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Kriminalität

Vorsitzender bringt Kegler um Tausende

Ein ehemaliger Banker griff 2015 in die Kassen mehrerer Vereine. Auch die Donaustaufer CSU gehört zu seinen Opfern.
Von Wolfgang Ziegler

Die Regensburger Sport-Kegler hatten ihrem Vorsitzenden vertraut – und sind jetzt immer noch entsetzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Die Regensburger Sport-Kegler hatten ihrem Vorsitzenden vertraut – und sind jetzt immer noch entsetzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Regensburg.Die Vereine in Regensburg und Umgebung sind noch immer entsetzt: Wie sie am Donnerstag aus der Mittelbayerischen erfuhren, hatte der verstorbene Kassier des SV Wenzenbach seine Position dazu genutzt, die Sportler innerhalb von zehn Jahren um insgesamt 139 000 Euro zu bringen. Die Vereinsmitglieder aus der Vorwald-Gemeinde sind aber nicht die einzigen, die ihr blindes Vertrauen in Funktionäre teuer bezahlen mussten. Sie teilen ihr Schicksal vielmehr mit dem Sport-Kegel-Club Walhalla in Donaustauf, dem Sport-Kegler-Verein (SKV) Regensburg und der Donaustaufer CSU. Auch dort veruntreute ein früherer Vorsitzender bzw. Kassier Vereinsgelder – insgesamt knapp 20 000 Euro.

In Wenzenbach waren die Machenschaften des Vereinskassiers erst aufgeflogen, als der Mann im November 2017 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und die Vorstandschaft seine Aufgaben übernehmen musste. Der Postbeamte hatte ein so perfektes System aus fingierten Buchungsbelegen und fiktiven Zahlungen ersonnen, dass dies noch nicht einmal für den vom Verein im Nachhinein engagierten Wirtschaftsprüfer auf den ersten Blick ersichtlich war. Die Kassenprüfer des SV hatten erst recht keine Chance: Sie nickten die von dem Kassier zu den Jahresversammlungen vorgelegten Unterlagen in all den Jahren ab, und die Mitglieder befanden den Kassenbericht in der Folge als „ordnungsgemäß“.

CSU-Konto restlos abgeräumt

Nicht anders verhielt es sich bei den Keglern in Regensburg und Donaustauf sowie der dortigen CSU. Ein heute bereits verrenteter Raiffeisenbank-Mitarbeiter fungierte in beiden Sportvereinen als Vorsitzender mit Kassenvollmacht und beim Donaustaufer CSU-Ortsverband als Kassier. Und diese Stellung nützte er gnadenlos aus. Das Konto seiner Partei soll er nach unseren Informationen sogar komplett abgeräumt haben, den Christ-Sozialen blieb von 4300 Euro kein Cent übrig, obwohl Zahlungen anstanden. Donaustaufs zweiter Bürgermeister Wolfgang Weigert räumte gegenüber unserem Medienhaus auch unumwunden ein, dass „es bei uns einen Vorfall gegeben hat. Der ist kassenmäßig aber bereits abgeschlossen“. Weitergehende Aussagen lehnte er ab. Die Hauptversammlung der Partei habe beschlossen, zu internen Vorgängen keine Stellungnahme abzugeben. Daran habe er sich zu halten, so Weigert.

Alles andere als gut zu sprechen ist man auf den Raiffeisenbank-Mann auch beim Sport-Kegel-Club Walhalla in Donaustauf. Den kleinen Verein mit seinen knapp 60 Mitgliedern hat er um 4800 Euro gebracht – und den Sportlern damit so richtig weh getan. Dort fungierte der Mann als Vorsitzender und hatte die gleiche Kontovollmacht wie der Kassier. „Draufgekommen sind wir ihm im Jahr 2015 bei der Kassenprüfung“, sagte uns ein Vereinsmitglied (Name d. Red. bekannt). „Wir haben etliche Male mit ihm gesprochen und ihm den Rücktritt nahegelegt, den er schließlich auch schriftlich erklärt hat.“ Auf eine versprochene Rückzahlung der unterschlagenen Gelder warten die Kegler allerdings bis heute vergeblich.

Fachfrau erkannte die Tricks

Ebenfalls in die Röhre schaut der SKV Regensburg, sozusagen der Dachverband der Sport-Kegler in Stadt und Landkreis Regensburg. Dort hatte sich der Banker ebenfalls in das Amt des Vorsitzenden wählen lassen – und bei aller krimineller Energie auch noch Glück. Denn just zu jener Zeit trat der Kassier der Vereinigung zurück, worauf der Mann das Amt 2015 bereitwillig zusätzlich selbst übernahm. Das bezahlten die Regensburger Sport-Kegler mit 9500 Euro. Nach den Worten des heutigen Vorsitzenden, Gerhard Reithner, hatte sein Vorgänger Spendenquittungen ausgestellt und die Kassenprüfer mit gefälschten Unterschriften täuschen wollen. „Aufgefallen sind die Unregelmäßigkeiten nur, weil eine unserer Kassenprüferinnen bei einem Steuerberater arbeitet. Ein Normalsterblicher hätte die Tricks nicht sofort erkennen können“, so Reithner.

Der Verein habe danach Strafanzeige erstattet, doch ungeachtet dessen habe sich der Mann erneut zur Wahl gestellt – sei aber nicht mehr gewählt worden. Inzwischen sei er in einem Strafprozess zu einem Jahr mit Bewährung verurteilt worden, das Privatinsolvenzverfahren laufe. „Deshalb haben wir noch keinen Cent von unserem Geld gesehen.“

„Kassenprüfer sind oft keine Finanzfachleute. Die vertrauen auf die Erläuterungen des Kassiers.“

Thomas Queck, Wirtschaftsprüfer

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Queck der für die Vereins-Akademie von Katholischer Erwachsenenbildung und Mittelbayerischem Verlag Workshops für Vereinsvorstände und Schatzmeister durchführt, hält große Stücke auf seine Klientel. Dennoch: „Kassenprüfer sind oft keine Finanzfachleute. Die vertrauen auf die Erläuterungen des Kassiers. Wenn jemand etwas verschleiern will, ist dies wohl möglich“, sagte er im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Zumal speziell die Ämter von Kassenprüfern leicht zu besetzen seien. „Da ist man Funktionär, hat aber nur einmal im Jahr wirklich etwas zu tun.“ Das mache fast jeder, der gefragt werde. Dabei gelte nach seinen Worten auch hier die Devise „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ Grundsätzlich, so Quecks Einschätzung, werde Vereinsvorständen und -Kassierern sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Umso größer sei das Entsetzen, wenn Unregelmäßigkeiten festgestellt würden. Gerade in so großen Vereinen wie dem SV Wenzenbach mit seinen rund 1300 Mitgliedern seien große Summen im Spiel. „Da lässt sich leicht etwas verstecken.“

Dr. Gaby von Rhein plädiert dafür, dass Vereine nicht nur Leute in Ämter hieven sollten, denen sie vertrauten, sondern dass sie auch nach Fachkenntnissen fragen sollten. Die Leiterin der Freiwilligenagentur des Landkreises Regensburg und in dieser Funktion auch Chefin der Vereinsschule weiß, wovon sie spricht. Sie organisiert seit 2015 jedes Jahr von Herbst bis Frühjahr Fortbildungsreihen für Vereine, in denen es auch um Geldflüsse geht. Und sie rät den Vereinen dazu, wenn es um größere Summen geht, die Kassenprüfung an einen Steuerberater zu vergeben. Denn kriminelle Energie gebe es nach ihren Worten überall.

Hilfen für Vereinsfunktionäre

  • Die Vereinsschule:

    Die Einrichtung der Landkreises Regensburg veranstaltet seit 2015 jährlich eine Fortbildungsreihe für Vereinsvorstände und aktive Vereinsmitglieder. Die nächste Reihe startet Mitte Oktober. Dabei soll es unter anderem um Datenschutz, Vereinsrecht und Sponsoring gehen.

  • Die Vereins-Akademie:

    Bei der Initiative von Katholischer Erwachsenenbildung und Mittelbayerischen Verlag geht es in Workshops um die vielen Anforderungen, die auf Ehrenamtliche in Vereinen zukommen. Einer der Referenten ist Thomas Queck, der auch bei der Hanns-Seidel Stiftung referiert.

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