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Heimatgeschichte

Altes Gemäuer ist neu saniert

Ein Tag zum Genießen: Der Tag der offenen Tür in der historischen Hofstelle in Matting lockte über 2000 Gäste.
Von Josef Eder

Das Trio Schramm spielte im Obstgarten. Die Zuschauer freute das. Foto: Josef Eder
Das Trio Schramm spielte im Obstgarten. Die Zuschauer freute das. Foto: Josef Eder

Pentling.Neue Töne erklangen beim Tag der offenen Tür in der historischen Hofstelle „An der Donau 25“ in Matting. Das Quintett Blech & Banjo hatte nicht die ansonsten übliche Volksmusik in seinem Repertoire, sondern kam ganz jazzig daher. In der Gruppe spielen Mitglieder aus den ehemaligen Formationen der Kaiserjazzer und Saulocker. Erika Eichenseer saß unter den Besuchern vor dem Getreidespeicher und wippte wie die meisten bei den für ein Sänger- und Musikantentreffen modern klingenden Musikstücken mit.

Es war ein Tag zum Genießen für Leib und Seele, mit breitem Angebot, kräftigem Imbiss und süßem Naschwerk in der einmaligen Atmosphäre rund um die historische Hofstelle mitten im schattigen Obstgarten. Diese Atmosphäre genoss auch Josef Vogel (79). Der gebürtige Kelheimwinzerer ist seit Jahrzehnten nahe Melbourne (Australien) beheimatet.

Glücklich über die vielen Gäste

Weiter spielte die Blaskapelle Hanslberger Musikanten, Trio Schramm, Akkordeon und die Oberndorfer Sänger. Von 11 bis 18 Uhr herrschte ein ständiges Kommen und Gehen auf der Hofstelle. Regensburgs Dombauhüttenmeister Helmut Stuhlfelder, erster Vorsitzender des Freundeskreises Matting, war die Freude über die vielen Besucher, die die Zahl 2000 locker überschritten, anzusehen. Noch größer war sein Glück, als er von einem Bekannten das Sterbebild des ehemaligen Mattinger Pfarrherrn Liborius Schmidt erhielt. Der Geistliche ist 1906 verstorben. Stuhlfelder nennt eine große Sammlung dieser Andenken sein Eigen.

Erika Eichenseer strahlte über das ganze Gesicht. Ihr verstorbener Mann, der ehemalige Oberpfälzer Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf J. Eichenseer, wäre stolz auf den Erfolg gewesen. Er war es nämlich, der vor rund drei Jahrzehnten den Verein gründete und sich der Erhaltung der alten Hofstelle von Thekla Wolf verschrieben hatte. Ein Schmuckkästchen ist nach großer Überredungskunst und harter Arbeit daraus geworden. Die Besitzerin hatte die Abbruchgenehmigung schon.

Als sie sie verlegt hatte, fragte Thekla Wolf Dr. Eichenseer, ob er ihr helfen könne. Dieser bewahrte dann das Anwesen Wolf – Knittl vor der Spitzhacke. Die Hausforscher Gebrüder Kirchner untersuchten die Hofstelle. Sie fanden heraus, dass das Wohnstallhaus um 1350 erbaut wurde. Martina und Manfred Knittl renovierten es. Der neue Besitzer Dr. Florian Baumann macht im Sinne der beiden weiter.

Unterhaltung mit Sagen und Märchen

Vom weiß-blauem Himmel schickte die Herbstsonne wärmende Strahlen. Die Besucher saßen auf Bierbänken unter Obstbäumen oder vor dem Stadl. Kaum stand jemand auf, so war flugs sein Sitzplatz von einem neuen Gast besetzt. Auf dem weitläufigen Gelände erklang überall Musik und Gesang. Kinder sausten umher. Ältere Mitbürger unterhielten sich. Andere bestaunten die alten bäuerlichen Werkzeuge, die im Getreidekasten ausgestellt waren.

„Mit diesem Teil habe ich noch Stroh als Futter für mein Hornvieh geschnitten. Die jetzt an der Wand hängenden, leeren Getreidesäcke wogen meist mehr als einen Doppelzentner (100 kg), wenn wir sie von der Dreschmaschine auf den Getreideboden trugen“, sinnierten mehrere ältere Bauersleute.

Erika Eichenseer erzählte eine schaurige Geschichte in der guten Stube des Austragshäusls unter dem „Suppenbrunzer“. Die Zuhörer lauschten gespannt. Foto: Josef Eder
Erika Eichenseer erzählte eine schaurige Geschichte in der guten Stube des Austragshäusls unter dem „Suppenbrunzer“. Die Zuhörer lauschten gespannt. Foto: Josef Eder

In der guten Stube unter dem Herrgottswinkel saßen die Zuhörer und lauschten, wenn Erika Eichenseer Sagen und Märchen des Oberpfälzer Volkskundlers und Ritters Franz Xaver von Schönwerth, (1810 bis 1886) immer zur vollen Stunde erzählte. Sie sahen sich in die Vergangenheit zurückversetzt, als sie wort- und gestenreich die grausige Geschichte von den Strümpfen des Gehenkten erzählte – kein Wunder, denn die Umgebung machte dies möglich. In der Glaskugel über dem Esstisch an der Lampe mit dem weißen Schirm war der „Suppenbrunzer“ befestigt. Das ist eine Glaskugel, in der eine Figur, hier die Darstellung des Hl. Geists in Taubenform, zu sehen ist. Wenn alle unter ihr die Suppe löffelten, dann stieg Dampf auf. Als Wasser tropfte er in die Suppenschüsseln der Essenden – daher der Name.

Schmieden, filzen, formen

Ständig umlagert waren die Handwerke vor dem Wohnstallhaus. Florian Billig aus Rettenbach (Lkr. Regensburg) fertigte Herzerl, Nägel und Anderes im circa 1200 Grad heißen Schmiedefeuer. Anita Köstler kam aus der nördlichen Oberpfalz. Die Neualbenreutherin hatte Filz- und Leinenarbeiten dabei. Meinhard Köstler zog die Blicke auf sich, als er Knödel formte. Sie waren aus Gips. Verwendung finden die Knödel als Therapiebälle.

Mit ihrem Butterfass waren die Laabertaler Trachtler aus Sünching wieder da. „Ist das wirklich Butter, wie wir ihn im Supermarkt kaufen?“, fragten neugierige Kinder. Sabine Leipold, die einst lange Jahre im Wohnstallhaus ihr Atelier hatte, stellte Bilder unter dem Motto „Wenn dem Pinsel Flügel wachsen“ aus Matting aus. Die Mattingerin Christa Grasser setzte mit Christa Bäuml wieder auf Floristik. Stuhlfelder war sehr interessiert, wo sie den Buchs in Zeiten des Zünslers bezog.

Erika Eichenseer hatte wieder die Musiker für die Veranstaltung gewinnen können, die meist aus Spaß an der Freud für eine Brotzeit aufspielten. „Für uns war es eine öffentliche Probe, bei der wir was Neues ausprobieren konnten. Des Weiteren ist es für einen guten Zweck“, sagte ein Musiker vom Trio Schramm zum Vorsitzenden des Freundeskreises Matting, Helmut Stuhlfelder, als dieser nach der Gage fragte. Alle Mattinger Ortsvereine arbeiteten mit.

Traditionelle Bauweise

  • Historische Bauten:

    In Matting stehen noch mehrere Steinbauernhäuser aus dem 14. Jahrhundert. Als Baumaterial wurden die örtlich vorhandenen Kalk- und Sandsteine verwendet.

  • Bautradition:

    In der Regel handelt es sich immer um zweigeschossige reine Steinbauten. Der Baustil ist das Altmühl-Jurahaus. Die Bedachung ist häufig aus Schiefer oder Kalkplatten. (lje)

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