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Alleinerziehende zwischen Mühlsteinen

Der Spagat zwischen Berufswelt und Familienerfordernissen reibt viele Mütter und Väter auf. Expertin Agnes Sitzberger fordert hier ein Umdenken.
Von Angelika Lukesch, MZ

Beruf und Kindererziehung: Im Bemühen auf beiden Feldern zu funktionieren, reiben sich viele Alleinerziehende zunehmend auf. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Für Frauen mit Kindern gestaltet sich der Wiedereinstieg in den Beruf oftmals schwierig. Wirklich schlimm trifft es jedoch die alleinerziehenden Mütter und Väter, die ganz allein und täglich die Verantwortung für Kind oder Kinder tragen. Neben den bekannten Angeboten wie Krabbelstuben und Krippen, Kindergarten, Schule, Mittagsbetreuung oder Hort und Tagesmutter sei auch die private Unterstützung durch Großeltern, Verwandtschaft oder Freunde wichtig, sagt Agnes Sitzberger von der Beratungsstelle für Alleinerziehende bei der Diakonie Regensburg. Schließlich richten sich die individuellen Bedürfnisse eines Kindes nicht nach den Arbeitszeiten eines Arbeitgebers.

Bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz gehe es hauptsächlich darum, ob der Arbeitgeber dahingehend Vertrauen in die Mutter hat, dass sie alles „auf die Reihe“ kriegt und die Arbeit nicht unter den Familienpflichten leidet. Schließlich, stellt Sitzberger fest, fühlten sich viele Arbeitgeber nicht verantwortlich dafür, in welchen familiären Umständen die Frau lebe. Natürlich gibt es mittlerweile auch Arbeitgeber, die über den Tellerrand der eigenen Bedürfnisse hinaussehen, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und Müttern, die den Nachwuchs und somit die spätere Wirtschaftskraft großziehen, bei der Regelung des Arbeitsablaufes entgegenkommen. Diese Arbeitgeber jedoch sind noch in der Minderheit.

Somit befinde sich die Alleinerziehende „zwischen den zwei Mühlsteinen Berufswelt und Familienerfordernissen.“ Ein Zustand, der oftmals fast nicht lösbar ist. Agnes Sitzberger ist überzeugt, dass nicht nur staatliche Hilfen erforderlich seien, sondern ein gesamtes Umdenken, das jedoch mit staatlichen Anreizen noch mehr ins Rollen gebracht werden könne. „Unser System ist auf Gewinnmaximierung ausgerichtet“, betont Sitzberger. Ihrer Ansicht nach werden Äpfel mit Birnen verglichen, wenn die Anforderungen einer Erwerbstätigkeit an Menschen mit und ohne Familie, an Männer und Frauen gleich angelegt werden.

Die Produktivitätslogik des Arbeitslebens pralle mit der Tatsache zusammen, dass Kinder Zeit, Verlässlichkeit, Entfaltungsmöglichkeiten und Zuwendung brauchen und nicht immer `nach Plan funktionieren. „Mütter haben das Gefühl, dass die Kinder in Zusammenhang mit der Erwerbserfordernis als lästige Belastung abgetan werden, erklärt Sitzberger und fordert eine Gewinnmaximierung außerhalb des monetären Denkens. „Neben dem Lohneinkommen und der Altersversorgung muss die zusätzliche Erwerbsarbeit zu mehr Lebenszufriedenheit führen“, sagt Sitzberger. Bislang sei die Gesellschaft davon allerdings noch weit entfernt.

Sitzberger weiß von vielen Beispielen aus dem Alltag, die die reale Unvereinbarkeit von Arbeit und Familie für Alleinerziehende überdeutlich zeigen. Zudem herrsche bei den meisten ein hoher finanzieller Druck, der die Mütter dazu zwinge, arbeiten zu gehen. Eine Lösung zu finden, sei sehr schwierig, sagt Sitzberger. „Je besser eine Mutter vernetzt ist, umso mehr steigt die Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ohne dabei komplett zerrieben zu werden.“ Hinzu komme: „Nicht alles lässt sich organisieren!“ Es werde viel zu wenig berücksichtigt, dass Alleinerziehende ihre zeitliche und räumliche Flexibilität den Notwendigkeiten des Familienlebens anpassen müssten, beklagt Sitzberger.

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