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Kultur

„Zamrucka“: Kunst gibt sich doppeldeutig

Fünf Künstler zeigen in einem Stadel in Hinterzhof 62 Exponate. Sogar aus scheinbar wertlosem Abfall entsteht neues Leben.
Von Peter Pavlas

Franz Kopfmüller betont die Kraft, die in vielen Gutwilligen steckt. Foto: Pavlas
Franz Kopfmüller betont die Kraft, die in vielen Gutwilligen steckt. Foto: Pavlas

LAABER. „Wir sind begeistert!“ Ein Paar aus Parsberg fasste spontan seine Eindrücke vom Besuch der vierten Kunstausstellung im Müller-Stodl zusammen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Aktion „Kultur.Erbe 2018“ des Landkreises statt. Wo sonst landwirtschaftliches Gerät parkt, drängten sich viele Vernissagenbesucher zusammen. Fünf Aussteller, meist aus dem Labertal, und eine Gastkünstlerin aus Lappersdorf präsentierten 62 Exponate.

Bürgermeister Hans Schmid aus Laaber betonte in seiner Einführung den menschenverbindenden Charakter der Kunst. Sie lasse das Lokale im Europäischen entdecken. „Genial“ sei das Thema „Zamrucka“ gewählt, sei das Wort doch so doppeldeutig. Ganz gleich, ob man sich freundlich gesonnen knappen Platz teile oder ob man sich mit anderen eben „auseinandersetze“ und ihnen mal kräftig die Meinung sage: Hauptsache sei, anderen gegenüber keine Gleichgültigkeit zu zeigen. In einer großen Vielfalt von Materialien und Interpretationen des Themas präsentieren die fünf Künstler die Facetten der Beziehung zu Mitmenschen. Daniela Heckner-Müller zeigt fotorealistisch genaue Bilder, die von Nähe und Distanz im Tierreich zeugten und ankaufwillige Besucher anzogen.

Vielfalt an Materialien

Jürgen Horn führt unter anderem mit seinen Holzarbeiten einen gesellschaftskritischen Ansatz vor Augen. In „Gesellschaftsvertrag“ verbindet eine dünne Paketschnur schmale Latten. Die am rechten Rand der Assemblage ist schwarz verkohlt. Anna Beckstein-Pilz hatte wieder Acrylarbeiten dabei, von denen besonders ein riesiges Format Aufmerksamkeit erregte. Spirituelle Elemente und Kritik an der ungleichen Verteilung des Reichtums auf Erden warten darin auf die Entdeckung durch den Beschauer.

Organisator Rainer Fritsche hatte Fotos, Gemälde und Werke in Mischtechnik beigesteuert. Sie appellieren an alle Sinne des Publikums, etwa die blauäugige „Ode an die Freude“ aus Metall und hölzernen Orgelpfeifen aus der Laaberer Pfarrkirche.

Norbert Sötz haucht Materialien Leben ein, die vielen nur als wertloser Abfall erscheinen würden. In einer verrosteten Abflussrinne klammern sich verzweifelte Arme fest. Wenige Millimeter große bunte Figürchen besehen die Szene vom Rand aus.

Ganz dem Metall verschrieben hat sich Franz Kopfmüller. Seine Installation „Balance“ zeigt im Freigelände eine sehr bewegliche Wippe, auf der eine Gruppe von Individuen es mit dem Gewicht eines einzelnen Mächtigen aufnehmen. Vom Fleck weg verkaufte sich auch dieses Werk.

Michael Prokisch und Martin Höchbauer alias „Saitenwexl“ umrahmten mit virtuoser Gitarrenmusik die Ausstellungseröffnung. „Wenn ich meinen Stodl für Theater, Hochzeiten oder Ausstellungen öffne, geht’s mir darum, unsere gute Dorfgemeinschaft weiter zu stärken und auch Neubürger zu integrieren. Darauf bin ich schon stolz!“, freute sich Hausherr Alois Dürr in seiner ersten Bilanz.

Die Ausstellung ist noch geöffnet am Sonntag, 20. und 21. Mai (Pfingsten), sowie am 26. und 27. Mai, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zu sehen sind die Werke im Müllerstodl in Laaber-Hinterzhof, Reiserweg 12. Aussteller sind Jürgen Horn, Daniela Heckner-Müller (Gastkünstlerin aus Lappersdorf), Anna Beckstein-Pilz, Norbert Sötz, Franz Kopfmüller und Reiner Fritsche.

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