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Gericht

Totes Baby: Mutter leugnet Tat

36-Jährige aus Zeitlarn beteuert, sie habe ihr Neugeborenes nicht getötet. Es sei von allein gestorben, während sie schlief.
Von Marion von Boeselager

Die Angeklagte gab an, sie habe geschlafen als die kleine Esmeralda starb. Foto: Marion von Boeselager
Die Angeklagte gab an, sie habe geschlafen als die kleine Esmeralda starb. Foto: Marion von Boeselager

Regensburg.Die wegen Totschlags an ihrem neugeborenen Babys angeklagte Mutter hat zum Prozessauftakt am Montag vor dem Regensburger Schwurgericht die Vorwürfe der Anklage bestritten. Die gelernte Einzelhandelskauffrau (36) aus Zeitlarn erklärte über ihren Verteidiger Mathias Klose, das kleine Mädchen „Esmeralda“ habe nach der Hausgeburt, bei der die Frau allein war, noch etwa zwei Tage gelebt und sei dann an Silvester eines natürlichen Todes gestorben.

Die Staatsanwaltschaft legt der 36-Jährigen zur Last, ihre kleine Tochter am Nachmittag des 28. Dezember 2016 zur Welt gebracht zu haben. Das Mädchen sei lebensfähig gewesen. „In der Absicht, das Kind zu töten“, soll die Frau jedoch unmittelbar nach der Geburt das Mädchen in Tücher und eine Plastiktüte gehüllt haben. Dann legte sie das Baby in einen Plastikkoffer und verpackte diesen wiederum in einen Plastiksack. Anschließend legte sie das Paket mit dem Kind auf einen zur Wohnung gehörenden, wohl ungeheizten Speicherboden, so die Vorwürfe. Das Baby soll infolge Stauerstoffmangels und/oder Unterkühlung gestorben sein.

Die Angeklagte sei von der Geburt überrascht worden

Die 36-Jährige, die damals in der Dachgeschoss-Wohnung mit ihrem Lebensgefährten zusammen lebte, will während dessen Abwesenheit von der Geburt überrascht worden sein. Angeblich hatte sie nichts davon gewusst. In der vom Verteidiger verlesenen Erklärung der Angeklagten heißt es, die kleine Esmeralda sei am 29. Dezember um 10 Uhr im Bett zur Welt gekommen. Die Angeklagte will danach „unter Schmerzen“ die Nabelschnur, die zwei Mal um den Hals des Babys gewickelt gewesen sei, mit Wäscheklammern abgeklemmt und mit einer Schere durchtrennt haben. Später habe sie das Baby gewaschen, in ein Handtuch gewickelt und es sich im Bett auf die Brust gelegt.

„Aus meiner Sicht war mit Esmeralda alles in Ordnung. Sie schrie und strampelte und trank auch an meiner Brust.“

Aus der Erklärung der Angeklagten

„Aus meiner Sicht war mit Esmeralda alles in Ordnung. Sie schrie und strampelte und trank auch an meiner Brust“, so die Erklärung weiter. Sie selbst habe in den Tagen nur etwas getrunken, aber nichts gegessen und nicht geraucht. Wenn sie das Bett verlassen habe, habe sie das Kind stets mit Kissen links und rechts abgestützt.

„Keine Erinnerung mehr“

„An Silvester bin ich eingeschlafen. Esmeralda lag in Bauchlage auf meiner Brust“, so die Angeklagte weiter. „Als ich aufwachte, war sie eiskalt und hatte blaue Lippen.“ Die 36-Jährige will da mit Wiederbelebungsmaßnahmen wie Herzmassage begonnen haben. Was danach geschah, daran habe sie keine Erinnerung mehr, beteuerte sie über ihren Anwalt.

„An Silvester bin ich eingeschlafen. Esmeralda lag in Bauchlage auf meiner Brust. Als ich aufwachte, war sie eiskalt und hatte blaue Lippen.“

Die Angeklagte

Die Erklärung umfasst auch schwere Vorwürfe an die Polizei. Danach sei die Angeklagte bei ihrer ersten Vernehmung durch die Kripo „nicht ordnungsgemäß und unverzüglich über ihren Beschuldigtenstatus belehrt“ worden. Der vernehmende Kommissar habe der gesundheitlich schwer angeschlagenen Frau zudem bei einer weiteren Vernehmung gesagt: „Sie brauchen keinen Anwalt“. Er habe viele Antworten vorformuliert.

Der Beamte versicherte jedoch im Zeugenstand, die Belehrung sei unverzüglich erfolgt. Er habe nur vergessen, diese zu dokumentieren. Auch habe er der 36-Jährigen erklärt, dass sie „zu jeder Zeit“ einen Anwalt hinzuziehen könne.

Der Lebensgefährte (40) der Angeklagten hatte zur Jahreswende einige Tage bei seiner Tochter aus einer früheren Beziehung verbracht. Bei seiner Rückkehr am 2. Januar fand er die Wohnung blutbesudelt vor. „Alles war voll Blut. Ich habe eine Stunde gebraucht, um sauber zu machen“, berichtete er vor Gericht. Dann setzte er seine Freundin erstmal in die Badewanne, holte was zu Essen und brachte sie zu Bett. Sie erzählte ihm, ein Tumor in ihrem Bauch sei aufgegangen. Sie sei als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert worden. Danach ging auch er zu Bett.

Der Lebensgefährte verständigte die Polizei

Doch in der Nacht kam der 40-Jährige nicht zur Ruhe. Denn er hatte schon länger den Verdacht, dass seine Freundin schwanger war: Seit Monaten wurde sie immer dicker. Darauf angesprochen, verneinte sie dies jedoch. Selbst als ihr Partner kurz vor seiner Abreise auf einem Schwangerschaftstest bestand, der positiv war, soll sie gesagt haben: „Diese Tests stimmen oft nicht.“ Der Gedanke an eine Geburt in der Wohnung ließ den Mann nicht los. Daher rief er am nächsten Morgen die Klinik an, in der seine Freundin angeblich behandelt wurde. Dort wusste man nichts von so einem Fall. Da schaltete der Mann die Polizei ein.

Er habe nie Kinder gewollt, sagte er vor Gericht. Er habe auch seiner Partnerin stets vermittelt, dass er nicht sicher sei, ob er bei ihr bleiben werde. „Jetzt habe ich Schuldgefühle.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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