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Ereignis

Fürstin fuhr mit dem Bentley vor

Bis kurz vor Ausstellungseröffnung war es nicht sicher, ob Gloria tatsächlich erscheinen würde. Doch Ihre Durchlaucht machte die Organisatoren glücklich.
Von Felix Jung, MZ

  • Fürstin Gloria von Thurn und Taxis trägt sich ins Goldene Buch der Marktgemeinde ein, das im Bürgersaal bereitliegt. Ein wenig stolz scheint der SPD-Rathauschef Jürgen Sommer schon zu sein. Fotos: Schmid/Jung
  • Die Fürstin steigt aus dem Auto aus.
  • Der Chefarchivar des Fürstenhauses, Dr. Peter Styra, begleitet Gloria von Thurn und Taxis über die Straße.
  • Blumen von Bürgermeister Jürgen Sommer, der am Eingang des Bürgerhauses wartet.

Donaustauf/Regensburg.Sie fuhr mit einem Bentley vor, die Maxstraße hinauf. Englisches Kennzeichen. Schaulustige waren gekommen, um einen unmittelbaren Blick von Ihrer Durchlaucht zu erhaschen. Hochrufe waren zwar nicht zu vernehmen, aber ein roter Teppich war zu Ehren von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ausgerollt worden, die die Ausstellung „200 Jahre Thurn und Taxis in Donaustauf“ offiziell eröffnen sollte.

Das Begrüßungskomitee vor dem historischen Bürgerhaus in Donaustauf bildeten Bürgermeister Jürgen Sommer, Ortsheimatpfleger Dr. Hermann Hage, der Ideengeber und Initiator dieser Veranstaltungsreihe ist, und Dr. Peter Styra, Chefhistoriker des fürstlichen Haus und Chefarchivar der Hofbibliothek, der das Vorhaben kräftig unterstützte. Der Rathauschef übergab einen Blumenstrauß. Rosen, die die Fürstin weiter an ihren Chauffeur zur Aufbewahrung reichte.

Fürstin Gloria bestach mit einer gewagten, aber wunderbar-pfiffigen Kombination aus einem grauen Trachtenjanker mit grün-rotem Ausputz und orange leuchtenden Stoffhose. Ein Schal fehlte freilich nicht. Stilvoll war zudem an diesem verregneten Samstagnachmittag ihr Sonntagslächeln, das sie aufgesetzt hatte.

Sonntagslächeln im Regen

Bis kurz vor Ausstellungseröffnung war es nicht sicher, ob Gloria tatsächlich erscheinen würde. Frühmorgens war es um ihre Gesundheit nicht sonderlich gut bestellt gewesen. Am Vorabend hatte sie im Dauerregen bei „ihren“ Schlossfestspielen mit vielen anderen zur Musik von Roger Cicero begeistert mitgetanzt und bei den Jazz-Rhythmen mitgeschnippt. Trotz der Grippe, die sie vor zahlreichen Ehrengästen bereitwillig bestätigte (Gloria: „erkältet und mit Fieber aufgewacht“), ließ sie sich es dennoch nicht nehmen, am Festwochenende an den geschichtsträchtigen Ort ehemaliger Besitzungen des Fürstenhauses dero selbst zu erscheinen. Noch im Jahr 1999 hatte sie zur Einweihung des re-staurierten Chinesischen Turms, der einst im Donaustaufer Fürstengarten stand und knapp 100 Jahre später dorthin zurückkehrte, als Schirmherrin kurzfristig abgesagt. Damals war die Enttäuschung groß. Nur die Anwesenheit des bayerischen Kultusministers und chinesischen Vizeministers für Kultur tröstete mehr als 1000 Gäste.

Der Rahmen dieses Mal war zwar bedeutend kleiner, aber das geschichtliche Jubiläum umso bedeutsamer. 1812 hatte der bayerische König Thurn und Taxis mit der Herrschaft Donaustauf belehnt. Nach einem unruhigen und wirtschaftlich schwierigen 18. Jahrhundert kam mit dem Fürstenhaus der Aufschwung für die Marktgemeinde und deren Bürger.

Eine Motorradfahrt mit Herz

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis war von dem Engagement der Organisatoren sehr angetan und lobte das Geschichtsbewusstsein. Damit brächten sie eine Verbundenheit zum Ausdruck, die sie als Vertreterin des Hauses Thurn und Taxis sehr freue. Gloria: „Ich darf Ihnen versichern, dass in meinem Herzen besonders der Markt Donaustauf einen ganz, ganz tiefen Platz hat.“ Die Ausstellung selbst besah sich die Fürstin krankheitsbedingt nur kurz im Vorbeigehen, kündigte aber an, wenn sie wieder genesen sei, eine Motorradfahrt hierher zu unternehmen und sich vom „Herrn Ortsheimatspfleger“ persönlich „diese wunderbare Ausstellung“ zeigen zu lassen.

Zuvor hatte Veranstaltungschef Dr. Hage die Bedeutung des Fürstenhauses in der Vergangenheit und in der Zukunft der Marktgemeinde betont: „Denen die hier leben, scheint alles vertraut und auch selbstverständlich. Aber ohne Thurn und Taxis gäbe es hier keine Walhalla, keinen Fürstengarten oder keine Lindenallee auf der Burg, ein Naturdenkmal ersten Ranges.“ Das Ortsbild sei durch diese Epoche geprägt. Das sei eine Verpflichtung für den Markt, mit dem kulturellen und baugeschichtlichen Erbe „sehr sorgsam umzugehen“. Dr. Hage: „Was einmal abgerissen ist bleibt verschwunden.“

Bürgermeister Sommer nannte die Ausstellung eine einmalige Chance, solche Exponate zu sehen, die dann vielleicht wieder auf Jahrzehnte in den Archiven und Depots schlummerten.

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