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Gast-Arbeiter

Aus Helfen am Bauernhof wurde Liebe

Berit Proctor kam über eine Organisation nach Brennberg, um für Kost und Logis zu arbeiten. Jetzt ist sie die Bäuerin.
Von Heinz Klein

Berit Proctor kam als WWOOFer auf die Höllmühle und lernte dort den „Jungbauern“ und Steinmetz Olaf Klein kennen. Nun sind sie eine Familie. Im Bild mit Töchterchen Liz und Pina, Hofhund Merle und Lehrling Damian Schymalla mit Hundewelpen. Foto: Klein
Berit Proctor kam als WWOOFer auf die Höllmühle und lernte dort den „Jungbauern“ und Steinmetz Olaf Klein kennen. Nun sind sie eine Familie. Im Bild mit Töchterchen Liz und Pina, Hofhund Merle und Lehrling Damian Schymalla mit Hundewelpen. Foto: Klein

Brennberg.Wie kommt man ohne viel Geld herum in der Welt? „Work and travel“ – arbeiten und reisen – ist ein Konzept, das beides möglich macht. Und das nutzte Berit Proctor. Die junge Frau war in Spanien und Australien unterwegs, arbeitete dort auf einer Bananenfarm und einem Hof in der Wüste als WWOOFer. WWOOF steht für „World-Wide Opportunities on Organic Farms“ – die Gelegenheit, weltweit auf Bio-Bauernhöfen gegen Kost und Logis zu arbeiten.

Das WWOOFen behielt Berit Proctor auch während ihres Studiums in Passau bei und half an Wochenenden auf dem idyllischen Biohof Höllmühle bei Brennberg. Dann ging es wieder hinaus in die Welt. Die junge Frau organisierte für eine Tourismus-Agentur Eltern-Kind-Reisen in Kroatien und Spanien. Und sie hielt weiterhin Kontakt zur Höllmühle. Bei einem Hoffest lernte sie schließlich den späteren Hoferben Olaf Klein kennen, der als Steinmetzmeister gerade in England seinen „Master of fine art“ gemacht hatte. Tja, und dann hat’s gefunkt. Was aus dem WWOOFen alles werden kann! Da müssen Olaf und Berit schmunzeln. Das Töchterchen Pina lacht mit, während Liz, der jüngste Spross in der Höllmühle, noch selig ein Nickerchen macht.

Von Frankfurt in die Höllmühle

Zehn Kühe und ein Stier weiden am idyllischen Höllbach. Foto: Klein
Zehn Kühe und ein Stier weiden am idyllischen Höllbach. Foto: Klein

Auch bei Damian Schymalla verlief das Leben plötzlich in anderen Bahnen. Der „Stoderer“ hatte zuhause in Frankfurt/Main eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht und dabei gemerkt, dass ihm die Natur doch näher war als das Büro. „Ich wollte meine ökologischen Vorstellungen verwirklichen“, erzählt der 25-Jährige. In der Höllmühle heuerte er für drei Wochen als WWOOFer an, um danach eine Landwirtschaftslehre auf einem großen Saatgutbetrieb in Hessen zu beginnen. Doch nun sind aus den drei Wochen fast drei Jahre in der Höllmühle geworden. Damian Schymalla nahm das Angebot an, bei Olaf Klein eine Steinmetzlehre zu machen. „Da sind die Muskeln gewachsen“, lacht der einstige Großstadtmensch.

„Jeder muss schauen, wie er sich je nach seinen Fähigkeiten einbringen kann.“

Berit Proctor, Bäuerin und Hofbetreuerin

Die zwei Männer arbeiten derzeit fieberhaft an einem Giebelabschluss für eine neugotische Kirche in Saal. „An so was kommst du kaum ran, das ist eine ganz seltene Arbeit“ strahlt Lehrling Damian sichtlich stolz und freut sich, an so einem Auftrag arbeiten zu dürfen. In der offenen Steinmetz-Werkstatt schauen ihnen Gänse, Laufenten, Seidenhühner und Hofhund Merle zu. Wenn es Abend wird, trotten elf Rinder von der Weide kommend an der Steinmetz-Werkstatt vorbei zurück in den Hof. Mütterkühe, zwei Kälber und ein Stier sind der Viehbestand in der Höllmühle.

Nachwuchs gab es auch Hofhündin Merle: die zwei Wonneproppen sind wohlauf. Foto: Klein
Nachwuchs gab es auch Hofhündin Merle: die zwei Wonneproppen sind wohlauf. Foto: Klein

Auf dem kleinen Hof gibt es immer Arbeit. Jetzt stand Heumachen auf der Tagesordnung. Die Pflege der Viehweiden und der Zäune, das Obsternten, Bäume schneiden, Tiere füttern, ausmisten, im Garten arbeiten, jäten, Kartoffel klauben und Brennholz machen – das ist das Arbeitsprogramm auf der Höllmühle. „Wir sind dankbar um jede Hilfe“, sagt Berit Proctor. So gehört die Höllmühle zu den eher seltenen Höfen, in denen WWOOFer auch nur für ein Wochenende willkommen sind.

Denn nicht nur die geleistete Arbeit ist wichtig. Es ist auch schön, neue Gesichter und Menschen mit neuen Ideen kennenzulernen, erzählt die Höllmühlen-Bäuerin. Das ist die grundlegende Idee des WWOOFens. Einblicke in die ökologische Landwirtschaft und das Arbeiten mit Tieren zu gewinnen, Neues zu lernen, aber auch Ideen beizusteuern.

Sechs Stunden Arbeit sind genug

Deshalb wird auch nicht erwartet, dass diese „Gast-Arbeiter“ den ganzen Tag schuften. Bei etwa fünf, sechs Stunden Arbeitszeit pro Tag liegt die Erwartung. „Manche hängen sich aber auch rein in die Arbeit, das macht denen richtig Spaß“, beobachtet Berit Proctor.

Olaf Klein schaut erst mal, wie sich die „Mit-Arbeiter“ so anstellen und ob man ihnen auch gefährliche Werkzeuge in die Hand geben kann. Die Leute kommen als Gäste mit der Bereitschaft, mitzuarbeiten. „Jeder muss schauen, wie er sich je nach seinen Fähigkeiten einbringen kann“, sagt Berit Proctor.

Die 41-Jährige ist für das Netzwerk WWOOF auch als Hofbetreuerin unterwegs und berät Biobauern, die WWOOFer aufnehmen möchten. Das können auch Höfe mit einer ganz kleinen Landwirtschaft sein, die vielleicht erst am Anfang stehen, sagt Berit Proctor. Wichtig ist, dass sie ökologisch wirtschaften. Die Unterkunft variiert vom Gästezimmer bis hin zum Wohnwagen oder Zelt. Die Gastgeber und die anfallenden Arbeiten werden auf der WWOOF-Homepage beschrieben – darunter auch einige Höfe im und am Rand des Bayerischen Waldes. Und die Zahl der Gastgeber wächst, freut sich die Hofbetreuerin aus der Höllmühle.

Arbeiten für Kost und Logis

  • WWOOFer

    müssen mindestens 18 Jahre als sein. Die Dauer des Arbeitseinsatzes ist abhängig vom jeweiligen Arbeitgeber und im Ausland von der möglichen Visumsdauer. Die Arbeitszeit beträgt in der Regel etwas länger als einen halben Tag. Gearbeitet wird nicht gegen Bares, sondern für Kost und Logis. Die Arbeit auf den Höfen erfordert Flexibilität, hängt zum Teil stark von Wetter und der Saison ab und ist in der Regel körperlich anstrengend.

  • Höfe in der Nähe:

    Ein Alpaka-Hof im Bayerischen Wald und zwei Bio-Höfe bei Cham suchen WWOOFer. Auch zur Haselnussernte werden Helfer gesucht. Mehr Infos gibt es unter www.wwoof.de

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