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Freizeit

Vier Freunde übernehmen Kanuverleih

Der legendäre „Kanuschorsch“ ist 2016 gestorben. Nun betreiben vier Freunde den Verleih bei Kallmünz. Zwei wohnen sogar dort.
von Andrea Leopold

Die „vier Freunde“ betreiben seit diesem Jahr den „Kanuschorsch“. Foto: Leopold
Die „vier Freunde“ betreiben seit diesem Jahr den „Kanuschorsch“. Foto: Leopold

Traidendorf.Frei nach dem Jugendroman des Sportreporters Sammy Drechsel aus dem Jahr 1955 „Elf Freunde müsst ihr sein“ könnte man die vier Kumpel sehen, die den Schritt gewagt haben, den legendären Kanuverleih des beliebten und verstorbenen „Kanuschorsch“ zu übernehmen. Sympathische und patente junge Menschen, die sich schon lange kennen und zum Teil auch verwandt sind.

Der Witwe des Kanuschorsch lag der Kanuverleih zwar am Herzen, für eine Person allein sei der Aufwand aber nicht zu schaffen. Der Initiator Robert Dopsaj und seine Lebensgefährtin hatten zuerst das Haus vom Kanuschorsch und dessen Witwe gekauft. Dabei gab es die Option, den Kanuverleih mitzukaufen.

„Kanu gefahren sind wir davor auch schon, das war ein kleines Hobby. Wir haben das dann als Gemeinschaftsprojekt mit ein paar Freunden gesehen. Wir sind alle berufstätig und machen das von Freitag bis Sonntag“, erklärt Robert Dopsaj. Es sei eine Chance gewesen, die sie einfach mal beim Schopf gepackt hätten.

Langersehntes Projekt

Flussfahrer setzen ihre Kanus in Traidendorf ein. Foto: Leopold
Flussfahrer setzen ihre Kanus in Traidendorf ein. Foto: Leopold

Vorerst sei das Projekt nur als Nebenjob zu sehen, als Vollzeitbetrieb, wie es der Vorgänger jahrzehntelang betrieben hat, wäre den jungen Leuten zu riskant. Die Aufgaben seien schon eine Herausforderung, im Winter hat die junge Familie Dopsaj zuerst das Wohnhaus umgebaut, unter der Woche hat der Chef dann einen Vollzeitjob und am Wochenende den Kanuverleih.

„Deshalb sind wir ja zu viert, wir wollen das in so einem Rahmen machen, dass wir alle noch Spaß dabei haben“, stellt Initiator Dopsaj fest. Der Plan sei, sich abzuwechseln. Derzeit seien sie aber immer zusammen – bis alles läuft.

„Deshalb sind wir ja zu viert, wir wollen das in so einem Rahmen machen, dass wir alle noch Spaß dabei haben.“

Robert Dopsaj, Kanuverleiher

„Wir hatten ein Jahr Vorlaufzeit, um uns auf das Kanufahren zu konzentrieren, das haben wir auch genutzt“ , sagt Dopsaj. Voraussetzungen für den Verleih seien lediglich die Zulassung für die Boote beim Landratsamt und der TÜV für die Boote.

Mario Kilburg ist unter anderem für die Homepage verantwortlich. Robert ist der Chef und Organisator des Unternehmens. Sarah, die Lebensgefährtin von Robert, hat die Logistik unter sich, und Daniel ist der Mann, der handwerklich eingreift und für Wartung und Reparaturen zuständig ist.

Die Freunde kennen sich schon seit Jugendjahren und haben schon ewig den Plan, etwas gemeinsam zu machen. Irgend ein Geschäft, das Spaß macht. Es gehe ihnen aber auch ums Geldverdienen. „Wir denken, es ist eine schöne Art und Weise Geld zu verdienen, weil meistens die Sonne scheint, wenn wir arbeiten, die Menschen frei oder Urlaub haben, wenn sie kommen und entspannt und gelassen sind. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das von Montag bis Freitag nicht“, schmunzelt Dopsaj. Die Kunden kommen nach drei bis vier Stunden zurück, sind gut drauf und bedanken sich bei einem.

Sarah Bühler erzählt, dass sie wegen ihres kleinen Sohnes raus aus Regensburg und aufs Land wollten, wo der Kleine in der freien Natur aufwachsen könne. Deshalb suchten sie ein Haus und fanden den Kanuverleih dazu. „Der war nicht geplant“, bemerkt die junge Mutter lächelnd. Die beiden anderen Kompagnons sind aus Regensburg und kommen zum Arbeiten zum Anwesen zwischen Naab und Vils.

Die Veranstalter bieten ihren Service auf Anfrage an. Foto: Zimmermann
Die Veranstalter bieten ihren Service auf Anfrage an. Foto: Zimmermann

Sarah Bühler ist die Chefin der Logistik, sie terminiert und organisiert den Verleih, plant und telefoniert mit den Kunden. Sie fährt den Bus mit dem Anhänger. Den Leuten werden fertige Flussbeschreibungen mitgegeben, der Chef fährt regelmäßig die Strecken ab, ob es irgendwo gefährlich ist.

„Uns unterscheidet, dass wir keine festen Touren fahren, die Leute rufen uns dann an, wenn sie abgeholt werden möchten. Dann fahren wir los und holen die Leute ab“, erläutert Sarah Bühler.

Sie hätten keine festen Abfahrtszeiten. „Wir wollen nicht, dass die Leute Stress bekommen und zu einer bestimmten Zeit am Treffpunkt sein müssen, es ist doch ein Urlaubstag für die Kunden. Und sie wissen oft nicht genau, wie lange sie für die Strecke brauchen“ , meint Sarah.

Verschiedene Boote zur Auswahl

Glückliche Kunden – das ist das Ziel der neuen Betreiber. Foto: wd
Glückliche Kunden – das ist das Ziel der neuen Betreiber. Foto: wd

Die Boote sind Kajaks und Kanadier mit zwei, drei oder vier Sitzplätzen. Der Kanadier ist gut geeignet für Anfänger. Er ist kippstabil für entspanntes Fahren mit Kindern und mit Gepäck. Das Kajak ist wesentlich schneller, kippfreudiger und wendiger. Es ist geeignet für längere Strecken und erfahrene Ruderer. In jedem Fall gibt es von den Organisatoren eine Einweisung vor Ort, wie man sich auf dem Wasser verhalten muss.

Wenn die Tour nördlich von Traidendorf beginnen soll, werden die Kunden zur Einstiegsstelle gebracht. Wetterbedingt kann eine Buchung auch kurzfristig storniert werden. Altersbeschränkung gibt es keine. Dopsaj empfiehlt allerdings, erst ab drei, vier Jahren die Kinder mitzunehmen.

„Unsere Hausflüsse sind Vils und Naab, wir könnten zwar auch den Regen nutzen, das wollen wir aber nicht.“

Robert Dopsaj, Kanuverleiher

„Unsere Hausflüsse sind Vils und Naab, wir könnten zwar auch den Regen nutzen, das wollen wir aber nicht“, bemerkt Robert Dopsaj. Das Schöne sei ja gerade die Landschaft hier. Aus nördlicher Richtung kommend könne man von Amberg oder Schmidmühlen auf der Vils schippern oder aus Richtung Nabburg über Burglengenfeld die Naab erkunden oder auch direkt von Traidendorf über Duggendorf bis vor die Tore Regensburg rudern.

Der alte Kanuschorsch wäre sehr professionell gewesen, räumen die Betreiber ein. Das können sie so noch nicht schaffen. Er hätte die Kunden glücklich gemacht, das wollen die neuen Betreiber auch, halt in einem kleineren Rahmen. Sie haben schon Anfragen von Betriebsfeiern, auch Jugendgruppen sind herzlich willkommen.

Die Preise belaufen sich auf 38 Euro am Tag für größere Kanus und 28 Euro für einen Einsitzer, Transportkosten sind gestaffelt je nach Länge der Abholung zwischen 5 und 15 Euro. Infos unter: www.kanuschorsch.de, Telefon: (0152) 38 59 51 00, Adresse: Zum Fischerberg 3, 93183 Traidendorf.

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