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Ausweichmanöver

A3: Drängler bringt Frau in Gefahr

Eine junge Mutter wurde von einem Geländewagenfahrer so massiv ausgebremst, dass sie kurz die Kontrolle über ihr Auto verlor.
Von Marion von Boeselager

Die junge Frau war nach dem Vorfall auf der Autobahn zunächst geschockt. Sie sei mit Herzrasen nach Hause gefahren. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die junge Frau war nach dem Vorfall auf der Autobahn zunächst geschockt. Sie sei mit Herzrasen nach Hause gefahren. Foto: Patrick Pleul/dpa

Wörth.Ein Verkehrsrowdy soll im April 2018 eine Autofahrerin auf der A 3 bei Wörth durch Drängeln und massives Ausbremsen in die Bredouille gebracht und zu einem riskanten Ausweichmanöver gezwungen haben, das glücklicherweise folgenlos blieb. Jetzt stand der 33-jährige IT-Techniker wegen Nötigung vor dem Amtsgericht. Er hatte gegen seinen Strafbefehl über 1400 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot Einspruch eingelegt.

„Scheibenwischer“ gezeigt

Laut Strafbefehl fuhr der Mann am Steuer eines Geländewagens in Fahrtrichtung Regensburg zunächst dicht auf den Skoda der 31-jährigen Realschullehrerin aus Kelheim auf, die gerade mit 130 Stundenkilometern und Tempomat einen Lkw überholte. Die Frau konnte die Scheinwerfer ihres Hintermannes nicht mehr im Rückspiegel sehen. Nachdem sie sich bei gleichbleibendem Tempo nach dem Lkw wieder rechts eingeordnet hatte, fuhr der SUV-Lenker nach Angaben der Geschädigten eine zeitlang auf der linken Fahrspur neben ihr und zeigte ihr, als sie nach links in seine Richtung blickte, den „Scheibenwischer“. Dann zog er weiter vor sie und bremste sie so massiv aus, dass die Frau zeitweise die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor. Dabei war die Autobahn vor ihm völlig frei.

Justiz

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Die Skodafahrerin musste hart auf die Bremse steigen, um eine Kollision mit dem Geländewagen zu vermeiden. Sie riss das Steuer nach links auf die linke Fahrspur, auf der sich zum Glück gerade kein Fahrzeug befand. Dabei brach das Heck aus. Ihr Auto geriet ins Schlingern. Dann gelang es der Lehrerin, den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen. Sie notierte sich den Fahrzeugtyp und das Kennzeichen.

Der IT-Techniker erklärte vor Gericht: „Ich kann mich nicht an sowas erinnern, dass ich sowas gemacht habe.“ Er räumte jedoch ein, dass nur er den VW-Touran fahre. Dieser sei „Geschäftswagen zur Privatnutzung.“

Die verheiratete Mutter einer kleinen Tochter erinnerte sich aber noch sehr wohl an den Fahrer, der sie, mit blauem Poloshirt und dunkler Sonnenbrille bekleidet, mit der beleidigenden Geste bedachte. „Ich war ihm wohl zu langsam.“ Auf Frage des Gerichts, ob es sich dabei um den Angeklagten handeln könne, nickte sie. In dem Schreckmoment, als sie das Steuer nach links reißen musste, sei ihr klar gewesen: „Wenn jemand auf der linken Spur fährt, kracht es.“

Herzrasen und Zittern

Kurz nach dem Vorfall habe der Drängler die Autobahn verlassen. Sie sei „aufgewühlt und mit Herzrasen“ weiter zu ihren Eltern nach Kelheim gefahren. „Erst dort fing ich an zu zittern und zu weinen.“ Als sie sich wieder etwas im Griff hatte, fuhr sie zur Polizei und erstattete Anzeige. Sie fahre die gleiche Strecke schon seit fünf Jahren, fügte die junge Mutter hinzu. Aber dies sei für sie kein Vorfall gewesen, wie sie ihn öfters auf der Autobahn erlebe. Zeugen, die den Vorfall mitbekommen hatten, fanden sich indes nicht.

Regelmäßig sind die Reporter der Mittelbayerischen bei Gerichtsprozessen am Amts- und Landgericht Regensburg. Mehr Gerichtsberichte finden Sie in unserem Dossier.

Schon in Vorgesprächen zwischen Verteidigerin Annika Grimme und Gericht war die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens angedacht worden, teilte Richterin Miriam Röslmeier mit. Die Staatsanwaltschaft hätte bei einer Geldbuße von 800 bis 1400 Euro mitgespielt, hatte aber auf dem Fahrverbot beharrt. Nach einem neuerlichen Rechtsgespräch einigten sich die Prozessbeteiligten schließlich darauf, das Fahrverbot für den Drängler fallen zu lassen. Er muss aber eine Geldbuße von 1000 Euro an ein Kinderhilfswerk zahlen.

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Nötigung

  • Paragraf:

    Nötigung ist im deutschen Strafrecht ein Freiheitsdelikt, geregelt in § 240 StGB. Schutzgut ist die Freiheit der Willensentschließung und -betätigung. Die Norm verbietet, einen anderen durch Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen Übel zu etwas zu zwingen.

  • Strafe:

    Nötigung kann mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe bestraft werden.

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