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Musik

Auschwitz-Überlebende rappt in Sinzing

Esther Bejarano tritt mit der Kölner Band Microphone Mafia auf. Sie werben gemeinsam für ein friedvolles Miteinander.
Von Elisabeth Angenvoort

Esther Bejarano und die Kölner Band Microphone Mafia kommen nach Sinzing. Foto: Microphone Mafia
Esther Bejarano und die Kölner Band Microphone Mafia kommen nach Sinzing. Foto: Microphone Mafia

Sinzing.Sie ist fast 95 Jahre alt und immer noch unermüdlich auf vielen Bühnen unterwegs, um mit den Musikern der Microphone Mafia gegen Rechts zu rappen: Esther Bejarano, geboren als Esther Loewy, eine der letzten Überlebenden von Auschwitz.

Fast war man versucht gewesen, zu hoffen, Deutschland hätte seit der Tragödie im Dritten Reich dazu gelernt; das millionenfache Leiden des jüdischen Volkes und all jener Verfolgten und Ermordeten von damals wäre endlich erkannt und anerkannt als das, was es ist: unmenschlich und grausam.

In einer Zeit, da Menschen aus Hass und Langeweile, man möchte sagen aus bösartiger Dummheit, Gewalt anwenden gegen Andere, ist Bejaranos Botschaft dringender denn je; es ist ein Appell an die Menschlichkeit wider das Verdrängen und Vergessen, gegen Gewalt, Terror und Angst. Es gäbe noch viele Wörter, die versuchen dieses Grauen zu benennen, doch letztlich ist es nicht in Worte zu fassen, und am Ende bleibt es ein dunkles Rätsel.

Orchester als Lebensretter

Esther Bejarano kam als 18-Jährige in das Lager Auschwitz-Birkenau. Ihre Musikalität wurde bald erkannt, und man wollte sie im Mädchenorchester einsetzen. Da es kein Klavier im Lager gab, verpflichtete sie sich als Akkordeonspielerin, ohne zuvor dieses Instrument in der Hand gehabt zu haben. Mit „Bel Ami“, dem im Deutschen Reich durch den gleichnamigen Film populär gewordenen Schlager, gelang es ihr, die Lagerleitung zu überzeugen. Das rettete ihr das Leben. Mitglied im Orchester zu sein, bedeutete, von Arbeit weitgehend verschont zu bleiben und etwas mehr Nahrung zu erhalten. Zur Besetzung gehörten auch die Cellistin Anita Lasker (später Lasker-Wallfisch) und die Sängerin Fania Fénelon, die wie Bejarano das Lager überlebten.

„La Vita Continua“

  • Wer:

    Esther Bejarano und die Kölner Band Microphone Mafia

  • Wann:

    am 10. November 2019 um 18 Uhr

  • Wo:

    Aula der Grundschule Bergstraße 11, Sinzing

  • Was:

    Lieder und Texte gegen Rechts

  • Kosten:

    Der Eintritt ist frei.

Im November 1943 wurde Bejarano nach Ravensbrück verlegt und für Montagearbeiten im Siemenslager eingesetzt. Kurz vor der Befreiung durch die Alliierten 1945 wurde sie gezwungen, an den Todesmärschen teilzunehmen. Zwischen Karow und Plau am See gelang ihr die Flucht. Die Befreiung durch US-Truppen am 3. Mai 1945 erlebte sie in Lübz, von wo aus sie nach Lüneburg in ein Displaced Persons Camp kam. Sie musste erfahren, dass von ihrer Familie nur der Bruder in USA und eine Schwester in Palästina überlebt hatten. Mitte August konnte Bejarano nach Palästina ausreisen.

In den folgenden Jahren studierte sie in Tel Aviv Gesang, sie leistete ihren Militärdienst in Jaffa und engagierte sich beim Jugendfestival in Prag und Budapest. 1950 heiratete sie Nissim Bejarano, den Vater ihrer Kinder Edna und Joram. Die Rückkehr nach Deutschland 1960 finanzierte sich die Familie durch eine Wiedergutmachung, die Bejarano aufgrund ihrer KZ-Haft erhalten hatte.

Mix aus Lyrik, Hip-Hop und Rap

Bejaranos Engagement wider das Vergessen der Greueltaten, die ihrem Volk und vielen anderen Völkern vom NS-Regime widerfahren sind, dauert an und hat an Aktualität gewonnen. Die Zusammenarbeit mit der Kölner Rapperband Microphone Mafia (vormals Therapy contra Animosity) nahm 2007 ihren Anfang. Sänger Kutlu „Little Asia“ Yurtseven plante damals ein multimediales Projekt gegen die Aktion der Freien Kameradschaften und NPD, die gratis CDs auf Schulhöfen verteilten.

Aus der Zusammenarbeit von Mikrophone Mafia und Esther, Eda sowie Joram Bejarano entstand 2009 eine erste gemeinsame CD („Par la Vita“). Das zweite Album „La Vita Continua“ erschien 2013. Mit diesem Programm, einem Mix aus Lyrik, Hip-Hop und Rap, kommen Bejarano und die Microphone Mafia nun nach Sinzing: In der Hoffnung, dass ihre Botschaft viele erreicht und weitergetragen wird.

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