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Politik

25 Bahn-Ideen für Regensburg

Stadt, Kreis und Eisenbahngesellschaft wollen teils revolutionäre Maßnahmen prüfen lassen. Das Ziel: Pendler in Züge holen.
Von Bettina Mehltretter

Selbst stillgelegte Bahnhöfe wie der in Mangolding sollen unter die Lupe genommen werden. Steigen dort ab etwa 2027 wieder Fahrgäste ein? Fotos: xtl, jn
Selbst stillgelegte Bahnhöfe wie der in Mangolding sollen unter die Lupe genommen werden. Steigen dort ab etwa 2027 wieder Fahrgäste ein? Fotos: xtl, jn

Regensburg.Rund 76 000 Menschen pendeln aus dem Umland zu ihren Arbeitsplätzen in die Stadt Regensburg, 18 000 pendeln aus der Stadt hinaus. Weil noch immer viele lieber mit ihrem eigenen Auto fahren, wollen Stadt, Landkreis und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) nun in einer groß angelegten Studie die Entwicklungsmöglichkeiten für den Personennahverkehr auf Schienen ausloten lassen. Auf der Liste, die die Kreisräte an diesem Donnerstag im Wirtschaftsausschuss vorgelegt bekommen, stehen 25 Ideen.

Mit den sechs Jahren Stau auf der A3-Baustelle, die bevorstehen, hat dieser Vorstoß aber nichts zu tun. Im Fokus der Untersuchung steht der Zeitraum ab 2022, die nächste Ausschreibungsphase der BEG. Laut Dr. Christoph Häusler, Geschäftsführer der landkreiseigenen Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (GFN), beauftrage die BEG für diese Zeit die bayerischen Verkehrsunternehmen neu. Zuvor müssten die Wünsche angemeldet werden.

 Dr. Christoph Häusler (links) – hier mit Frank Steinwede, Betriebsleiter der RVB – ist der Verkehrsexperte des Landkreises. Foto: Tino Lex
Dr. Christoph Häusler (links) – hier mit Frank Steinwede, Betriebsleiter der RVB – ist der Verkehrsexperte des Landkreises. Foto: Tino Lex

Allerdings räumt Häusler ein, dass es sich bereits abzeichne, dass „zumindest für den ersten Teil des Beauftragungszeitraums nur geringe Leistungssteigerungen möglich sind“. Denn im bestehenden Bahn-Netz gebe es kaum Ausbaumöglichkeiten. Häusler spricht lediglich von „dem ein oder anderen Zug, der hinzukommt“. Kürzere Taktungen seien vorerst nicht zu erwarten. Der GFN-Chef hofft stattdessen auf 2027: Bis dahin könnten die Schienen weiter ausgebaut sein.

Auf den Prüfstand kommen beispielsweise Bahnhaltepunkte, die neu entstehen könnten: etwa in Riegling, Diesenbach und Laub und in Regensburg an der Landshuter Straße oder am Candis-Areal. Außerdem geht es unter anderem um einen zusätzlichen Bahnsteig im Regensburger Hauptbahnhof, den Ausbau von mehreren Bahnstrecken und die Optimierung von bestehenden Stationen: Beispielsweise soll geklärt werden, ob die Bahnstation in Obertraubling derart angepasst werden kann, sodass die BMW-Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle auch fußläufig problemlos erreichen können.

Gutachten kostet 267 365 Euro

Untersuchen soll diese Ideen die Gauff Rail Engineering GmbH & Co. KG aus Nürnberg. Der Wirtschaftsausschuss wird voraussichtlich entscheiden, dass sich der Landkreis an dem Gutachten beteiligt, das mit Kosten in Höhe von insgesamt 267 365 Euro veranschlagt ist. Der Landkreis soll knapp ein Fünftel davon tragen.

Während der Projektphase verfolgen die Beteiligten einen Ansatz, der im Bereich des Schienenverkehrs offenbar bislang kaum angewendet worden ist. Häusler zufolge soll erst der Wunsch-Fahrplan entwickelt werden, danach die Infrastruktur, die dafür nötig ist. Thema sei dabei auch der Bus- und gegebenenfalls der Tramverkehr und dessen Verknüpfung zum Schienenpersonennahverkehr. Wie viele der 25 Ideen tatsächlich umgesetzt werden können, kann der Verkehrsexperte des Landkreises allerdings noch nicht abschätzen. Knackpunkt für die zusätzlichen Haltepunkte dürften die 1000 Ein- und Ausstiege pro Tag sein, die die Bahn als Betreiber der Stationen fordert.

Für die Mintrachinger wäre ein eigener Bahn-Halt eine enorme Bereicherung, sagt Bürgermeisterin Ritt-Frank.Archivfoto: Matok
Für die Mintrachinger wäre ein eigener Bahn-Halt eine enorme Bereicherung, sagt Bürgermeisterin Ritt-Frank.Archivfoto: Matok

Das weiß auch Mintrachings Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank, in deren Zuständigkeitsbereich die beiden Bahnstationen Moosham und Mangolding liegen, die vor Jahrzehnten geschlossen worden sind, über deren Reaktivierung nun aber nachgedacht werden soll. Ritt-Frank sagt: „Wir wären komplett begeistert, wenn man dort wieder in den Zug steigen könnte.“ Trotzdem macht sie sich nur wenig Hoffnung. „Dass wir die 1000 Ein- und Ausstiege erreichen, halte ich für sehr schwierig“, sagt die Bürgermeisterin. Mintraching wachse zwar langsam, aber nicht in diesem Ausmaß. Dennoch hat die Gemeinde schon mehrfach bei der BEG angeregt, die Haltepunkte wieder mit in den Fahrplan aufzunehmen.

Landkreis, Stadt und BEG wollen auch eine zusätzliche Bahnstation für den Sinzinger Gemeindebereich auf den Prüfstand stellen: In Riegling, an der Strecke Regensburg – Ingolstadt, könnten in Zukunft Pendler aus dem westlichen Landkreis von ihren Autos auf die Züge umsteigen. Die Gemeinde Sinzing könnte eine Park&Ride-Anlage bauen. Bürgermeister Patrick Grossmann träumt schon von einer Stadtbahn entlang der Bahnlinie, mit einer dichteren Taktung der Züge und einem dichteren Haltestellennetz. Allerdings klagt auch er über die hohen Anforderungen: Die 1000 Ein- und Ausstiege, die die Bahn fordert, seien eine „große Herausforderung“. Sogar in Regensburg, im neuen Stadtviertel Dörnberg, könne diese Zahl nicht erreicht werden.

„Jetzt müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um zu verhindern, dass Maßnahmen wieder verschoben oder nicht realisiert werden.“

Dr. Martin Kammerer, IHK

IHK drängt auf rasche Lösungen

Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums, das im Raum Regensburg die wirtschaftlichen Interessen gegenüber der Politik vertritt, befürchtet, dass sich die Verkehrsproblematik negativ auf den Wirtschaftsstandort Regensburg auswirken könne, sofern es nicht zeitnah Lösungen gibt. Daher begrüße die IHK die Studie. „Jetzt müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um zu verhindern, dass Maßnahmen wie die Regensburger Bahnhaltepunkte Walhallastraße oder Klenzebrücke wieder verschoben oder nicht realisiert werden“, sagt er. Die Wirtschaft plädiere allerdings weniger für Einzelmaßnahmen als für ein Gesamtmobilitätskonzept für Stadt und Landkreis. Priorität haben für die Unternehmen Bahnhaltepunkte mit einer hohen Pendler-Zahl, wo P&R, Schienenverkehr, Regionalbusse und ÖPNV zusammenlaufen. Zudem fordert die IHK, gut angenommene Haltestellen nicht zu schwächen – wie es etwa dem Burgweintinger bevorsteht, weil der Flughafenexpress laut den aktuellen Plänen nicht dort, sondern erst in Obertraubling halten wird.

Die komplette Liste der Ideen, die überprüft werden sollen, sehen Sie hier.

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