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Adlersberg als Mekka der Töpferkunst

Tonkünstler aus ganz Deutschland präsentierten ihre Werke. Sie zeigten innovative und bodenständige Arbeiten.
Von Andrea Leopold

Ute André-Engelhardt aus Neuried zeigt ihre preisgekrönten Raku-Keramik-Objekte. Fotos: Leopold
Ute André-Engelhardt aus Neuried zeigt ihre preisgekrönten Raku-Keramik-Objekte. Fotos: Leopold

Adlersberg.Unverändert wie seit Monaten sticht die Sonne auf die Wiese beim Prösslbräu in Adlersberg. Bestes Wetter für die Betreiber des 16. Töpfermarktes und die Besucher, um neue Ideen für Haus und Garten zu sammeln und das eine oder andere Schmuckstück zu erwerben. Künstler und Kreative, Idealisten und Ideengeber trafen sich hier wie jedes Jahr und zeigten ihre innovativen, aber auch bodenständigen Arbeiten, die manchmal mehr in Richtung Gebrauchskunst gingen, manchmal sehr modern und experimentell daherkamen.

Einige der Aussteller haben bereits Preise eingeheimst für ihre schöpferischen Kreationen. So gewann Ute An-dré-Engelhardt mit ihrer Raku-Brenntechnik bereits zum dritten Mal den Wettbewerb in Odenthal.

Dagmar Reinecke: Sie stellte Geschirr aus, das sie in ihrer Werkstatt in der Hallergasse in Regensburg fertigt. Sie unterhält einen Laden, das „Kuss-Künstlerhaus“ in Stadtamhof. Ihr Geschirr mit glänzenden Gold- und Gelbtönen könnte der Tafelrunde von König Artus entsprungen sein.
Dagmar Reinecke: Sie stellte Geschirr aus, das sie in ihrer Werkstatt in der Hallergasse in Regensburg fertigt. Sie unterhält einen Laden, das „Kuss-Künstlerhaus“ in Stadtamhof. Ihr Geschirr mit glänzenden Gold- und Gelbtönen könnte der Tafelrunde von König Artus entsprungen sein.

Das Gewinnerkunstwerk wurde aus einer einzigen Kugel herausgeschnitten und erinnert, so die Künstlerin, an das chinesische Yin-und-Yang-Symbol.

Kunst aus dem Mittelalter

Der Rakubrand hat sie vollkommen fasziniert. „Raku ist eine hohe Brennkunst aus Japan, die seit dem Mittelalter existiert. Alles sind Einzelstücke, die auf sehr archaische Weise gefertigt werden“, erzählt André-Engelhardt.

Einen afrikanischen Einfluss auf ihre Arbeiten kann sie nicht verleugnen. Das passt allerdings auch gut zum einfachen Brennverfahren des Rakubrandes.

Diese in gewisser Weise archaische Methode des Tonbrennens empfinde sie als aufregend und spannend, wenn sie das Objekt bei 1000 Grad aus dem Ofen hole und abwarte, bis es sich entwickelt, um es dann in spektakulärer Weise in Rauch zu hüllen und auf das Endergebnis zu warten.

Brigitte Künzel: Sie arbeitet in Rheinhausen und bringt ihre Eindrücke von Reisen, z.B. aus Marokko, mit. Man sieht ihrer Kunst die archaischen und afrikanischen Einflüsse an. Sie verwendet Rollstempel und Naturmaterialien, die sie in den frischen Ton hineindrückt.
Brigitte Künzel: Sie arbeitet in Rheinhausen und bringt ihre Eindrücke von Reisen, z.B. aus Marokko, mit. Man sieht ihrer Kunst die archaischen und afrikanischen Einflüsse an. Sie verwendet Rollstempel und Naturmaterialien, die sie in den frischen Ton hineindrückt.

Die Stücke würden im Freien in den Gasofen gesteckt, bei ca. 1000 Grad werden die Glasuren eingeschmolzen. „Ich hole jedes Stück mit der Zange heiß heraus und durch die schnelle Abkühlung entsteht dann dieses typische Craquelé. Jede Arbeit wird dann in ein Sägespänebett gesetzt und im Feuer noch mal nachbearbeitet. „Mir geht es darum, lebendige Keramik zu schaffen, und ich stelle die Glasuren fast immer selbst her“, berichtet die Künstlerin.

Als Gegensatz zu den Arbeiten von André-Engelhardt fallen die Blüten und Pflanzen als Gartenstecker auf, die in einer überbordenden Fülle von Formen und Farben stramm stehen, als wären sie gerade der Verfilmung von „Alice im Wunderland“ von Jams Bobin entsprungen. Freudig und keck strecken sie ihre tönernen Köpfe den Besuchern des Marktes entgegen. Kaum ein Besucher, der nicht stehenbleibt und sich überlegt, wie sich das eine oder andere Stück bei ihm im Garten machen würde.

Als Individualisten und Ideengeber treten die „Jungen Wilden aus Landshut“ an, um die Welt der Töpferei zu erobern und aufzumischen: Claudia Kutsche und Paul Karl haben erst kürzlich ihren Abschluss gemacht und stechen mit ihrer fantasievollen und individuellen Kunst sowohl äußerlich als auch mit ihren Ausstellungsstücken aus dem großen Angebot heraus.

Rudi Hammer: Er kommt aus Wald und hat seine Werkstatt seit 2012 in Hirschenbühl. Er stellt auch in Frankfurt und Mainz aus. Gelernt hat er Scheibentöpfer, die Feuerschalen seien zum Gebrauch aber auch sehr dekorativ im Garten zu verwenden. Im Winter ist er auf dem Lukreziamarkt
Rudi Hammer: Er kommt aus Wald und hat seine Werkstatt seit 2012 in Hirschenbühl. Er stellt auch in Frankfurt und Mainz aus. Gelernt hat er Scheibentöpfer, die Feuerschalen seien zum Gebrauch aber auch sehr dekorativ im Garten zu verwenden. Im Winter ist er auf dem Lukreziamarkt

Kutsche entwirft Tassen, die aussehen als hätte eine Köchin aus der Zeti der Jahrhundertwende versucht, kaputte Tassen mit Requisiten aus ihrem Nähkästchen zu reparieren. Knöpfe scheinen auf die Tassen „aufgenäht“, ein Reißverschluss, der offen steht, lässt den Besucher glauben , man könne ihn schließen, ein Stoffflicken scheint „per Hand“ mit Nadel und Faden aufgenäht. Selbstverständlich ist alles aus Ton. „Ich möchte, dass es so wirkt, als wäre es aus Stoffe gemacht“, erklärt Kutsche. „Man kann ja sonst keine Flüssigkeiten in einen Stoff füllen und der Kontrast hat mich interessiert!“

20 Stunden wird gebrannt

Paul Karl stellt in seinen Arbeiten wunderschöne Platten als kombinierbares Essgeschirr vor, die aufeinandergelegt werden können und im besonderen Holzbrandverfahren gefertigt wurden. Die Stücke werden nur im Holzofen gebrannt. Kutsche: „Wir brennen 20 Stunden und länger bei 1260 Grad, es ist eine Nische in der Keramik.“ Jedes Stück sei einzigartig und ein Unikat, das würden die Käufer schätzen.

„Wir haben beide schon in der Galerie Handwerk in München ausgestellt, haben da auch Preise gewonnen, momentan verkaufen wir nur über die Märkte“, erzählt Kutsche. Beide wollen neue Sachen wagen, die es sonst so nicht gibt, und dem Geschirr einen Charakter geben.

Claudia Kutsche: Sie arbeitet zusammen mit Paul Karl in Altdorf bei Landshut. Beide sind seit Kurzem Keramikmeister aus der Landshuter Schule. Sie stellten schon in der Galerie „Handwerk“ in München aus und haben dort Preise gewonnen. Sie gehen neue Wege in der Tonkunst.
Claudia Kutsche: Sie arbeitet zusammen mit Paul Karl in Altdorf bei Landshut. Beide sind seit Kurzem Keramikmeister aus der Landshuter Schule. Sie stellten schon in der Galerie „Handwerk“ in München aus und haben dort Preise gewonnen. Sie gehen neue Wege in der Tonkunst.

Mit wissenschaftlicher Genauigkeit hat Thomas Müller Naturabformungen von über 150 Pilzarten geschaffen, die er so realitätsnah bemalt, dass sie von den natürlich wachsenden Pilzarten kaum zu unterscheiden sind. Nicht ohne Grund haben seine Keramikpilze Eingang in Museen gefunden. Auch in Haus und Garten machen seine witte­rungsbeständigen Zeitgenossen als Deko-Pilze eine gute Figur.

Rudi Hammer aus Wald ist schon zum dritten Mal hier. In seinen Feuerschalen kann man jederzeit ein kräftiges Feuer schüren zum Grillen oder auch nur als angenehmes Feuer im Garten.

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