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Freizeit

Wanderer auf dem letzten Weg

Wenzenbacher Verein steht vor der Auflösung, weil sich kein Vorsitzender findet. Auch andernorts haben Wandervereine Sorgen.
Von Ralf Strasser

  • Wandern ist zwar wieder in Mode - aber nicht organisiert, sondern individuell. Fotos: Seeger/dpa/Archiv Strasser
  • Rudolf Maier ist der Wander-Chef in Zeitlarn. Der Großteil seiner Mitglieder ist 70 Jahre oder älter.

Wenzenbach.WENZENBACH. Gibt es heuer keinen Wandertag in Wenzenbach? Diese Frage macht derzeit die Runde in der Vorwaldgemeinde. Es ist Februar und noch gibt es keinen Hinweis auf die beliebte Wanderrunde, die in dieser Jahreszeit einen festen Platz im Terminkalender hat. Die schlechte Nachricht: Es wird keinen IVV-Wandertag geben. Den Termin „10. und 11. Februar“ haben die Wanderfreunde Wenzenbach verstreichen lassen, es wäre der 42. Wandertag seit Bestehen des Vereins gewesen. Und es kommt noch schlimmer: Auch künftig wird keinen Wandertag geben, der Verein löst sich mit seiner letzten Versammlung am 10. März auf.

Die Gründe sind vielfältig: Zum einen ist Wanderchef und Vorsitzender Franz Zweckerl schwer erkrankt. Zur Wiederwahl konnte er sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr stellen, eine Nachfolgesuche – die sich bereits ein Jahr zog – blieb ohne Ergebnis. „Das allein hätten wir vielleicht irgendwie überwinden können“, meint Zweckerl, der aktuell noch im Rollstuhl sitzt. Doch unterm Strich liegt es an der Altersstruktur, meint er.

Der Nachwuchs fehlt

280 Mitglieder hat der Verein aktuell, der Altersschnitt liegt nach Angaben von Wanderwart Rudi Eichinger (71), „zwischen 65 und 70 Jahre.“ Da ist es nicht leicht, die erheblichen Vorbereitungen für den Wandertag zu stemmen, so Eichinger. „Dazu kommt, dass es üblich ist, den Besuch eines Wandervereins zu erwidern. Doch das ganze Jahr bin ich alleine zu den Kollegen der anderen Vereine gefahren. Es will einfach keiner mehr.“ Dabei liegt Wandern im Trend. Spätestens nach dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist das Abschalten in der Freizeit, die Verbindung von Körper und Geist wieder in Mode. Einer Studie zufolge ist Wandern sogar die liebste Freizeitaktivität der Deutschen – noch vor Radfahren oder Laufen. Und doch geht es den Wandervereinen nicht gut.

„Wir bekommen keinen Nachwuchs“, bedauert Eichinger. Warum das so ist? „Das Freizeitverhalten hat sich geändert“, ist sich Eichinger sicher. Leider geht der Wanderboom an den Vereinen vorbei“, sagt auch Rudolf Maier (65), Vorsitzender des Wandervereins in Zeitlarn. „Die Wandervereine sterben in der jetzigen Form und das in absehbarer Zeit. Der Trend führt weg vom organisierten zum individuellen Wandern.“ Im Bezirk Oberpfalz gibt es aktuell nur noch 39 eingeschriebene Wandervereine, bemerkt Zweckerl, „1976 waren es dreimal so viele.“ Die Tendenz zeigt nach unten.

„Ich kann aus dem Stand heraus fünf Vereine sagen, die wohl heuer oder im nächsten Jahr das Handtuch werfen.“ Einer der Hauptgründe ist der demografische Wandel. „Der Großteil meiner Mitglieder ist 70 Jahre und älter“, erzählt Maier aus Zeitlarn.

„Ohne Neumitglieder können Ehrenämter in der Vorstandschaft selten oder nicht mehr besetzt werden.“ Noch denkt man in Zeitlarn nicht ans Aufhören. „Bei meiner Amtsübernahme vor zehn Jahren, war mein Bestreben, junge Mitglieder in die Vorstandschaft einzubinden, was mir auch gelungen ist. Dennoch ist auch bei uns die Zahl der aktiven Wanderer rückläufig.“

Ist am 10. März Schluss?

Noch keine Gewitterwolken sind bei den Wanderfreunden Regenstauf aufgezogen. Aber auch hier fehlt es an der Jugend bei den Wanderern. „Wir haben das Glück, dass wir eine engagierte Führungsmannschaft haben“, sagt stellvertretender Vorsitzender Ernst-Peter Duda (63). Auch bei den Wandertagen („ein Muss für den Verein“) helfen junge Mitglieder. Dennoch sieht er auf lange Sicht Probleme. „Wir müssen uns was einfallen lassen, die Wandervereine müssen sich neu erfinden.“ Durchaus auch ohne die Verbandsstrukturen, „weg von den Vorschriften und Gebühren des Deutschen Volkssportverbandes (DVV) und hin zu individuellen Ansprüchen mit eigenen Wanderaktionen. Einen Wandertag kann man auch ohne den Verband machen.“

Wie also wird es bei den Wenzenbacher Wanderern weitergehen? Wohl gar nicht mehr. „Falls sich bis zum 10. März niemand mehr findet, der Verantwortung übernehmen will, wird das unsere letzte Versammlung gewesen sein“, erklärt Zweckerl. Dann wird der Verein an diesem Tag abgewickelt. Eine Zukunft wird es aber dennoch geben. Nämlich für den „Permanenten Wanderweg“ des Wandervereins. Den werden die Wanderfreunde aus Hauzendorf weiter pflegen.

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