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Montag, 18. Juni 2018 26° 3

Verkehr

Unfall bei Wörth sorgt für Chaos

14 Personen wurden bei einer Unfallserie verletzt, drei davon schwer. Unter den Verletzten sind auch Feuerwehrleute.
Von Michael Sperger, Simone Grebler und Heike Haala

Wörth.Insgesamt 14 Verletzte, einer davon in Lebensgefahr, zwei davon schwer verletzt und ein Sachschaden von 40 000 Euro: Das ist die Bilanz von insgesamt drei Unfällen, die sich am frühen Freitagmorgen auf der Autobahn bei Wörth ereigneten. Zeitweise war die A3 in beiden Fahrtrichtungen voll gesperrt, was den Verkehr auf dem Abschnitt quer durch den Gäuboden lahmlegte. Weiterhin blieben die Rettungskräfte auf der Autobahn stecken, weil die Fahrer im Stau keine Rettungsgasse bildeten. Das trieb die Rettungskräfte zur Verzweiflung.

Was ist passiert? Um 5.36 Uhr fuhr ein PKW-Fahrer in Richtung Passau gegen einen Kieslaster. Der Fahrer eines Sattelzugs wollte dem Unfall laut Polizei ausweichen und übersah dabei einen Sprinter. Dieser Fahrer prallte gegen den Sattelzug und wurde eingeklemmt. Zu allem Übel blieb die Feuerwehr im Verkehr stecken, weil die Autofahrer keine Rettungsgasse bildeten. In der Not eilte die Freiwillige Feuerwehr Pfatter auf der entgegengesetzten Fahrbahn zur Hilfe. Die Ehrenamtlichen wollten das schwere Gerät für die Befreiung des Eingeklemmten über die Mittelleitplanke an den Unfallort bringen. Dabei wurden sie selbst verletzt. Denn ein weiterer Sprinter fuhr aus bisher ungeklärter Ursache auf den Einsatzwagen auf.

Unfälle auf der A3: Massive Probleme mit der Rettu

Eine Wand aus 40-Tonnern

Schließlich transportierte ein Hubschrauber den lebensgefährlich verletzten Sprinter-Fahrer ab. Zwei Schwerverletzte, ein mittelschwer Verletzter und zehn Leichtverletzte kamen ebenfalls in Krankenhäuser. Unter den Leichtverletzten befanden sich auch drei Ehrenamtliche der Feuerwehr aus Pfatter.

Unfallserie auf der A3

Die Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr sind nach dem Einsatz außer sich vor Wut. Sowohl Johann Datzer von der Verkehrspolizei als auch Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer eilten in PKWs zum Einsatzort. Aber es gab kein Durchkommen für sie, erst recht nicht für die größeren Autos der Rettungsdienste. „Ich stand vor einer Wand aus drei 40-Tonnern“, sagt Datzer auf Nachfrage unserer Zeitung. Weder Martinshorn noch Blaulicht brachten die Fahrer dazu, eine Rettungsgasse zu bilden. Darüber klagte auch Kreisbrandrat Scheuerer. Datzer wechselte in seiner Not mehrfach vom Standstreifen auf Abschnitte mit funktionierender Rettungsgasse und wieder zurück. Er musste den Fahrern erklären, wie sie sich verhalten sollen. Den Lautsprecher des Einsatzwagens schaltete er dazu nicht extra ein. „Den habe ich nicht benötigt“, sagt der Polizist. In seiner Wut schaffte er es, die Informationen ohne Verstärker an den Mann zu bringen.

Kreisbrandrat Scheuerer klagt über LKW-Fahrer, die im Stau auf dem Standstreifen geparkt hätten, um Ruhezeiten zu nehmen. Dieser Platz auf dem Standstreifen war es Scheuerers Ansicht nach, der schließlich zum Bilden einer funktionierenden Rettungsgasse fehlte. „Ich bin seit 20 Jahren im Einsatz, aber so etwas wie heute habe ich noch nicht erlebt“, sagt er im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Seine Einsatzkräfte waren verzweifelt. „Bei diesen Einsätzen geht es um Minuten“, sagt Scheuerer.

So funktioniert eine Rettungsgasse

Truppe „bedingt einsatzfähig“

Hart sind die Folgen dieses Unfalls auch für die Freiwillige Feuerwehr Pfatter. „Wir stehen alle unter Schock“, sagt Gerald Lugauer, Kommandant der FFW Pfatter. Er ist heilfroh, dass den drei leicht verletzten Mitgliedern seiner Truppe nicht mehr passiert ist.

Ein herber Schlag für die Feuerwehr ist auch der beschädigte Einsatzwagen. Er musste mit einem schweren Heckschaden von der Autobahn abgeschleppt werden. Das Fahrzeug ist eines von vieren der Stützpunktfeuerwehr. Jetzt muss ein Gutachter klären, ob das Auto repariert werden kann oder ob ein neues Feuerwehrfahrzeug angeschafft werden muss.

Kommandant Lugauer hofft, dass ein Hersteller ein Fahrzeug übrig hat, das den Einsatzwagen übergangsweise ersetzen kann. Sollte das Feuerwehrauto neu angeschafft werden müssen, könne das nämlich bis zu zwei Jahre dauern. Dieser Auftrag muss europaweit ausgeschrieben werden. Ob Reparatur, Übergangswagen oder neuer Wagen – solange es keine Lösung für den Einsatzwagen gibt, ist die Pfatterer Feuerwehr laut Lugauer lediglich „bedingt einsatzfähig“. Da die Pfatterer eine Stützpunkt-Feuerwehr sind, könne es nun notwendig werden, die Alarmstruktur umzustellen, sagt Kreisbrandrat Scheuerer.

Gegen 12 Uhr hob die Polizei die letzte Sperrung auf, der Stau löste sich auf. Nachdem sich die Unfälle aber bereits am frühen Morgen ereignet hatten, waren einige LKW-Fahrer, die im Stau standen, eingeschlafen. Die Verkehrspolizei sah sich deswegen gezwungen, eine so genannte „Aufweckstreife“ auf den Weg zu schicken.

Weitere Polizeimeldungen aus Regensburg lesen Sie hier.

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