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Kommunen

Vorbild für Bayerns Gemeinden

Das Umweltforum macht Pettendorf einzigartig. Zum 20. Jubiläum tritt der langjährige Vorsitzende ab – und blickt zurück.
Von Claudia Kreissl

  • Ein Paradebeispiel für die Arbeit des Forums ist das alljährliche „Rama dama“, bei dem die Flure der Gemeinde von Unrat befreit werden. Fotos: Kreissl
  • Reinhold Demleitner führt das Umweltforum seit 20 Jahren.

Pettendorf.Ob gemeindeweites „Rama dama“, die Durchführung von Rundem Tischen oder die Idee zum „Pettendorfer Kulturherbst“ – die Liste der Projekte, die das Pettendorfer Umweltforum im Verlauf seines 20-jährigen Bestehens ins Leben gerufen hat, ist lang. Das Forum feiert heuer allerdings nicht nur ein Jubiläum, es muss sich auch neu aufstellen, denn: Reinhold Demleitner, der seit zwei Jahrzehnten an der Spitze des Forums steht, wird sich nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender stellen.

In vielen Bereichen des Gemeindelebens ist die Handschrift des Umweltforums erkennbar. Ein Beispiel ist das Beachvolleyballfeld am Sportgelände, das die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem TSV Adlersberg verwirklicht hat. Der Wunsch nach dieser Sportanlage wurde beim ersten Jugendforum laut, das das Umweltforum im Januar 1999 organisierte. Ein Paradebeispiel für die Arbeit des Forums ist auch das alljährlich stattfindende „Rama dama“, bei dem durchschnittlich gut 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen Vormittag lang die Flure der Gemeinde von Unrat befreien. Bei der Neugestaltung der Spielplätze und bei der Verwirklichung der Busumkehre in Schwetzendorf hatte das Forum ebenfalls maßgeblich seine Finger im Spiel.

Bürger werden eingebunden

Die Initiative zum Umweltforum bzw. zu einer Agenda-21-Gruppe in Pettendorf kam Reinhold Demleitner 1996 bei einer Bürgerversammlung. Der Gemeinderat nahm den Gedanken kurze Zeit später auf und rief die Bürger der Gemeinde zur Mitarbeit auf – mit Erfolg, wie sich zeigte. Bereits im Januar 1998 fand die konstituierende Sitzung statt, bei der Demleitner zum ersten und bislang einzigen Vorsitzenden gewählt wurde. Zu Forumsmitgliedern der ersten Stunde, die nach 20 Jahren noch aktiv sind, zählen neben Demleitner auch seine Frau Friederike, Rainer Brunner, Josef Maurer und Annemarie Strobl-Zelder.

Die Arbeit des Umweltforums hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert – weg vom Wirken in vier verschiedenen Arbeitskreisen, hin zu gemeinschaftlicher Projektarbeit. Das Engagement des Vorsitzenden und seiner Forumsmitglieder gilt in besonderem Maß der Gemeindeentwicklung. Viel Zeit und Energie investierte das Umweltforum unter anderem in das Thema demografischer Wandel, die Entwicklung des Leitbildes „Pettendorf 2030“ und die Erstellung einer Broschüre mit wertvollen Tipps für Bauherrn und Gebäudemodernisierer. Und so wundert es nicht, dass das Pettendorfer Umweltforum im Laufe der Zeit überregional Aufmerksamkeit erregte. Als „Plattform für eine lebendige Gemeinde“ bezeichnet das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz das Pettendorfer Umweltforum in einer von ihm herausgegebenen Broschüre über Kommunen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung stark machen. Die rund 3500 Einwohner zählende Gemeinde wird darin als Vorbild genannt, wie Kommunen die Weichen für ihre Zukunft stellen, indem sie die Bürger in die Bewältigung von Herausforderungen aktiv einbinden. Als Vorzeigeprojekt ist die Sanierung des Spielplatzes in der Wittelsbacher Straße aufgeführt, die das Umweltforum von der Ideensammlung bis hin zur gemeinsamen Planung und Umsetzung mit betroffenen Familien begleitete. Insgesamt 600 ehrenamtliche Arbeitsstunden brachten Jung und Alt in die Sanierung „ihres“ Spielplatzes letztendlich ein. Das Umweltforum blickt aber auch über den Tellerrand hinaus und ist Teil des „Netzwerk nachhaltige Bürgerkommune“, das 2007 auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit gegründet wurde. Darüber hinaus gehört Demleitner dem Leader-Arbeitskreis für den Landkreis Regensburg an.

Demleitner ist zu Recht stolz auf die mittlerweile 20 Jahre währende erfolgreiche Arbeit des Umweltforums. „Natürlich wäre auch ohne unsere Arbeit sicher das ein oder andere in Pettendorf im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung geschehen“, räumt Demleitner ein. Dennoch sei einiges durch die Unterstützung des Forums vielleicht schneller oder einfacher realisiert worden. Einige Projekte erforderten nicht nur viel Zeit und Geduld, sondern darüber hinaus ein beharrliches Nachhaken, erinnert sich Demleitner. Spontan fallen ihm dazu die lang geforderte und mittlerweile verwirklichte Busumkehre in Schwetzendorf und die Installation von Dialogdisplays zur Geschwindigkeitsmessung ein. „Ich denke, dass die Agenda-21-Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung unserer Gemeinde geleistet hat“, lautet das Fazit des scheidenden Vorsitzenden.

Großes Lob vom Bürgermeister

Ein Resümee, dem Bürgermeister Eduard Obermeier vollumfänglich zustimmt. Die Agenda-21-Arbeit vor Ort sei ein Paradebeispiel dafür, dass es einer Gemeinde gut tue, bürgerschaftliches Engagement und Ideen zuzulassen und in Entscheidungen mit einzubinden, findet das Gemeindeoberhaupt. Dank Demleitners zurückhaltender Moderation konnten nicht zuletzt auch strittige Themen aus Sicht des Machbaren betrachtet und Kompromisse geschlossen werden, lobt Obermeier die Arbeit des Vorsitzenden.

Es gibt wohl kaum einen Zweifel daran, dass der Gemeinderat im Frühjahr die Fortsetzung des Umweltforums um weitere zwei Jahre beschließen wird. Themen für die nächsten Jahre gibt es genug, ist Reinhold Demleitner überzeugt. Doch die sollen dann Jüngere aufgreifen und mit neuen Ideen vorantreiben.

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