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Zeitgeschichte

2004: Zapfenstreich für Kaserne Hemau

Vor rund zehn Jahren gingen in der General-von Steuben-Kaserne die Lichter aus. Das Raketenartilleriebataillon 42 auf dem Tangrintel war nun Historie.
Von Bernhard Seiberl und Dietmar Krenz, MZ

Der letzte Hemauer Kommandeur, Oberstleutnant Joachim Renner, fuhr mit den letzten beiden Raketenwerfern des Typs „MARS“ an den rund 500 angetreten Soldaten bei der Abschlussparade vorbei. Foto: Krenz

Hemau. Der 27. Juni 2003 ist ein trauriges Datum in der Geschichte der Stadt Hemau. An diesem Tag traten rund 400 Offiziere und Soldaten auf der Bundeswehr-Sportanlage zum offiziellen Auflösungsappell an. Das Heeresmusikkorps blies zum Zapfenstreich für die General-von-Steuben-Kaserne. Die endgültige Schließung wurde für den 31. Dezember 2003 festgesetzt. Zu Jahreswechsel 2003/2004 ging die 37-jährige Geschichte des Bundeswehr-Standorts am Tangrintel zu Ende.

Wie ein Lauffauer hatte sich bereits im Jahr 2001 die Nachricht über die bevorstehende Kasernenschließung verbreitet. Für viele Hemauer Bürger und Soldaten wurde diese Information aus dem Verteidigungsministerium wie ein Nackenschlag empfunden.

Waffensystem wurde umgestellt

„Das kann doch nicht sein“, haben sich viele Soldaten damals gefragt. Hatte die Bundeswehr doch erst kurz zuvor in eine neue und moderne Heizanlage investiert, die Truppenküche saniert, ein neues Mannschaftsheim gebaut und der Umbau des Unteroffiziersheim stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Fertigstellung.

Militärisch war gerade die Umstellung des Waffensystems vom leichten Artillerie-Raketen-System (LARS) auf das effektivere mittlere Artillerie-Raketen-System (MARS) vollzogen worden. Diese Maßnahmen sorgten bei den Soldaten und Angehörigen zunächst für Zuversicht. „Wir werden bestimmt nicht aufgelöst“, lautete die Parole. „Die bevorstehende Reform der Streitkräfte geht an uns vorüber.“ Doch es kam ganz anders.

15 500 Unterschriften gesammelt

Unter dem Motto „Eine Stadt wehrt sich“, demonstrierten rund 4000 Menschen am 16. Februar 2001 für den Erhalt des Bundeswehrstandorts. Eine Unterschriftenaktion, initiiert von der Stadt Hemau und dem Landkreis Regensburg, brachte 15.500 Unterschriften, auch von Bürgern der Landkreise Kelheim und Neumarkt, die so ihre Solidarität mit den Soldaten bewiesen.

Bürgermeister Hans Pollinger reiste mit einer sechsköpfigen Delegation nach Berlin, um bei Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Staatssekretär Walter Kolbow für den Erhalt zu kämpfen. Alle politischen Wege bis hin zum Bayerischen Ministerpräsident wurden ausgeschöpft, um eine Änderung zu erwirken.

Doch es half alles nichts. Die Standortschließung wurde auf den 31. Dezember 2003 terminiert. Wollte man sich von der Bevölkerung gebührend verabschieden, musste man dies zu einem Zeitpunkt tun, an dem noch Soldaten am Standort waren. Der Auflösungsappell wurde auf den 27. Juni 2003 festgelegt. Auf dem Sportplatz der General-von-Steuben-Kaserne fand die wehmütige Zeremonie statt.

Der letzte Hemauer Kommandeur, Oberstleutnant Joachim Renner, sprach bei seiner Abschlussrede von neuen Aufträgen und anderen Einsatzorten für die Bundeswehr. Er dankte der Garnisonsstadt Hemau und meinte, der Standort war einer wie es sich die Bundeswehr nur wünschen könne.

Bezirkstagspräsident Rupert Schmid betonte nochmals, er halte die Schließung des Standorts für falsch. „Nur wenn der Frieden erhalten bleibt, können wir den heutigen Tag verschmerzen“. Zum Abschied spielte das Heeresmusikkorps 4 „Time to say goodbye“. Mit Bayernlied und Nationalhymne endete der Appell.

Nach und nach wurden in der Kasernenanlage Personal und Material abgewickelt. Dem bereits verstorbenen Major Helmut Zenker blieb es vorbehalten am 19. Dezember 2003 das letzte Antreten des Nachkommandos durchzuführen. Eine kleine Gruppe erledigte bis 30. März 2004 noch Restarbeiten, dann ging endgültig das Licht in der Kaserne aus. Der Bundeswehrstandort Hemau hatte aufgehört zu existieren.

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