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Geschichte

Wörth unter dem Hakenkreuz

Lena Solleder hat ein Buch über die Stadt im Dritten Reich geschrieben. Für viele Menschen ist diese Zeit noch ein Tabu.
Von Petra Schmid

Diese Aufnahme aus der Zeit des NS-Regimes zeigt Truppen bei der Fahrt durch Wörth. Das Foto ist in Lena Solleders Buch „Wörth an der Donau während des Dritten Reiches“ abgedruckt. Foto: Privatarchiv von Fritz Jörgl

Wörth.Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein dunkles Kapitel der Geschichte in Deutschland. Diese Ära ging auch an Wörth nicht spurlos vorbei. Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende sind die Schrecken jener Zeit sicherlich bei vielen in den Hintergrund getreten. Die Zeitzeugen, die damals in den Krieg ziehen mussten und die Strukturen der NSDAP vor Ort miterlebten, werden immer weniger.

Mit dem Buch „Wörth an der Donau während des Dritten Reiches“ hat Lena Solleder ein Stück Regionalgeschichte in dieser Zeitspanne festgehalten. Die Pädagogin für Geschichte und Englisch am Gymnasium hat sich mit dem Thema im Rahmen ihrer Zulassungsarbeit beschäftigt. Herausgekommen ist dabei ein 122 Seiten umfassendes Buch aus der Reihe „Regensburger kleine Beiträge zur Heimatforschung“. In dieser Reihe erscheinen in unregelmäßigen Abständen kürzere Abhandlungen, Dokumentationen und Quelleneditionen aus den Bereichen Kunst- und Regionalgeschichte sowie Heimat- und Denkmalpflege. Herausgegeben wird das Buch im Verlag von Dr. Thomas Feuerer, der neben seiner Hobbytätigkeit als Verleger als Sachgebietsleiter für Kultur, Heimat und Denkmalpflege für den Landkreis tätig ist.

Die NS-Zeit in acht Kapiteln

In einer kleinen Feierstunde stellte die junge Autorin ihr Buch im Rathaus vor. Solleder befasst sich in acht Kapiteln mit der Situation Wörths nach der Machtergreifung Hitlers, es geht um den Alltag in der Stadt während des Nazi-Regimes, die örtlichen Parteiorganisationen, den Umgang mit „Fremdländischen“ und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Auch mit den Auswirkungen des Krieges und dem Kriegsende befasst sich die Autorin, die aus Tiefenthal stammt.

Bürgermeister Anton Rothfischer, Autorin Lena Solleder und Johann Festner (von links) präsentieren das neue Buch. Rechts im Bild Dr. Feuerer Foto: lps

Vor zwei Jahren habe sie einen Vortrag zu diesem Thema in Wörth gehalten und sei damals von der großartigen Resonanz der Bürger überrascht worden, erzählte Solleder bei der Vorstellung des Buchs. Es sei kein einfaches Thema, aber es habe keine negativen Reaktionen von Menschen, deren Verwandte oder Bekannte in ihrer Textsammlung und nun ihrem Buch vorkommen, gegeben. Im Gegenteil, es habe sie sogar jemand angesprochen und erklärt, dass er es gut finde, dass diese Zeit aufgearbeitet werde, sagte die Autorin.

Bei diesem Vortrag wurde auch der Grundstock für das Buch gelegt. Johann Festner, Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt Wörth, habe den Kontakt zu Hobbyverleger Dr. Feuerer hergestellt, hob Solleder hervor. Sie dankte Festner und allen anderen, die zum Erfolg beigetragen hätten.

Viele schweigen über die Zeit

Lob und Dank erntete die Autorin von Wörths Bürgermeister Anton Rothfischer. Er sei froh, dass Solleder sich des schwierigen Themas angenommen habe. Was damals in Wörth passiert sei, sei überwiegend mündlich überliefert und die Zeitzeugen würden immer weniger. Die nun älteren Mitbürger hätten die Nachkriegszeit noch erlebt und oft stelle er, beispielsweise bei Gratulationsbesuchen, fest, dass das Thema auch heute oft tabu sei. Viele wollten nicht darüber reden. Auch sein Vater habe nie mit ihm über diese Zeit gesprochen. Höchstens mit anderen Kriegsteilnehmern habe er geredet, blickte der Rathauschef zurück. Gerade heute dürfe man aber die Schrecken jener Zeit nicht vergessen, denn die Bewegung in diese Richtung flamme wieder auf.

Festner und Dr. Feuerer sprachen der jungen Autorin Anerkennung für ihr Engagement und ihr Durchhaltevermögen aus. Es sei wichtig, dass solche Arbeiten nicht in einer Schublade verschwinden, darum sei es ihm ein Anliegen, diese Schriften zu verlegen, erklärte Dr. Feuerer. Der Hobbyverleger ergänzte: „Ich freue mich schon, falls es einen weiteren Band geben wird.“ Festner schlug das Thema „Entnazifizierung“ vor, denn auch hier liege viel Material vor und man müsse die Zeitzeugen befragen, solange dies noch möglich sei.

Das Buch „Wörth an der Donau während des Dritten Reiches“ ist bei der Stadt oder der Buchhandlung in Wörth für 9,90 Euro erhältlich.

Lena Solleder im Gespräch

Lena Solleder schrieb ein Buch über Wörth im Dritten Reich. Foto: lps

Mit der Mittelbayerischen Zeitung sprach Lena Solleder über die Arbeit an ihrem Buch:

Warum beschäftigen Sie sich gerade mit diesem Thema?

„Eigentlich wegen meines Opas, er hat nie etwas aus dieser Zeit erzählt. Als er gestorben war, haben wir Fotos gefunden und ich habe begonnen nachzuforschen. Außerdem habe ich an der Uni Seminare zu dieser interessanten Zeitspanne besucht. Es war mir wichtig, für meine Zulassungsarbeit ein Thema aus meiner Heimat auszuwählen.“

War es schwer, Zeitzeugen zum Reden zu bewegen?

„Die Menschen, die diese Zeit erlebt haben, sind nun mittlerweile in einem bestimmten Alter oder schon verstorben. Man muss auf alle Fälle bei der Recherche sensibel vorgehen. Während die einen offen von sich oder Verwandten berichten, fällt es anderen immer noch schwer, über diese Zeit zu sprechen.“

Was steht als Nächstes an?

„Ein weiterer Vortrag zum Thema und eventuell ein weiteres Büchlein zusammen mit Johann Festner und Josef Schindler sind gut vorstellbar. Es gibt noch viele Akten, die gesichtet und bewertet werden müssen.“

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