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Hochwasser

Wird das Polderprojekt noch größer?

Für das Flutbecken Wörthhof gibt es eine Variante mit doppeltem Volumen. Die Dammflächen könnten 270 Fußballfelder umfassen.
Von Christof Seidl, MZ

Die Darstellung zeigt die größten Varianten der aktuellen Vorplanung für die Flutpolder Eltheim und Wörthhof. Die Fläche des Polders Wörthhof hat sich kaum geändert, das Stauvolumen steigt in einer Variante aber auf 32 Millionen Kubikmeter Wasser – doppelt so viel als bisher. Grafik: MZ-Infografik
Die Darstellung zeigt die größten Varianten der aktuellen Vorplanung für die Flutpolder Eltheim und Wörthhof. Die Fläche des Polders Wörthhof hat sich kaum geändert, das Stauvolumen steigt in einer Variante aber auf 32 Millionen Kubikmeter Wasser – doppelt so viel als bisher. Grafik: MZ-Infografik

Wörth.Seit 2014 plant der Freistaat die gesteuerten Flutpolder Eltheim und Wörthhof. Die beiden riesigen Flutbecken sollen bei einem starken Hochwasser zum idealen Zeitpunkt volllaufen und dadurch bewirken, dass der Flutpegel flussabwärts sinkt. Dadurch sollen, so die Vorstellung des Freistaats Bayern, Hochwasserschäden verhindert oder zumindest verringert werden. Im südöstlichen Landkreis stößt das Polderprojekt auf harsche Kritik. Die Anwohner im Bereich der geplanten Flutbecken und deren Vertretung, die Interessengemeinschaft (IG) Polder, fürchten vor allem einen weiteren Anstieg des Grundwasserspiegels, der sich schon durch den Donauausbau negativ verändert habe. Bisherige Messungen des Grundwassers zeigten, dass der Verdacht nicht unbegründet ist.

Derzeit erarbeitet das Wasserwirtschaftsamt Regensburg ein Grundwassermodell, das zeigen soll, wie sich der Polderbau auf die Region auswirken würde. Dazu errechnet ein Ingenieurbüro verschiedene Varianten mit Dämmen, Zu- und Abflüssen etc.

32 statt 16 Millionen Kubikmeter

Die Rechenmodelle, die das Wasserwirtschaftsamt jetzt in mehreren Varianten vorgelegt hat, zeigen, dass über die Größe der Flutpolder noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ursprünglich sollten beide Polder, Wörthhof und Eltheim, je 16 Millionen Kubikmetern Wasser fassen. Die Polderfläche lag bei 590 (Eltheim) und 760 Hektar. Während im Fall Eltheim diese Werte in etwa eingehalten werden, gibt es im Fall Wörthhof eine Neuerung. Die Variante W6b weißt bei praktisch unveränderter Größe ein Stauvolumen von 32 Millionen Kubikmetern auf – eine glatte Verdoppelung, die durch höhere Dämme erreicht wird. Im Nordosten dieses Flutpolders würde dieser Damm eine Höhe von bis zu neun Metern erreichen.

„Diese Planungen sind nicht fair gegenüber unseren Leuten.“

IG-Sprecher Markus Hörner

Auch sonst machen die Zahlen des Wasserwirtschaftsamts klar, dass es sich um ein Mammutprojekt handelt. 38 Kilometer würden die Dämme und Deiche bei den größten Varianten umfassen, 190 Hektar Fläche wären für den Dammbau notwendig, das entspricht ungefähr 270 Fußballfeldern. Zum Vergleich: Das Regensburger BMW-Werk hat eine Fläche von 140 Hektar.

Diese Angaben bestätigte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts, Josef Feuchtgruber, auf Anfrage der Mittelbayerischen. Er betonte, dass es sich dabei um „Worst-Case-Annahmen“ handle. So sei man bei den Dämmen und Deichen von einer 50 Meter breiten Grundfläche ausgegangen. Diese würde bei einer exakten Planung sicherlich vielerorts weniger werden. Auch die 32 Millionen Kubikmeter seien nur eine von mehreren Varianten, die berechnet werden. Feuchtgruber: „Es ist überhaupt nicht gesagt, dass das so gebaut wird.“

Professor Andreas Malcharek, der für den Landkreis arbeitet, hat nachgewiesen,  dass sich der Grundwasserspiegel durch den Donauausbau verändert hat. Foto: Seidl
Professor Andreas Malcharek, der für den Landkreis arbeitet, hat nachgewiesen, dass sich der Grundwasserspiegel durch den Donauausbau verändert hat. Foto: Seidl

Der Auftrag seiner Behörde sei, zu berechnen, wie die Flutpolder realisiert werden können. Die Entscheidung darüber, ob sie gebaut werden, müsse die Politik treffen. Die Rechenmodelle und Skizzen, die in den nächsten Monaten entstehen, seien die Grundlage für ein Raumordnungsverfahren. Bevor das Wasserwirtschaftsamt ein solches Verfahren beantrage (voraussichtlich im Sommer 2018), werde man die Planungen der Öffentlichkeit vorstellen. Ob und unter welchen Auflagen die Polder im Rahmen der Raumordnung realisierbar sind, sei erst nach Abschluss des Verfahrens klar. Und erst dann sei es möglich, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten, in dem Größe und Gestaltung der Flutpolder konkret festgelegt werden können.

Die bisherigen Erkenntnisse bewertet Feuchtgruber positiv. Es sei klar, dass die Polder technisch realisierbar sind, auch die Grundwassersituation sei beherrschbar, in einzelnen Bereichen würden wohl technische Maßnahmen notwendig werden, um den Grundwasserspiegel abzusenken.

Kräftig Volumen draufgesattelt

Im Dialogprozess zu den Flutpoldern wurde eine Vielzahl an Fragen formuliert, vor allem was die Sinnhaftigkeit des Megaprojekts angeht. Diese Fragen wurden bislang laut IG-Sprecher Markus Hörner nicht beantwortet. Foto: lid
Im Dialogprozess zu den Flutpoldern wurde eine Vielzahl an Fragen formuliert, vor allem was die Sinnhaftigkeit des Megaprojekts angeht. Diese Fragen wurden bislang laut IG-Sprecher Markus Hörner nicht beantwortet. Foto: lid

Harald Hillebrand, Flutpolderbeauftragter des Landkreises, der die Polderplanungen kritisch begleitet, zeigte sich von dem Zwischenstand nicht überrascht. Das Wasserwirtschaftsamt vermittle ständig den Eindruck, dass es ja nur um Berechnungen gehe, aber dann werde kräftig Volumen draufgesattelt.

Hillebrand und IG-Sprecher Markus Hörner fordern, Sinn und Zweck der Polder näher zu untersuchen. Was fehle, seien Antworten zu den vielen Fragen, die im Dialogverfahren zu dem Polderprojekt formuliert worden sind. Hörner: „Angeblich laufen Untersuchungen, aber bisher haben wir keine Ergebnisse erhalten.“ Stattdessen würden Zusagen zurückgenommen. So habe der Freistaat früher betont, Flutpolder würden erst ab einem hundertjährlichen Hochwasser eingesetzt, jetzt heiße es, „immer, wenn Schäden zu befürchten sind“.

Das Polderprojekt hat laut Hörner schon jetzt negative Folgen. Straubing plane eine Bebauung im Hochwasserbereich, in Passau würden sich Anwohner gegen einen mobilen Hochwasserschutz wehren. Flussabwärts gebe es vielerorts noch keinen hundertjährlichen Hochwasserschutz. Hörner: „Deshalb sind die Planungen hier nicht fair gegenüber unseren Leuten.“

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