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Mittwoch, 26. September 2018 15° 1

Polizei

Vandale wütet im Bienenhaus

Ein unbekannter Täter schlug die Fensterscheiben ein. Dem Beratzhausener Imker Josef Achhammer erfroren deshalb elf Völker.
von Helmut Pomplun

Schlimm sieht es im Bienenhaus aus, in dem Vandalen gewütet hatten. Elf Bienenvölker sind deswegen erfroren. Fotos: Pomplun
Schlimm sieht es im Bienenhaus aus, in dem Vandalen gewütet hatten. Elf Bienenvölker sind deswegen erfroren. Fotos: Pomplun

Beratzhausen. Noch „keinerlei Ermittlungs-Ansätze“ hat die Polizeidirektion Nittendorf zum Fall der böswilligen Zerstörungen von Bienenständen im Markt Beratzhausen. „Wir sind deshalb auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, erklärte Polizeihauptkommissar Martin Fink am gestrigen Sonntag auf Anfrage der MZ.

„Das ist ja schon mehrere Tage her und es gab auch keine Spuren im Schnee“, sagte der Beamte. Die Tatzeit schwebe im Ungewissen zwischen Mittwoch, 7., und Freitag, 16. Februar, als gegen 14.30 Uhr die Polizeidirektion informiert worden sei. In dem Zeitraum „gingen unbekannte Täter ein Bienenhaus in der Flur von Beratzhausen an“, hieß es wörtlich im Polizei-Bericht. Der Tatort liegt etwa einen Kilometer westlich des Ortsteils Oberndorf im Wald an der Straße nach Rufenried. Konkret handelt es sich um ein historisches Bienenhaus in Kombination mit einem Freistand. Es ist einer von acht Bienenstandorten der Beratzhausener Imker-Familie Achhammer.

Die Tiere sind erfroren

„Als wir am Freitag vorbeigefahren sind, konnten wird durch die kahlen Bäume das schräg hängende Dach sehen“, erinnerte sich Gertrud Achhammer gestern beim Besuch der MZ. „Das könnte der Wind gewesen sein“, vermutete ihr Mann Josef und lenkte das Auto auf den Feldweg Richtung Wald. Doch was das Paar dann sehen musste, war grässlich: Sechs Bienenbeuten des Freistandes umgestürzt, Deckel aufgesprungen, Waben rausgekippt – und allüberall tote Bienen. „Natürlich erfroren bei den Temperaturen“, kommentierte Imker Achhammer.

Die gleichen Scheußlichkeiten dann in der Hütte, deren sämtliche Fenster ringsum zertrümmert und Anflugbretter abgerissen waren. Von den 22 Beuten in der Hütte fünf zerstört, in den Trümmern und auf dem Fußboden zigtausende Bienenleichen.

Wenn man auf die harmonisch proportionierte Holzhütte im lichten Buchenwald zugeht, gibt das auf Distanz eigentlich noch ein schönes Bild. „Das war mal ein Ferienhaus“, sagt Josef Achhammer und nennt einen fernen Standort. Er hatte es gekauft, in viele Teile zerlegt, hier wieder zusammengebaut und dem neuen Zweck entsprechend verändert: weitere Fenster und rumdum Flugschneisen für die fleißigen Insekten.

Bienen wurden getötet

Nicht vom Vater geerbt, aber vom Großvater

Schon seit 1977 hatte sich der damalige Postbeamte für die Immen interessiert; „im 42. Jahr“, sagt er mit einem etwas schmerzlichen Lächeln. In zwei Monaten wird er 70. Von seinem Vater habe er’s nicht geerbt: „Aber mein Großvater hatte Bienen. Der ist zwar schon 1918 gestorben – an späten Kriegsfolgen. Aber man hat es wohl im Blut.“ Keiner seiner drei Söhne will ihm in dieser Leidenschaft folgen. Er hofft nun auf die Enkel, ebenfalls drei.

Die Waben wurden zerstört.
Die Waben wurden zerstört.

Dass ihm nun derartige Gewalttaten zu schaffen machen, kann Josef Achhammer natürlich kaum verbergen. Wer könnte denn, um Himmelswillen, sowas tun und warum? „Neid oder jugendlicher Leichtsinn“, sagte der Imker. Jedenfalls sei ihm derartiges in 42 Jahren noch nicht passiert, wohl aber Diebstahl, „Wabenklau“, sagt er und berichtet von 1989 und besonders 1993 („dem besten Honigjahr überhaupt“). Er sei damals noch bei der Post gewesen, die Buben als Messdiener in der Kirche; da habe man ihm aus einem Stand zwischen Pfraundorf und Buxlohe – offenbar am helllichten Tag – prall volle Waben durch leere ersetzt! Und dann abermals Sommer 1999, „mitten in der Blütenpracht“. Was den alten Mann offenbar immer noch umtreibt. Denn die Diebe hätten nicht nur Fachwissen bewiesen, sondern auch genaue Kenntnis seiner persönlichen Gewohnheiten offenbart.

„Das ist kein Einzelfall!“

Obwohl in Beratzhausen ansässig, gehört Achhammer zum mitgliederstarken Imkerverein Hemau. Dessen gerade erst seit Januar neu amtierender Vorsitzender Sebastian Gradl wusste auf Anfrage: „Es passiert durchaus öfter, dass irgendwelche Leute nachts am Stand rumhängen und was anstellen, das ist kein Einzelfall.“ Viel häufiger aber würden Bienen gestohlen, gleich komplette Beuten. Da gebe es auch unter Imkern selbst schwarze Schafe. Dieser Gewaltakt aber sei für ihn „schwer nachzuvollziehen. Ich hab das selbst gesehen – und war entsetzt“.

Dem Beratzhausener Imker entstand neben dem immateriellen Schaden ein tatsächlicher Sachschaden in Höhe von circa 4.500 Euro, schätzt die Polizei und bittet eindringlich „um sachdienliche Hinweise zur Klärung des Falls“.

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