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Umwelt

Abwasser wird strenger kontrolliert

Der AZV Regental zahlt für mehr Dreck höhere Gebühren an die Kläranlage Regensburg. Neuer Mitarbeiter prüft jetzt regelmäßig.
Von Sabine Norgall, MZ

Ein Großteil der Arbeit von Andreas Wolf (Mitte) findet am Schreibtisch in seinem Büro im Regenstaufer Rathaus statt. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Geschäftsführer Markus Scheuerer (links) und AZV-Vorsitzendem Fritz Dechant (rechts). Foto: Norgall
Ein Großteil der Arbeit von Andreas Wolf (Mitte) findet am Schreibtisch in seinem Büro im Regenstaufer Rathaus statt. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Geschäftsführer Markus Scheuerer (links) und AZV-Vorsitzendem Fritz Dechant (rechts). Foto: Norgall

Regenstauf.Der Vorsitzende des Abwasserzweckverbands Regental (AZV), Fritz Dechant, bringt den Aufgabenbereich, den Andreas Wolf beim AZV neu übernommen hat, knapp und umfassend auf den Punkt: „Wir kontrollieren jetzt alles.“ Eigentlich, sagt Dechant, hätten die Kontrollen auch bisher schon erfolgen müssen. Wegen fehlender Personalstärke ließ man es in der Vergangenheit aber zumeist überall dort auf Stichproben beruhen, wo man jetzt systematisch vorgeht. Dechant: „Bis jetzt hat das keiner gemacht, weil wir vonseiten des Landratsamtes nicht den Druck hatten, das zu überprüfen.“ Mittlerweile frage das Wasserwirtschaftsamt allerdings genau nach und schreibe vor, welche Kontrollleistungen der Abwasserzweckverband erbringen müsse.

Die Auflagen steigen

Im wesentlichen gibt es zwei Gründe, die jetzt zu einer strengeren Überwachung führten. Zum einen werden die Umweltauflagen an den AZV bezüglich des Dreckwassers und der Ableitung des Oberflächenwassers immer strenger, zum anderen reichen bei steigender Schmutzfracht die Einwohnergleichwerte, mit denen sich der Abwasserzweckverband in die Kläranlage Barbing einkaufte, längst nicht mehr aus. Bei 42 000 Einwohnergleichwerten lag die Zahl für den Einzugsbereich Regenstauf, Zeitlarn, Wenzenbach und Ortsteile von Maxhütte-Haidhof konstant über viele Jahre hinweg.

„Die Brühe wird immer intensiver“

Doch dann stieg durch Neubaugebiete nicht nur die Menge an Schmutzwasser. Auch die CSB-Belastung (chemischer Sauerstoffbedarf) im Wasser, nach der die Einwohnergleichwerte berechnet werden, die ein Einleiter kaufen muss, stieg kontinuierlich an. Fritz Dechant fasst die Fachbegriffe kurz zusammen: „Die Brühe wird immer intensiver.“ Das liegt zum einen daran, dass aus Neubaugebieten seit 2010 nur noch das Schmutzwasser und nicht mehr das Oberflächenwasser in den Kanal eingeleitet wird. Zum anderen gelangen viel zu viele Stoffe in den Kanal, die dort nichts zu suchen haben.

Für die Jahre 2016, 2017 und 2018 musste der AZV zusätzlich 14 000 Einwohnergleichwerte hinzumieten. Die Kosten dafür liegen bei 112 000 Euro pro Jahr. Durch verstärkte Kontrollarbeit soll jetzt unter anderem Andreas Wolf dazu beitragen, dass die CSB-Belastung wieder sinkt. Die Werte, zieht Dechant ein vorläufiges Zwischenergebnis zu Wolfs Arbeit, würden auch schon wieder besser.

Abwasserplan wird digital

Andreas Wolf ist aktuell dabei, mittels eines neu erstellten Erhebungsbogens ein Überwachungskataster aufzubauen. Dazu gehören die umfassende Beratung von Gewerbetreibenden, die Abwässer in die Kanalisation einleiten, ebenso, wie die Kontrolle der vorgeschriebenen Abscheider, die diese einbauen müssen. Für Gewerbetreibende gelten strengere gesetzliche Vorgaben. Wolf veranlasst zum Beispiel das Nachrüsten von Fettabscheidern bei Gaststätten, Metzgereien oder Großküchen, von Ölabscheidern in Autowerkstätten oder von Amalgamabscheidern in Zahnarztpraxen. Vor Ort kontrolliert er, dass Landwirte keine Milch durch den Kanal entsorgen, da Milchsäure hochaggressiv ist und Milch hohe Abwasserwerte aufweist. Bei gewerblichen Einleitern fordert Wolf die jährlich vorzubringenden Entsorgungsnachweise an und überprüft diese.

Beratung wird immer wichtiger

Direkt vor Ort überprüft Andreas Wolf, ob die Baumaßnahmen mit den eingereichten Plänen übereinstimmen. Foto: Norgall
Direkt vor Ort überprüft Andreas Wolf, ob die Baumaßnahmen mit den eingereichten Plänen übereinstimmen. Foto: Norgall


Neben der Verringerung der Schmutzbelastung legt Andreas Wolf auch ein verstärktes Augenmerk auf Fremdwasser im Kanal, auf Drainagen oder Quellen, deren Einleitung in den Kanal nicht gestattet ist. Zusätzlich zur Kontrolle ist Wolf insbesondere auch für den steigenden Informationsbedarf der Bürger zuständig. So berät er nicht nur bei Grundstücksanschlüssen von Neubauten und ist dabei für Genehmigung und Abnahme des Entwässerungsplans zuständig. Grundsätzlich soll der gesamte Entwässerungsplan im Bereich des Abwasserzweckverbands Regental digitalisiert werden, so dass es künftig problemlos möglich sein soll, auch bei Altbeständen genau angeben zu können, wo die Abwasserleitungen verlaufen.

Seit dem Jahr 2010 darf das Oberflächenwasser (Dachentwässerung), das auf einem Grundstück anfällt, nicht mehr in den Schmutzwasserkanal geleitet werden. Hierzu erfüllt Wolf den großen Beratungsbedarf von Bauherren, die wissen wollen, wohin mit dem Regenwasser. Er gibt Auskunft darüber, wie groß das Rückhaltevolumen auf dem eigenen Grundstück sein sollte, berät zu Retentionszisternen, Rigolen oder Muldenversickerung und weiß, in welchen Graben oder Bach der Notüberlauf eingeleitet werden darf.

AZV-Vorsitzender Dechant ist überzeugt, dass sich der Einsatz von Andreas Wolf langfristig nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Finanzen des AZV lohnen wird: „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Kosten für den neuen Arbeitsplatz langfristig durch die Ersparnisse bei der Gebühr für das Schmutzwasser ausgleichen.“

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