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Gericht

Zum „Spaß“ klauten sie Quad und Mofas

Ein Pärchen wird milde bestraft. Zwei Männer sollen zudem angezündete Böller auf Passanten in Regensburg geworfen haben.
Von Marion von Boeselager, MZ

Vier junge Menschen sollen 2014 in wechselnder Besetzung in und um Regensburg zahlreiche Krafträder, Mofas, Mountainbikes und ein Quad entwendet haben.
Vier junge Menschen sollen 2014 in wechselnder Besetzung in und um Regensburg zahlreiche Krafträder, Mofas, Mountainbikes und ein Quad entwendet haben. Symbolbild: dpa

Regensburg.Drei junge Männer (19 bis 23 Jahre) aus dem Landkreis und ein Mädchen (21) aus der Stadt Regensburg standen am Dienstag wegen einer Vielzahl von Straftaten vor dem Jugendschöffengericht: Das Quartett soll 2014 in wechselnder Besetzung in und um Regensburg zahlreiche Roller, Mofas, Mountainbikes und ein Quad entwendet, Außenspiegel von parkenden Autos abgerissen und in einer Grünanlage beim dortigen Busbahnhof funkensprühende Böller auf Passanten geworfen haben.

Als Motiv gaben die weitgehend geständigen jungen Leute alkoholbedingten Übermut und Langeweile an. Der weibliche Part der Unheil stiftenden Clique gestand hingegen: „Ich hab mitgemacht, weil ich damals sehr verliebt in Lukas (Name geändert) war. Ich war blind vor Liebe.“

Zwei der jungen Männer räumten über ihre Verteidiger Helmut Oertel und Jörg Meyer sofort ein, damals die im südlichen Landkreis geparkten Motorräder und das Quad spontan gestartet und sich unter den Nagel gerissen zu haben. „Ich hab damals einfach nicht nachgedacht. Wir wollten nur zum Spaß mit den Fahrzeugen rumfahren“, erklärte der 23-Jährige, der schon etliche Vorstrafen mitbrachte. „Wenn der Sprit leer war, haben wir die Krafträder einfach stehen lassen.“ Da diese nicht mehr fahrtüchtig waren und aus Angst, erwischt zu werden, hätten sie die Fahrzeuge nicht an den ursprünglichen Platz zurück gebracht. Der Angeklagte gestand auch, bei zwei Fahrzeugen die Zündschlösser aufgebrochen zu haben. Er und sein Compagnon (21) bestritten nicht, einige Zweiräder aus Car-Ports und einer Maschinenhalle entwendet und sie ohne Fahrerlaubnis, teilweise auch ohne Haftpflichtversicherung, benutzt zu haben. Einmal nahmen die Täter auch Bargeld und ein Handy mit. Die Begründung: „Wir hatten Hunger und kein Geld mehr für Alkohol.“ Der Gesamtschaden: mehrere tausend Euro.

Ein Roller landete im Wasser

„Einige Fahrzeuge waren danach stark beschädigt“, hielt Richterin Cornelia Braun den Angeklagten vor. „Ein Roller landete sogar im Wasser.“

Dass die Rolle des Mädchens nicht so ganz die eines unschuldigen Opfers war, belegt die Aussage ihres damaligen Freundes. „Ich hab keine Lust, zu Fuß zu gehen“, soll die 21-Jährige ihn zum Diebstahl eines Rollers animiert haben. „Zeig mal, was für ein Mann in Dir steckt!“ Die 21-Jährige nickte dazu schuldbewusst mit gesenktem Kopf. Immerhin war sie es, die später der Polizei zeigte, wo sich die entwendeten Krafträder befanden.

Zwei der jungen Männer sollen im Oktober letzten Jahres zudem mutwillig in der Nähe des Regensburger Busbahnhofes angezündete Böller in Richtung von Bussen und Passanten geworfen haben. Eine junge Frau hatte Anzeige erstattet, da ihr einer der Täter einen der Knallkörper sogar in den Stiefel gesteckt haben soll. Sie konnte ihn noch rechtzeitig entfernen, gab sie an, bevor er explodierte. Daher warf die Staatsanwaltschaft den zwei Burschen versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

Die Geschädigte erschien indes nicht zum Prozess. Ein Zeuge berichtete: „Ich hörte eine Frau schreien. Dann sah ich, wie ein Mann ihr von hinten einen Böller in den Lederstiefel steckte, der noch Funken sprühte. Sie versuchte, ihn schnell raus zu bringen.“ Die Kollegin des Opfers hatte dies zwar nicht gesehen. Sie schilderte aber die Reaktion der jungen Frau: „Sie weinte und sagte mir, ein Böller sei in ihrem Schuh gelandet. Ich bin mit ihr zur Polizei gegangen.“

Böller in Stiefel gesteckt?

Die beiden Angeklagten gaben nur zu, mit „harmlosen“ Böllern geworfen zu haben. „Das waren keine China-Böller. Die konnten keinen Schaden anrichten.“ Die Stiefelattacke bestritten sie jedoch. „Als ein Böller nah am Schuh einer Frau landete, haben wir ihn sogar zurückgeholt“, beteuerte einer der Männer. Da noch weitere Zeugen benötigt werden, wurde das Verfahren gegen die beiden abgetrennt.

Bei der Erörterung der persönlichen Verhältnisse der verbleibenden Angeklagten – des früheren Pärchens – stellte sich heraus, dass beide junge Leute in Pflegefamilien oder im Heim aufwuchsen und damals bei sich Geborgenheit suchten. Doch die Beziehung tat ihnen nicht gut. Inzwischen geht jeder von ihnen eigene Wege.

Das Gericht ließ beim Urteil für das Pärchen Milde walten: Der 23-Jährige wurde zu zwei Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt, die Strafe aber zur Bewährung ausgesetzt. Seine Ex-Freundin muss 300 Euro Geldstrafe zahlen und an drei Suchtberatungsgesprächen teilnehmen.

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