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Dienstag, 22. Mai 2018 27° 3

Gericht

Tödlicher Unfall vor Gericht

Eine Autofahrerin hatte in Regenstauf einen Motorradfahrer übersehen. Gegen den Strafbefehl hat sie Einspruch eingelegt.
Von Marion von Boeselager

90 Tagessätze bedeuten noch keinen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis. Foto: dpa

Regenstauf.Ein tragischer Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen ereignete sich im April 2017 in Regenstauf: Eine aus Richtung Steinsberg kommende Autofahrerin (28) bog nach links in Richtung McDonalds im Gewerbegebiet ab. Dabei übersah sie einen Motorradfahrer, der mit überhöhter Geschwindigkeit entgegenkam. Es kam zur Kollision, bei der der Kawasaki-Lenker voll gegen die Motorhaube prallte.

Den Rettungskräften bot sich an der Unfallstelle ein Bild des Schreckens: „Beide Fahrzeuge befanden sich im Vollbrand“, berichtete eine Polizeibeamtin. „Sie brannten komplett aus.“ Das Motorrad habe „richtig in der Motorhaube gesteckt.“ Der Zustand des Kawasaki-Fahrers erschien zunächst stabil. Doch er erlag fast zwei Wochen später im Uniklinikum den Folgen seiner schweren inneren Verletzungen an Kopf und Körper.

Autofahrerin hatte Strafbefehl eingelegt

Am Mittwoch stand die Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht. Sie hatte gegen ihren Strafbefehl über 90 Tagessätze Einspruch eingelegt.

Auf Frage von Richterin Ursula Schimke-Kinskofer nach dem Ziel des Einspruchs erklärte ihr Anwalt Christian Hopfner: „Eine Einstellung des Verfahrens“. Schließlich sei auch der Motorradfahrer nicht korrekt, sondern zu schnell gefahren. Es sei fraglich, ob der Unfall so schlimme Folgen gehabt hätte, wäre der Mann, statt Tempo 70 bis 82 nur 60 Stundenkilometer gefahren, wie vorgeschrieben.

„Zu einer Einstellung führt hier kein Weg.“

Richterin Ursula Schimke-Kinskofer

Die Richterin stellte jedoch von Anfang an klar, all dies sei bereits zugunsten der Angeklagten in den Strafbefehl eingeflossen. Die Hauptschuld liege bei der Linksabbiegerin, die das entgegen kommende Fahrzeuge übersehen habe. „Zu einer Einstellung führt hier kein Weg.“ 90 Tagessätze, gab Schimke-Kinskofer zu bedenken, bedeuteten zudem noch keinen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis.

Einer der Augenzeugen am Unfallort sagte, die Autofahrerin habe dazu angesetzt, die Kurve zu schneiden. Daraufhin sei der Motorradfahrer ungebremst in den Wagen hineingefahren und über diesen regelrecht „katapultiert“ worden. Die Autofahrerin stand danach unter Schock.

Zusammenprall wäre vermeidbar gewesen

Laut Kfz-Sachverständigen wäre der Zusammenprall für beide Beteiligte bei korrektem Fahrverhalten vermeidbar gewesen. Der Rechtsmediziner bestätigte einen „kausalen Zusammenhang“ zwischen dem Unfall und dem Tod des Zweiradfahrers, auch wenn dieser erst zwei Wochen später eingetreten sei.

Nach diesen umfassenden Ausführungen zog die Unfallfahrerin über ihren Anwalt ihren Einspruch zurück.

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