstammbauwerke. Eine Familienferienanlage mit Gastronomie, Gästehaus und drei Chalets möchten die Laumers errichten.

Die Verunsicherung ist groß

Symbol für die aktuellen Sorgen ist der Strommast östlich vom Hof, Teil einer 380 kV Leitung, die TenneT als mögliche Trasse für die „Stromautobahn“ prüft. Sollte hier auf 40 Metern Breite die Landschaft zerstört werden, wäre das Zukunftsprojekt der Laumers ernsthaft gefährdet. Eigentlich hätten sie längst die dafür vorgesehenen 500 Bäume gefällt und mit dem Bau begonnen, der Arbeitsplätze und Wertschöpfung für die Region bringen soll.

„Unsere Verunsicherung ist groß“, sagt Roswitha Laumer. Noch zögert die Familie, ihr Vorhaben zu starten, für dessen Genehmigung sie jahrelang kämpfte. „Das Gelände ist FFH-Gebiet, aber eine Mega-Stromtrasse soll hier erlaubt sein?“, wundert sich Gerhard Laumer.

Anke Dorn aus Aspach genießt ihren Urlaub auf dem Laumer-Hof. Daheim beobachte sie das Desaster „Stuttgart21“ täglich mit eigenen Augen und beim SüdOstLink befürchtet sie ein noch viel größeres Drama. „Des is doch a Schmarrn“, findet sie und plädiert dafür, die einmalig schöne Landschaft unbedingt zu schützen. Dass für die Energieversorgung des Südens eine Mega-Trasse notwendig sein soll, will sie nicht gelten lassen. Sie teilt vielmehr die Ansicht etlicher Experten, die dafür plädieren, stattdessen auf intelligente Stromnetze, Energieeinsparung und Ausbau der erneuerbaren Energien zu setzen.

Familie Laumer macht das bereits. Auf den Dächern ihres Anwesens arbeitet eine 30 kW PV-Anlage. Sorgen macht man sich nicht nur in Buchberg, sondern auch im Himmeltal. Dort bangt man um die einzigartige Kulturlandschaft, die der klein strukturierte Raum zwischen Frauenzell und Altenthann – die „Kulturachse Ost“ – darstellt.

Den Naturschatz schützen

Von Trockenstandorten bis zum anstehenden Fels reicht der kaum vorstellbare Reichtum an Lebensräumen. Feuchte und nasse Standorte wechseln sich auf engstem Raum ab. Quellen, Quellbäche, Moore, Tümpel, Weiher, Feucht- und Nasswiesen, Trockenrasen, extensiv bewirtschaftete Wiesen und gemischte Wälder mit seltenen Baumarten wie Bergulme, Wildbirne und Uraltbäumen bereichern das Spektrum.

„Diesen Naturschatz müssen wir unbedingt davor schützen, durch eine unterirdische Stromtrasse zerstört zu werden“, fordert Vizebürgermeister Franz Löffl mit Nachdruck. Eine Mega-Trasse quer durch das Himmeltal ist für ihn ein ungeheuerlicher Plan, der verhindert werden muss. Der skizzierte Korridor tangiert die Wasserversorgung der Gemeinde, die in letzter Zeit mit großem Kapitaleinsatz ertüchtigt wurde. „Wir lehnen deshalb eine Trassenführung über das Himmeltal kategorisch ab“, ist sich der Gemeinderat einig.

Am heutigen Mittwoch kommt also nun das „mobile Bürgerbüro“ nach Brennberg, um neue Erkenntnisse zur Stromtrassenplanung zu verkünden. TenneT-Bürgerreferentin Carolin Kürth hatte eigentlich zunächst geplant, die Gemeindechefin vorab zu informieren und bereits für 15 Uhr um einen Termin mit ihr gebeten. Aber Bürgermeisterin Irmgard Sauerer lehnt diese Exklusiv-Info ab. „Ich möchte bitte zusammen mit der Bevölkerung informiert werden und komme deshalb wie alle anderen Leute auch um 16 Uhr zum Info-Mobil.“

Zur Stromtrasse hat die Bürgermeisterin eine klare Meinung. „Ich hoffe, dass dieses wahnsinnige Vorhaben, das mit einer dreistelligen Milliardensumme dotiert ist, nie realisiert wird“, erklärt Sauerer.

Das mobile TenneT-Bürgerbüro kommt

  • Planung:

    Seit Beginn des formellen Genehmigungsverfahrens im März 2017 ist die Planung zu SuedOstLink weiter vorangeschritten. Im Herbst 2017 hat die Bundesnetzagentur im sogenannten Untersuchungsrahmen zusätzliche Korridoralternativen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung aufgegriffen und TenneT zur Prüfung gegeben. Die Ergebnisse dieser Grobprüfung liegen nun vor.

  • Termin:

    Darüber wird die Bevölkerung heute, Mittwoch, 13. Juni, von 16 bis 19 Uhr am Parkplatz der Raiffeisenbank informiert. Man wird auch Details über die nächsten Beteiligungsmöglichkeiten erfahren. Aus dem vorgestellten Ergebnis ergibt sich das Korridornetz für SuedOstLink, das TenneT in den weiteren Planungen detailliert und verbindlich untersuchen muss. (lbi)

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