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Bauwerk

Zeitlarn: Nach dem Hagel hagelt es Spott

Nach der Überflutung der neuen Bahnunterführung bei Laub wird Kritik laut. Leiter der Straßenmeisterei weist Vorwürfe zurück.
Von Kathrin Robinson

Bis zu 1,80 Meter hoch stand das Wasser am Samstag in der Bahnunterführung der B 15 bei Laub. Das Bauwerk wurde erst erneuert. Foto: Alexander Auer
Bis zu 1,80 Meter hoch stand das Wasser am Samstag in der Bahnunterführung der B 15 bei Laub. Das Bauwerk wurde erst erneuert. Foto: Alexander Auer

Zeitlarn.Seit dem vergangenen Wochenende wissen die Menschen im Zeitlarner Ortsteil Mühlhof/Neuhof, wie in etwa sich der Weltuntergang anfühlen muss. In den Mittagsstunden des Samstags wütete dort ein Unwetter in einem schmalen Band östlich der Bahnlinie mit einer derartigen Gewalt, dass sich keiner der Augenzeugen, die sich hinterher ein Bild von den Zerstörungen machten, erinnern konnte, jemals etwas ähnliches in Zeitlarn und Umgebung erlebt zu haben. Die Bilanz war trotz der Kürze des Gewitters verheerend: überflutete Keller, vernichtete Fruchtstände auf den Feldern – und eine komplett überflutete Bahnunterführung auf der B 15, die einen Großeinsatz notwendig machte. Letztere wurde erst erneuert, die Baustelle befindet sich noch dort – und so regte sich nach dem Gewitter schnell Kritik und Häme im Netz.

Pfusch am Bau?

Mehr als 24 Stunden dauerte der Einsatz für die Helfer. Foto: Alexander Auer
Mehr als 24 Stunden dauerte der Einsatz für die Helfer. Foto: Alexander Auer

In der Facebook-Gruppe „Regenstauf da san mir dahoam“ berichtete etwa ein User, dass er seit Jahren täglich durch die Unterführung fahre. Bei dem alten Bauwerk, das noch aus dem Jahr 1896 stammte, sei nie etwas gewesen. „Jetzt, neu gebaut, läuft das Ding nach dem ersten Starkregen voll wie ein Badeweiher.“ Ein anderer spottet: „Da haben die wohl den Ablauf vergessen.“ Eine Userin schreibt: „Unvorstellbar – eine neue geplante Unterführung.“ Und es gibt auch Stimmen, die den Verantwortlichen ganz offen „Murks am Bau“ und „Pfusch“ unterstellen. Vorwürfe, die laut Erhard Hiebinger, dem Leiter der Straßenmeisterei Regensburg, keinerlei Rechtfertigung haben.

„Das waren extreme Niederschlagsmengen, die da runterkamen, und die wir in dem Ausmaß noch nie hatten“, betont er. Bis zu 15 Zentimeter hoch sei der Hagel auf der Fahrbahn gelegen. Zusätzlich geht er von einer Niederschlagsmenge von „50 Litern plus pro Quadratmeter“ innerhalb kürzester Zeit aus. „Man kann hier schon von einer höheren Gewalt sprechen“, sagt Hiebinger, der am Wochenende selbst vor Ort war und in seiner ganzen Berufslaufbahn noch keinen ähnlichen Fall erlebt hat.

„Das waren extreme Niederschlagsmengen, die da runterkamen, und die wir in dem Ausmaß noch nie hatten.“

Erhard Hiebinger, Leiter der Straßenmeisterei Regensburg

´Weil der Boden durch die lange Dürreperiode kaum aufnahmefähig war, lief ein Entwässerungsgraben, der von Osten kommend unter der Bahnlinie hindurchführt und teils oberirdisch, teils unterirdisch verrohrt in Richtung Regen verläuft, schnell voll. Bei einem weiteren Graben auf der Baustelle, der laut Hiebinger einem normalen Gewitterregen „jederzeit standgehalten hätte“, verstopfte ein Gemisch aus mitgeschwemmtem Sand, Schotter und vereistem Hagel einen Rohrdurchlass. „Man kennt das Phänomen, wenn Hagel Gullys dicht macht“, erklärt Hiebinger. Dadurch wurden die Wassermassen aufgestaut – ein Damm hielt dem nicht mehr stand und wurde weggespült. Die Folge: Das Wasser lief auf die B 15 und das dort installierte Regenrückhaltebecken.

Von letzterem wird Wasser eigentlich über Pumpen in einen Graben und in Richtung Regen abgeleitet. Allerdings: Der Graben sollte erst in dieser Woche in Betrieb gehen. Das Wasser konnte daher nicht abfließen, die Unterführung lief voll. Doch selbst wenn der Graben bereits in Betrieb gewesen wäre – geändert hätte es an der Situation nichts, betont Erhard Hiebinger. „Im Becken waren 300 000 Liter Wasser, in der Unterführung zwei Millionen Liter. Das hätten auch die Pumpen nicht geschafft.“ Er ist sich sicher: Die alte Unterführung wäre bei dieser extremen Wetterlage genauso überflutet worden. Auch Anpassungen am Neubau sind aus seiner Sicht nicht zielführend. Bei Entwässerungsanlagen würden Standardmaße verwendet, die auch für stärkere Gewitterregen gut gerüstet seien. „Das einzige, was bei solchen Extremereignissen wie am Wochenende helfen würde, ist ein wesentlich größerer Durchlass. Doch das ist bautechnisch kaum realisierbar.“ Die neue Unterführung für das Problem verantwortlich zu machen, sei daher abwegig.

Ein Video von den Folgen des Hagelschauers sehen Sie hier:

Heftiger Hagelschauer bei Wenzenbach

Dass es sich bei dem Gewitter bei Zeitlarn am Samstag um eine sehr extreme Wetterlage handelte, bestätigt auch Meteorologe Dominik Jung vom Internetportal wetter.net. „Bei 40 bis 50 Litern Niederschlag handelt es sich schon gut um die halbe Monatsmenge, die im Mai normalerweise üblich sind.“ Dass diese auf einmal falle, sei äußerst selten.

Bilder von dem heftigen Unwetter am Wochenende sehen Sie hier:

Unwetter im Landkreis Regensburg

Kosten für Reinigung und Wiederherstellung: 30 000 Euro

Auch Erhard Hiebinger hätte lieber darauf verzichtet, so etwas zu erleben. Die Kosten für die Reinigung und Wiederherstellung der Bahnunterführung schätzt er auf rund 30 000 Euro. Dennoch kann er dem ganzen etwas Positives abgewinnen. „Die hervorragende Leistung der vielen Ehrenamtlichen, die bei Regen in Watthosen stundenlang Wasser pumpten oder Schotter aus den Schächten holten – das verlangt höchsten Respekt.“ Neben den Feuerwehren aus Zeitlarn, Laub und Regendorf war auch das THW aus Laaber und Regensburg mit Hochleistungspumpen vor Ort, ebenso Landes- und Bundespolizei sowie Mitarbeiter von Rewag und Bayerngas, weil die Wassermassen eine Gasleitung freigespült hatten, weshalb anfangs Explosionsgefahr befürchtetet wurde. Der Einsatz hätte den Beteiligten schnelle Entscheidungen abverlangt. „So eine Situation kannst du nicht üben“, sagt Hiebinger. „Aber es hat alles so gut geklappt, als hätten das die Helfer vorher trainiert. Das verdient großen Dank.“

Das Bauprojekt

  • Über 100 Jahre alt:

    Die alte Bahnunterführung der B 15 im Norden Zeitlarns stammte noch aus dem Jahr 1896. Sie wurde lange als unübersichtlich bemängelt. Immer wieder kam es zu Unfällen. Seit 2015 laufen die Arbeiten für die neue Bahnbrücke und Unterführung.

  • Bauarbeiten:

    Die neue Bahnbrücke wurde im Oktober 2017 an ihre Position geschoben. Die Bauarbeiten an der Unterführung sollen noch in diesem Sommer beendet werden. Bei dem Unwetter entstand ein Schaden von rund 30 000 Euro.

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