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Evakuierung

500-Kilo-Bombe in Obertraubling gefunden

Die Evakuierung beginnt ab 9 Uhr. Die Zugstrecken nach München und Passau werden gesperrt, 1000 Menschen evakuiert.
Von Bettina Mehltretter und Ernst Waller

Obertraubling.In Obertraubling ist am Montagabend eine riesige Evakuierungsaktion angerollt. Arbeiter hatten am frühen Nachmittag bei Sondierungsarbeiten auf einem Baugebiet östlich der Anno-Santo-Siedlung in rund zwei Metern Tiefe eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Kalt erwischt hat diese Nachricht die Obertraublinger aber nicht. Zweiter Bürgermeister Rainer Sinn, der gerade Rudi Graß im Amt vertritt, sagt: „Wir haben damit gerechnet. Und da liegt vermutlich noch mehr.“

Denn in der Nähe der Siedlung befand sich im 2. Weltkrieg auf dem Gebiet des heutigen Neutraubling ein großes Messer-Schmitt-Werk inklusive Flughafen. Die Alliierten bombardierten sowohl die Messerschmitt-Hallen als auch die Bahngleise bei Obertraubling intensiv. Weil auch heute noch regelmäßig Bomben aus dieser Zeit bei Bauarbeiten gefunden werden, ist es in diesem Bereich bei neuen Baugebieten Pflicht, das Gelände vor der Bebauung auf die Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg zu untersuchen. Bei derartigen Sondierungsarbeiten wurde jetzt der Blindgänger entdeckt.

Bürgertelefon freigeschaltet

Eine so große Evakuierungsaktion, wie sie der Gemeinde am Dienstag bevorsteht, hat zweiter Bürgermeister Sinn allerdings noch nicht erlebt. In der 700-Meter-Sicherheitszone, die rund um den Fundort der Bombe eingerichtet worden ist, leben rund 1000 Menschen. Ab neun Uhr morgens müssen sie alle raus. Sinn zufolge seien auch Seniorenheime in der Umgebung angefragt worden, falls Pflegebedürftige verlegt werden müssen.

Nahe des Fundorts wurde eine weitere Bombe entdeckt:

Polizei

Zweite Fliegerbombe in Obertraubling

Nach dem gestrigen Fund wurde ein weiterer, kleinerer Blindgänger gefunden. Er muss vor Ort gesprengt werden.

Am Montagabend klingelten Polizisten an den Türen der Wohnungen im betroffenen Gebiet, teilten Infoblätter aus. Die Gemeinde Obertraubling hat außerdem ein Bürgertelefon für alle Fragen rund um die Evakuierung eingerichtet. Die Hotline ist am Montag bis 21 Uhr und am Dienstag ab 7 Uhr morgens besetzt (Tel. 09401/960115). Auch wer Hilfe braucht, um zur Notunterkunft in der Grundschule in der Piesenkofener Straße zu kommen, soll sich dort melden. Etliche, darunter Bürgermeister Sinn selbst, machen sich schon bereit, um bei Bedarf Anwohner mit einem der Kleinbusse des Sportvereins zu chauffieren.

Mehr Bilder vom Bomben-Fundort sehen Sie hier:

Bombenfund in Obertraubling

Probleme in der Vergangenheit

Bei anderen Evakuierungsaktionen an anderen Orten hatte es in der Vergangenheit öfter Probleme gegeben, weil Menschen sich geweigert haben, ihre Wohnungen zu verlassen. Obertraublings Feuerwehrkommandant Günther Hackauf hofft diesmal auf die Vernunft der Anwohner. Er ist mit rund 60 weiteren ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Einsatz. Zusätzlich zu seinen eigenen Leuten hat er die Kameraden aus Gebelkofen, Niedertraubling, Oberhinkofen, Neutraubling, Burgweinting und Mangolding um Hilfe gebeten. Hinzu kommen die Kräfte des Bayerischen Roten Kreuzes, viele Polizisten und die Bauhofmitarbeiter, die vor allem im Bereich der Straßensperrungen tätig sein werden.

Ab 9 Uhr morgens wird im Nordwesten Obertraublings die B15 in Richtung Gewerbegebiet Nord ab der Herbert-Quandt-Allee und die Walhallastraße in südlicher Richtung ab der Südumgehung gesperrt. In Niedertraubling darf die Mangoldinger Straße ab der Ortseinfahrt nicht mehr befahren werden.

Auch Bahnreisende müssen sich auf Einschränkungen einstellen: Der Zugverkehr entlang der Strecken von Regensburg nach Landshut/München und Passau wird für die Zeit der Entschärfung eingestellt. Der Bahnhof Obertraubling wird nach Polizeiangaben bis 13.35 Uhr angefahren und ab dann gesperrt. Auch auf Bahnhöfen im Umkreis müssen Reisende mit Beginderungen rechnen. Die Verantwortlichen der Bahn hoffen, dass die Sperrung der Zugstrecken bis 16 Uhr, wenn der Berufsverkehr einsetzt, aufgehoben werden kann, wie ein Sprecher des Unternehmens erklärte. Die Bahn versuche mit verschiedenen Maßnahmen, vor der Streckenschließung möglichst viel Fernverkehr durchzuschleusen.

Schulfrei ab 13.05 Uhr

Im Evakuierungsbereich liegen auch der Kindergarten Rappelkiste und die Realschule. Die Nachricht vom Bombenfund hat Realschul-Konrektor Bernd Namislo und seine Kollegen mitten in der Notenkonferenz erreicht. Wenig später begann Namislo zu telefonieren. Nach der ersten Aussage der Behörden hätte die Realschule um 12 Uhr geräumt werden müssen, erzählt Namislo.

Die Polizei hat diesen Zeitpunkt aber noch hinauszögern können und so ein Verkehrschaos verhindert: Denn um 12 Uhr hätten die Eltern ihre Kinder selbst abholen müssen. Jetzt können die Schüler wie üblich nach der sechsten Unterrichtsstunde um 13.05 Uhr mit den Bussen nach Hause fahren. Die Kinder, die zu Hause nicht betreut werden können, marschieren dann mit mehreren Lehrern in die Notunterkunft. Der Kindergarten bleibt unterdessen den ganzen Tag über geschlossen.

BMW-Werk nicht betroffen

Auch etliche Firmen und Geschäfte liegen im Evakuierungsradius. Das Autohaus Dressler etwa schließt um 13 Uhr. Das Regensburger BMW-Werk, dass sich in der Nähe der Sicherheitszone befindet, muss allerdings nicht evakuiert werden.

„Die Evakuierung wird sehr zivilisiert verlaufen.“

Rainer Sinn, 2. Bürgermeister

Bei zwei Krisenbesprechungen haben Bürgermeister Rainer Sinn, das Nürnberger Sprengkommando, Bauhof- und Verwaltungsmitarbeiter sowie Vertreter von Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz den Tagesablauf detailliert besprochen. Sinn ist sich sicher: „Die Evakuierung wird sehr zivilisiert verlaufen.“

Um 14 Uhr soll das Sprengkommando mit der genauen Untersuchung des Blindgängers und der Entschärfung beginnen. Wie lange das dauern wird, ist noch völlig offen. Nach einem Gespräch mit den Experten des Sprengkommandos sagt Bürgermeister Sinn: „Es könnten auch zwei Bomben sein.“ Sicher sei man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht, die genaue Untersuchung kann erst nach der abgeschlossenen Evakuierung beginnen. In jedem Fall sei es „ein sehr großes Ding“.

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