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Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Handy

Viele Klagen über dünnes Mobilnetz

Der Landkreis ist Funklöchern auf der Spur. Besonders häufig bricht die Verbindung wohl auf den Autobahnen bei Pentling ab.
Von Michael Jaumann

Das Funknetz ist in Stadt und Land nicht überall top. Über 1100 Meldungen über schwache Verbindung gingen im Landratsamt ein. Foto: Jaumann
Das Funknetz ist in Stadt und Land nicht überall top. Über 1100 Meldungen über schwache Verbindung gingen im Landratsamt ein. Foto: Jaumann

Regensburg.Dunkelblau eingefärbt zeigt sich die Funkzelle nördlich von Pentling jetzt auf einer Grafik mit Funklöchern, die das Landratsamt mit Hilfe von Bürgern angelegt hat. Blau und lila bedeutet: Hier gingen viele Klagen über Funklöcher ein.

Bis vor wenigen Tagen konnten Handynutzer, deren Verbindung schwach oder nicht existent war, ihre Beobachtung dem Landkreis mitteilen. Der in Social-Media-Kanälen, auf der Homepage des Landratsamts und in der Presse veröffentlichte Aufruf zündete: Von April bis Mai gingen mehr als 1100 Meldungen über unzureichende Mobilfunkabdeckung ein. Die meisten Klagen bezogen sich auf das Autobahnkreuz bei Pentling, wo das Handynetz offenbar besonders dünn ist.

Kein Funknetz im Haus

Ein dicker lila Fleck kennzeichnet auch die Funkzelle im kleinen Schönach, Gemeinde Mötzing. Hier gebe es von keinem Anbieter eine flächendeckende Mobilfunkversorgung, sagt Bürgermeister Reinhard Knott, der in seinem Haus in Haimbuch auch keine Funkverbindung hat. Seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren unternimmt Knott immer wieder Vorstöße, um die Mobilfunkversorgung in der Gemeinde zu verbessern. „Aber wir sind für die Anbieter zu klein.“

Aus Schönach gibt es seit langem Klagen über schlechte Netze. Foto: Jaumann
Aus Schönach gibt es seit langem Klagen über schlechte Netze. Foto: Jaumann

Dabei kann ein schlechtes Funknetz sogar eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten. Knott erzählt von einem Pfatterer Arzt, der in Schönach auf Hausbesuch war und plötzlich zu einem Notfall gerufen werden sollte. Sein Handy hatte im Haus des Schönacher Patienten jedoch keinen Empfang.

Die Aktion des Landkreises hat daher die volle Unterstützung des Mötzinger Bürgermeisters. In einem hochindustrialisierten Land müsste ein flächendeckendes Funknetz Standard sein, meint er.

Mit der Mobilfunk-Umfrage will Landrätin Tanja Schweiger den öffentlichen Druck hochhalten. Sie verweist auf die Regierungserklärung zum Amtsantritt von Ministerpräsident Markus Söder, der bis 2020 zusätzlich 1000 Mobilfunkmasten aufstellen lassen möchte. Die Landrätin kennt zahlreiche Stellen, wo Masten fehlen. Und mindestens 50 bestehende Masten, müssten mit Glasfaseranschlüssen aufgerüstet werden, sagt sie.

Auftakt der Messungen in Schönach: Landrätin Tanja Schweiger, Mötzings Bürgermeister Reinhard Knott, Alfons Steimer, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Harald Hillebrand, Breitbandbeauftragter des Landkreises, Josef Ledermann vom Ingenieurbüro Ledermann mit den Messkräften Sabrina Birzl und Ewa Wunderle vom Landratsamt und Aufhausens Bürgermeister Johann Jurgovsky als Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Sünching. Foto: Stefan Lex
Auftakt der Messungen in Schönach: Landrätin Tanja Schweiger, Mötzings Bürgermeister Reinhard Knott, Alfons Steimer, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Harald Hillebrand, Breitbandbeauftragter des Landkreises, Josef Ledermann vom Ingenieurbüro Ledermann mit den Messkräften Sabrina Birzl und Ewa Wunderle vom Landratsamt und Aufhausens Bürgermeister Johann Jurgovsky als Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Sünching. Foto: Stefan Lex

Um belastbare Daten zu erzeugen, wo Masten fehlen, lässt die Landrätin nun die von den Bürgern gemeldeten Schwachstellen untersuchen. Azubis des Landratsamts, die mit Handys aller Netze ausgestattet sind, fahren die als unterversorgt gemeldeten Gebiete ab und übermitteln die Funksignale an den beratenden Ingenieur Josef Ledermann, der in seinem Büro die Stärke des Signals messen kann. Der Start zu den Messfahrten war jetzt in Schönach, wo Bürgermeister Knott schon vor langem seine Klage über die unzureichende Funkverbindung schriftlich formuliert hat.

Pilotprojekt vorgeschlagen

Landrätin Schweiger will mit der Aktion erneut auf einen Vorschlag zur Verbesserung des Mobilfunknetzes im Landkreis aufmerksam machen, den sie Ende März bei der Staatsregierung eingereicht hat. Dabei verwies sie auf eine Lösung, die das Büro Ledermann dem Landkreis vorschlug. Dieses Pilotprojekt soll mit Mikrozellen die Mobilfunkverbindung am Land verbessern. Das System sei billiger und auch strahlungsärmer als herkömmliche Technik, schrieb Landrätin Schweiger.

Basierend auf einer kleinteiligen Zellenstruktur (Mikrozellen) will das Büro Ledermann ein offenes Mobilfunksystem errichten, das von allen Providern genutzt werden kann und auch alle derzeit aktiven Technologien unterstützt. Bei diesem Konzept werden die Daten der Anbieter von den Mobilfunksendestationen mit Glasfaser in die unterversorgten Gebiete zu Mikrozellen geleitet. Diese sorgen für die Verbreitung der Signale per Funk.

Das wie kleine Router arbeitende System wurde von Ledermann in einem Büropark in München aufgebaut und wird dort von allen Providern mit allen Technologien und Diensten genutzt. Von der Grundstruktur her könne dieses System auch zur Versorgung von ländlichen, kleinteilig strukturierten Regionen genutzt werden, verspricht das Büro Ledermann.

Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer bewertete den Vorschlag in seiner Antwort an Tanja Schweiger vergangene Woche als „interessant“, ging aber nicht näher darauf ein. Bei solchen neuen Ansätzen stellten sich noch viele Fragen, so Pschierer. Der Minister verwies darauf, dass die Staatsregierung ein neues Programm vorbereite. Dieses förderel den Bau von Sendemasten in jenen Gebieten, in denen Netzbetreiber keinen Ausbau planen.

Leser-Geschichten aus dem Funkloch

  • Jonas Fleischmann:

    Bei uns im Golf- und Land-Club Regensburg besteht kein oder sehr schlechter Handyempfang. Auch ist die Internet-Anbindung äußerst schlecht. Sobald man von der Staatsstraße zur Hammermühle abbiegt, betritt man eine mobilfunkfreie Zone.

  • Armin Städler:

    Auch wir in Obertraubling haben sehr schlechten Empfang – nur Gesprächsfetzen bzw. gar kein Empfang. WhatsApp oder SMS kommen manchmal erst nach Stunden an. Wäre schön, wenn sich da in Bälde etwas zum Positiven wenden würden.

  • Herbert Zankl:

    Der Empfang ist in meiner Wohnung in Pentling miserabel. Kein Netz – weder im Wohnzimmer noch in Schlafzimmer, Küche, Balkon und Kinderzimmer 1. Netzverbindung habe ich nur, wenn ich mich im Bad oder im Kinderzimmer 2 aufhalte.

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